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Hekate: Die Welt der dunklen Gärten

An die Spitze des deutschen Neofolks
Wertung: 8.5/10
Genre: Neofolk
Spielzeit: 68:44
Release: 10.06.2011
Label: Auerbach Tonträger

Nachdem mit Sol Invictus schon ein britisches Urgestein des Neofolk nach einer langen Zeit mit einem neuen Album im Gepäck zurückkehrte, geben nach sieben Jahren nun auch Hekate ein Lebenszeichen in Form des neuen Longplayers „Die Welt der dunklen Gärten“. Dass die Band zu den Veteranen der deutsche Szene zählt, muss man Fans der Bewegung sicherlich nicht mehr erzählen, doch eine derartige Zeitspanne ohne Releases steigert natürlich den Erwartungsdruck enorm und lässt die Frage aufkommen, ob Hekate ihrem Ruf noch immer gerecht werden – eine stolze Spielzeit von fast 70 Minuten und 13 Tracks zeigt immerhin schon einmal, dass die Band nicht untätig war.

Verglichen mit Sol Invictus geben sich Hekate zunächst einmal wesentlich zugänglicher und harmonischer in Songwriting und Melodik, was nicht zuletzt auf die deutlichen Einflüsse mittelalterlichen Folks zurückzuführen ist, die die Formation wesentlich von den oft kalten, Industrial-beeinflussten Sounds anderer Neofolk-Bands abgrenzt. Wenn elektronische Klänge zum Einsatz kommen, wird vielmehr auf warme Synthesizer gesetzt, die schillernde Melodien aufblitzen lassen oder wabernde Keyboardteppiche weben, die Gitarre und traditionelle Instrumente ergänzen und stimmungsvoll untermalen – eine ganze eigene, Natur-beeinflusste Mystik scheint so der Musik eigen zu sein und lockt den Hörer tief in „Die Welt der dunklen Garten“, die nicht nur akustisch, sondern auch textlich weit in die Tiefe führt.

So finden sich neben eigenen Texten auf Deutsch, Englisch und Französisch auch musikalische Interpretationen von Lord Byrons Lyrik in „Byronic Hero“ oder einzelne Strophen aus Joseph von Eichendorfs „Abschied“ in „Opportunity Of Time“. Die genannten Songs werden dabei von Axel Menz' weicher Stimme vorgetragen, der sich die Gesangsparts mit Susanne Grosche teilt – bei den englischen Songs fällt hierbei der starke deutsche Akzent des Sängers leider häufig negativ auf, was jedoch seine Leistung insgesamt nur wenig schmälert. Abgesehen von diesem kleinen Makel füllt das Duo die Songs aber sehr passend, wobei Susanne gerade in den esoterisch angehauchten Stücken glänzen kann: „Seelenreise“ hat mit schweren Drums, dem klangvollen Dulcimer und tiefen Synths einen fast schon meditativen Charakter, dem die Sängerin mit ihrer ätherischen Stimme mehr als gerecht wird. Diese rituell anmutende Seite findet sich auf „Die Welt der dunklen Gärten“ häufiger und führt gelegentlich auch in düsterere Sphären, wie es beispielsweise der unheilvolle mehrstimmige Gesang in „Sanctus“ bewirkt.

Auch Ambient-artige Elemente fließen des Öfteren in die Musik ein und werden häufig wie in „Jardin D'Anaïs“ oder „In My Garden“ mit perlendem Klavier und schillernden Synthesizern kombiniert, wobei sie durch den manchmal zum Einsatz kommenden Marschrhythmus jedoch teilweise auch ihrer hypnotischen Formlosigkeit enthoben werden. Größtenteils verzichtet wird auf elektronische Sounds in den mittelalterlich angehauchten Stücken, die so in einem sehr organischen und folkigen Klanggewand daherkommen – in „Die dunkle Wolke“ bleiben so die Synths im Hintergrund und lassen Raum für durchdringendes Tribal-Drumming und altertümliche Instrumente, zu denen Axel zwingende Melodien vorträgt. Dass Hekates Musik dabei auch ohne Gesang funktioniert, beweist beispielsweise „Per Aspera Ad Astra“, das sich nach anfänglichen Synth-Flächen in ein geradezu orchestral erscheinendes Crescendo erhebt. Leider greift das Songwriting nicht immer so gut wie in genanntem Song, sondern verliert sich zeitweise auch in repetitiven Strukturen – Monotonie kann selbstverständlich ein gutes Stilmittel sein, in Fällen wie dem eigentlichen eindringlichen „Idilia Dubb“ nerven einige ständig im selben Tonfall wiederholte Zeilen jedoch auf Dauer.

Im Gesamtkontext ist das allerdings ein mehr als verschmerzbarer Mangel, denn „Die Welt der dunklen Gärten“ ist ein fast durchgehend fesselndes Erlebnis, das eine distinktive Atmosphäre erschafft, die den Hörer lange in diesen Gärten verweilen lässt. Die Verflechtung von verschiedenen Stilen, aus denen letztendlich Hekates eigener Neofolk-Sound hervorgeht, funktioniert auf dem neuen Album des Duos besser denn je und stellt unmissverständlich klar, dass der Truppe auch nach sieben Jahren noch ein Platz an der Spitze zusteht. Für eingeschworene Fans ist diese Rückkehr ein Pflichtkauf, doch auch wer einen Einstieg in den Neofolk sucht, findet hier ein zugleich zugängliches und umfangreiches Stück Musik, das insbesondere als Gesamtkunstwerk zu überzeugen weiß.

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