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Heimdalls Wacht: Ut de graute olle Tied (Deel II) - Land der Nebel

Ein überraschend frisches Album
Wertung: 8,5/10
Genre: Black Metal, Pagan Metal
Spielzeit: 61:41
Release: 09.10.2015
Label: AFM Records/Black Skull Records

Black-Metal-Bands sind im Allgemeinen in der Medienlandschaft schändlich unterrepräsentiert. Dass das durchaus ein selbst gewähltes Schicksal sein kann, beweisen neben vielen anderen einmal mehr die aus Nordrhein-Westfalen stammenden Heimdalls Wacht, die trotz zehnjährigem Bestehen außerhalb der elitären Kreise ziemlich unbekannt sein dürften. Und wie so oft erspäht man hier beim Blick über den Tellerrand die eine oder andere Perle.

Immerhin: „Ut de graute olle Tied (Deel II) – Land der Nebel“, so der sperrige Titel des aktuellen Albums, markiert auch schon das sechste Full-Length-Album der Truppe, wenn man diverse Splits mal außer Acht lässt. „Ut de graute olle Tied (Deel I)“ kam bereits 2008 heraus – Zeit genug also, einen knapp sechzig Minuten langen zweiten Teil zu ersinnen und zwischendurch ordentlich live die Bühnen zu beackern (unter anderem mit so illustren Kollegen wie Marduk und Lord Belial).

Den Stil der Band mit Pagan Black Metal zu benennen, tut dem, was das Trio hier abliefert, beinah Unrecht. Trotz überlanger Songs (die, wie die Kollegen wissen, so gar nicht mein cup of tea sind) überzeugen Drummer Feuerriese, Gitarrist und Sänger Saruman sowie Sänger Narhemoth auf ganzer Linie und voller Spielzeit. Dabei nutzen die Drei natürlich altbekannte Stilmittel aus beiden genannten Genres, fügen kriegerische anmutende Instrumentalstücke mit wahlweise pathetischem Gesang („Auf roter Erde erblüht…“) oder schwarzmetallischem Geschrei zusammen („Die fallenden Blätter der Irminsul“) und begeben sich auch mal auf melancholisch-düstere Pfade (zum Beispiel mit dem Instrumental-Intro „Indiculus paganiarum“). Alles in allem also nicht wirklich Frischfleisch – aber ziemlich interessant gewürzt.

Das bereits genannte 13-Minuten-Epos „Die fallenden Blätter der Irminsul“ überzeugt und überrascht mit einem schnellen Einstand, galoppierenden Drums, melodischen Gitarren und mehreren Stimmungswechseln zwischen verzweifelt und aggressiv, die immer punktgenau platziert daherkommen und selbst bei einem so langen Song keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen. Auch „(Leben) Im Zeichen der Todesrune“ versprüht eine ganz eigentümliche Atmosphäre, die hauptsächlich von den schwermütigen Gitarren aufgebaut und getragen wird, die perfekt mit den Doublebass-Attacken harmonieren.

Zum Ende gibt es mit „Des Wolfes zottiges Fell“ noch eine Quasi-Ballade auf die Ohren, die mit ruhigen Akustikgitarren, Streichern, ein bisschen Hall und klarem Gesang beinah das völlige Gegenteil der restlichen Platte darstellt und dabei gar nicht mal schlecht klingt. Dass der Song live beim „supertruen“ BM-Publikum ankommt, wage ich ein bisschen zu bezweifeln – dabei wird zum Ende hin sogar noch mal die Elektrische ausgepackt. Definitiv ein mutiger Song und ein cooles Finale für eine ziemlich gelungene und überraschend frische Platte. Pagan-Fans dürften hier ohnehin ihre helle Freude haben, alle Black Metaller, die sich ein bisschen Scheuklappenfreiheit erlauben, kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten.

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