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Heimsgard: Ördrag

Französischer Nachwuchs-Wikinger auf den Pfaden des Nordens
Wertung: 6,5/10
Genre: Epic Folk Metal
Spielzeit:
Release: 01.09.2015
Label: Epictural Productions

Was hat es damit auf sich, wenn ein Gitarrist einer französischen Black-Metal-Band das Bedürfnis entwickelt, in den nordischen Gefilden des Folk bzw. Pagan Metal zu wildern? Das mag man sich denken, wenn man das Erstlingswerk des Soloprojekts Heimsgard zum ersten Mal in den Händen hält und ein Gefühl der Skepsis nicht zu leugnen ist. Doch alles der Reihe nach.

Raido, seines Zeichens Saitenzauberer bei der aus Belfort stammenden Epic-Black-Metal-Formation Malevolentia, die im April dieses Jahres ihren dritten Langspieler herausgebracht hat, erweist sich auf der Platte als echtes Multitalent und übernimmt neben dem Songwriting auch das Einspielen der Vocals, Gitarren sowie der Key- und Orchesterarrangements. Lediglich Bass und Drums werden von Sessionmusikern beigesteuert, sodass man unterm Strich mit einem geradlinigen und in sich schlüssigen Album rechnen kann. Diese Erwartung erfüllt sich auch durchaus, jedoch liegt es im Auge des Betrachters, ob das der Platte positiv oder negativ angerechnet werden kann.

Was das Songwriting angeht, sind Einflüsse aus der Hauptband nicht zu leugnen – jedoch wird der grundsätzliche Versuch unternommen, die für Malevolentia charakteristischen komplexen, teilweise schwierig zu folgenden Songstrukturen zu begradigen und einem etwas gefälligeren Folk-Metal-Schema anzupassen. Ergänzt wird dieser Versuch mit typisch-melodischen, sich wiederholenden Streicher-, Bagpipe- oder Synth-Läufen, die von Anfang an die Oberhand über die Gitarren gewinnen, nur leider in sich nicht zu Ende gedacht werden, sodass sich die Songs dadurch immer wieder in Ziellosigkeit verstricken bzw. teilweise erdrückt werden. Hinzu kommen die obligatorischen Männerchöre in den Refrains, die, im Kontrast zu den gegrowlten Strophen, mal mehr, mal weniger epische Melodien über die Synths legen, oder des öfteren auch gerne bloß mal ein „Hey!!“ beisteuern. Ebenfalls typisch: die lyrische Ausgestaltung der Texte (Schlacht, Ehre, Aufbruch, Tod, insbesondere: Norden).

Am Ende überwirkt aus dieser Zusammensetzung der Eindruck, dass man es hier mit einem Klon aus Ensiferum- und (insbesondere) Finntroll-Demomaterial zu tun hat, der den Originalen in Vielseitigkeit und Kreativität jedoch nicht das Wasser reichen kann. Auch der Sound verstärkt den Demo-Eindruck leider umso mehr: gerade beim ersten Hören fallen die schrillen Gitarren auf, denen es aufgrund der zu prägnanten Höhen an Druck mangelt. Im Lauf des Albums legt sich dieser Eindruck etwas (oder man gewöhnt sich schlicht daran), die zu synthetisch klingenden Streicher und Bagpipes bleiben dem Hörer jedoch die ganze Spieldauer von insgesamt recht langen 63:13 Minuten erhalten. Hierauf sollte im Recordingprozess beim nächsten Mal definitiv verstärkt Augenmerk gelegt werden.

Die Songs klingen untereinander so gleich, dass es schwierig ist, einzelne aufgrund von Alleinstellungsmerkmalen herauszupicken, deswegen soll auch auf eine Song-by-Song Bewertung an dieser Stelle verzichtet werden. Wer einen guten Überblick über das im Album aufgefahrene Spektrum gewinnen möchte, dem sei „Stone Field“ oder „Wanderer Song“ empfohlen – letzterer aufgrund der durchaus vorhandenen Eingängigkeit; hier funktioniert das Zusammenspiel der beschriebenen Elemente noch mit am besten.

Auf ersteren lohnt es sich einen Blick zu werfen, da man hier prinzipiell alle Elemente des Albums in einem Song vorfindet: ein dem Albumintro ähnliches ruhiges Intro lediglich im Zeitraffer, melodische Synth-Läufe, Growls in den Strophen, Männerchor im Refrain (inkl. „Hey!!“), ruhiger instrumenteller Mittelteil und zur Abwechslung auch mal ein Gitarrensolo. Zu den schnelleren Songs der Platte gehören sowohl „Nothung“ als auch „Through The Eyes Of A Wolf“, in denen Chef Raido nicht nur an der Gitarre, sondern auch an den Tasten Fingerfertigkeit unter Beweis stellt (man beachte den zweiten Teil der Strophen). An technischer Versiertheit mangelt es dem Herren also auf keinen Fall, lediglich ein bisschen Auffrischung in Sachen Songwriting und Soundoptimierung wäre nötig, um den epischen Ansprüchen in Zukunft gerecht zu werden. Der eine oder andere Kollege aus dem Norden wird hierzu sicher gern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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