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Heavy Heavy Low Low: Turtle Nipple And The Toxic Shock

The Turtle Nipple And The Toxic Shock: Krank oder genial?
Wertung: 8/10
Genre: Mathcore
Spielzeit: 38:38
Release: 19.08.2008
Label: Ferret Music

Ausgefallen. Verrückt. Durchgeknallt. Nervtötend. Krank. Wenn man von all diesen Attributen die Superlative nimmt und in einen Topf wirft, erhält man normalerweise eine Mischung, die viele als absolut ungenießbar empfinden würden. Aber bei Heavy Heavy Low Low ist sie irgendwie cool. Schon beim Titel der neuen Scheibe muss ich schmunzeln: „Turtle Nipple And The Toxic Shock“. Das Artwork hat allem Anschein nach ein Künstler für Abstrakte Malerei entworfen. Wie gesagt, irgendwie cool.

Treffender als Sänger Robbie könnte man die neue Platte kaum in einem Satz beschreiben: „The Beach Boys on Acid, basically.“

Das Intro namens „Hahahahahahaha“ (haha) besteht aus undefinierbaren Geräuschen und leitet den ersten Song ein, der im Gegensatz zu den anderen Songs (Ja, Mathcore ist auch Musik) noch ziemlich harmlos ist. Der Sänger klingt als hätte er zu diesem Zeitpunkt im Studio schon kräftig gebechert und krächzt zu einer Mischung, die sich anhört, als hätte Converge mit Franz Ferdinand gejammt. Aber eben besoffen.

Alles noch harmlos, denn jetzt ist Schluss mit lustig. „How Many Dad’s Must Eat Themselves“ ist Kakophonie vom Feinsten. Noisecore meets Grind, also eingängig hoch zehn. Nicht.

Die folgenden Songs mixen wieder die vorher genannten Elemente. Blast-Beats treffen auf Indie-Melodien, nervtötende Samples im Hintergrund, Vocals, bei denen man den Gesundheitszustand des Sängers ernsthaft bezweifeln sollte. Und das ganze extrem kompakt, meistens nicht sehr viel länger als eine Minute.

Jede Art von Rhythmus und Berechenbarkeit, die man zu erkennen scheint, wird im nächsten Moment wie von einem Wirbelsturm durch Noisecore-Ausbrüche weggeblasen. Diejenigen, denen Free-Jazz zu unkompliziert ist, werden ihre Freude daran haben.

Sehr amüsant sind auch die Songtitel, die von echter Kreativität zeugen; oder auch von einer ernsthaften psychischen Krankheit. Man weiss es nicht.

Bei „Trot Line Beer Can“ zeigt Shouter Robbie, dass er auch zu tiefen Vocals fähig ist. Höchstwahrscheinlich nur, weil er zu diesem Zeitpunkt unter 50% Alkohol im Blut hatte.

So negativ es sich auch anhört, irgendwie echt cool. Irgendwie. Aber irgendwie bekomme ich auch Kopfweh, vielleicht auch die Intention der 5 Jungs.

Ein Superlativ in Sachen Ausgefallenheit ist auch „Eagle Mewnadria“, das musikalisch beim besten Willen nicht einzuordnen ist. Paranoia hervorrufende Stimmen im Hintergrund, abgespacete Klänge und psychedelische Gitarrenmelodien, nicht zu überbieten.

Echt abgefahren kommt auch „Is This Your Homework?“ daher, das am Anfang mit einem eher an Rock N’ Roll oder Country erinnernden Gitarrenriff beginnt, dann aber ins völlige Blast-Chaos mündet, auf das wiederum ein total verrückter Jazz-Part folgt.

„Green Genes“ ist zwar auch sehr chaotisch, aber insgesamt sehr gut abgestimmt.

Ein Cover des Songs „Wasted“ (sehr treffend) der auch aus Kalifornien stammenden Hardcore-Punk Pioniere Black Flag kommt musikalisch sehr authentisch rüber, durch die verminderte Songqualität noch verstärkt.

Die letzten beiden Songs sind angesichts der vorrausgegangenen musikalischen Totalabstürze nichts besonderes mehr.

Puh, anstrengend.

Ein wirkliches Fazit kann man aus dieser Platte nicht ziehen, entweder man mag es oder man mag es nicht. Fans von The Number 12 Looks Like You kommen voll auf ihre Kosten, aber Liebhaber von doch etwas melodiöserer und weniger komplexerer Musik werden daran keine Freude haben. Hyperaktivitätsfördernd wirkt das Album auf jeden Fall, aber als Nebenwirkung ebenso kopfwehverursachend, zumindest nach 15 Songs. Aber unter dem Einfluss von Alkohol oder sonstigen Drogen ist man ja bekanntlich weniger schmerzempfindlich.

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