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Hector Savage: Es sieht nicht gut aus

Lärm, der sicherlich nicht jedermann schmeckt
Wertung: 8/10
Genre: Hardcore, Punkrock
Spielzeit: 22:25
Release: 08.11.2019
Label: Midsummer Records

Hector Savage haben sich namentlich so ins Gedächtnis der Schreiberin dieser Zeilen eingegraben – und das, ohne auch nur einen Track der Truppe zu kennen - dass man die Herren automatisch mit Midsummer Records und der derzeitigen deutschen Hardcore-Szene verbindet. Bands wie Lygo oder 8kids kommen einem da in den Sinn, Hector Savage agieren da aber in einer ganz anderen Sparte. Ja, die Texte kommen ohne Fremdsprachen aus, damit haben sich die Gemeinsamkeiten dann aber eigentlich schon wieder erledigt: Ohrwürmer oder auch nur im Ansatz gefällige Melodien sucht man hier vergebens, vielmehr wird zornig drauflos geknüppelt, Songstrukturen schon mal zuliebe von fast mathcorigen Sequenzen über den Haufen geworfen und vor allem ein recht düsteres Bild des aktuellen Weltgeschehens gezeichnet. Kann man den Jungs aber nicht krumm nehmen.

Kinder, was für eine Lärmkulisse, nach den ersten beiden Durchgängen sind die Ohren heiß und man spürt seine Füße nicht mehr, also wird gleich mal zum Auflockern die dritte Runde eingeläutet: Das sperrige „Kein Frieden“ mag der ein oder andere bereits von den gängigen Internetportalen kennen, „Kulturindustrie“ schaltet dann tempomäßig noch mal einen Gang nach oben, Crust-Anleihen allerorten, dafür gibt es dann aber auch mal ein Basssolo und ordentlich heiseres Geschrei von Seiten des Fronters, das nicht komplett durch den Gitarrenfleischwolf gedreht wird.

„Fraktale“ zeigt dann einmal mehr auf, dass Hector Savage es den Hörern alles andere als bequem machen wollen, dafür pendelt der Song viel zu wild zwischen abgehackten Stakkatoriffs und erstaunlich melodiösen Passagen, die fast ein bisschen Gänsehaut produzieren und direkt mal das ein oder andere Pünktchen einfahren können. Das mit den Punkten ist bei „Es sieht nicht gut aus“ übrigens gar nicht so einfach: Die Platte knallt zwar an allen Ecken und Enden, fällt aber ein bisschen zu sperrig aus, um sie täglich auf der persönlichen Playlist mit sich zu führen. Andererseits zeigen Hector Savage hier einen erfrischenden Egoismus bezüglich ihrer Songstrukturen; Schubladen fallen hier schon mal auseinander, Hardcore, Punk und Crust werden zu einer fiesen Mischung verwurstet und wer da nicht mitkommt, sollte sich warm einpacken und einfach warten bis der Sturm vorübergezogen ist. Auch Stücke wie das holprige „Alpenglühn“ beweisen einmal mehr, wie wenig die Jungs sich um genrespezifische Merkmale kümmern. Da wird erst drauflos gezimmert, dann ganz salopp die Bremse angetippt, das Geschrei bahnt sich weiterhin einen Weg durch Herz und Gehörgang, dafür rutscht man aber fast ein bisschen in die schleppende Sludge-Schiene – wem schon bei dieser Beschreibung schwindlig wurde, der sollte sich vielleicht von Hector Savage fernhalten.

Zum Abschluss bietet die Truppe mit „Laniakea“ noch mal einen richtig starken Track, der aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass der Sound insgesamt doch eher eine Herausforderung für schwache Nerven darstellt. Wer sich mit den genannten Genres und deutschsprachigem Hardcore insgesamt anfreunden kann, findet in Hector Savage sicherlich treue Weggefährten. Zarter besaitete Seelen sollten vielleicht schon mal den Beruhigungstee bereithalten.

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