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Heldmaschine: Lügen

Solides Album mit Luft nach oben
Wertung: 7/10
Genre: NDH
Spielzeit: 60:12
Release: 21.08.2015
Label: Soulfood

Vor vier Jahren gründeten sich Heldmaschine als Parallelprojekt zu ihrer Rammstein-Tribut-Show Völkerball. Mittlerweile haben die Koblenzer mit „Lügen“ bereits ihr drittes Album am Start, was grundsätzlich schon mal eine reife Fleißleistung darstellt. Dass die Herren sich im Bereiche Industrial, Neue Deutsche Härte austoben, mag sicher angesichts des zweiten Projekts nicht für großartige Verwunderungen sorgen, ebenso nicht die musikalischen Überschneidungen zu anderen Bands dieses Sektors oder eventuelle Ähnlichkeiten in der gesanglichen Interpretation der Titel.

Davon aber abgesehen, muss man den Koblenzern attestieren, dass sie sich mit „Lügen“ recht deutlich von der Szene abheben. Dies liegt vor allem in den recht geradlinigen Lyrics begründet, die sich zu weiten Teilen im sozialkritischen und gesellschaftskritischen Bereich bewegen. So dreht sich beispielsweise „Schwerelos“ um das Thema häusliche Gewalt und wird hier mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Herangehensweise versehen. Den eigentlich angebrachten Verurteilungen der Situation stellen Heldmaschine eine Erklärung aus Sicht des Mannes entgegen und lassen die Frau sich zusätzlich entschuldigen, was insgesamt sehr eigenwillig auf den Hörer wirkt und trotzdem als gelungen zu bezeichnen ist.

Aber gar zu sehr zart besaitet sollte man bei diesem Album eh nicht sein und erst recht kein gnadenloser Optimist, der seine Umwelt nur mit rosaroter Brille erlebt. Zumindest könnte es passieren, dass sich diese bald verabschiedet und eher die düstere Aura einer Schweißerbrille annimmt. Heldmaschine führen, wie zum Beispiel in „Wer einmal lügt“ oder in „Ich will dein Bestes“, immer wieder menschliche wie auch gesellschaftliche Schwachpunkte auf, was stellenweise sehr desillusionierend wirkt. „Maskenschlacht“ erzählt gar, wie man auch ohne Rückgrat erfolgreich durchs Leben kommt, wenn man nur das jeweils das passende Gesicht trägt.

Mit „Wir danken euch“ gibt Heldmaschine einen Dank an die Fans ab, welcher dem Hörer zu einem erstaunlich frühen Zeitpunkt kredenzt wird. Recht ruhig gehalten, steht es im Gegensatz zu den restlichen Titeln, zumal dieses Dankeschön auch relativ minimalistisch daherkommt und hier glücklicherweise auch der zynische Anklang weitestgehend verdrängt wird. „Einmal ist keinmal“ spart hingegen nicht mit einem opulenten Arrangement, zeigt stark hymnische Züge und würde sich wohl auch gut als Südkurvenrock machen. Aber genau die eben angesprochenen Titel zeigen die Stellen auf, an denen die Koblenzer noch etwas Luft nach oben haben. Egal ob monströs, auswuchernd oder eben auf das Minimale beschränkt, in beide Richtungen könnte man in Zukunft noch Einiges an Eindringlichkeit zulegen.

Angemerkt sei noch, dass sich mit Teufel von Tanzwut, Daniel Schulz und Daniel De Clercq von Unzucht auch Gastsänger auf dem Album verewigen, die allerdings keine wesentlichen Akzente setzen können. Den setzen allerdings Songs wie „Ein Traum“ oder auch das avantgardistische „Die Roboter“, mit denen Heldmaschine ihrem Album eine neue Facette hinzufügen. Insgesamt legen die Koblenzer ein stimmiges, solides Werk vor, auch wenn es noch ein Stück bis zu einem Spitzenalbum hin ist.

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