Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Heaven & Hell: The Devil You Know

Gutes Comeback-Album mit einigen leichten Schwächen
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 53:59
Release: 24.04.2009
Label: Roadrunner Records

Es soll ja durchaus Leute geben, die Black Sabbath mit Ronnie James Dio als Sänger für noch stärker halten als mit Ozzy Osbourne. Das ist selbstverständlich Geschmackssache, Fakt ist jedoch, dass Black Sabbath mit Dio am Mikro Anfang der Achtziger zwei grandiose Alben in Form von „Heaven And Hell“ und „Mob Rules“ ablieferten und mit „Dehumanizer“ 1992 später eine weitere zumindest hörenswerte Scheibe einspielten. 

Während sich die Band auf den beiden erstgenannten Platten im Vergleich zur Ozzy-Phase in einem deutlich melodischeren Gewand präsentierte, ging sie auf „Dehumanizer“ insgesamt wieder etwas mehr back to the roots und orientierte sich eher an den eigenen Klassikern aus den Siebziger Jahren mit Osbourne.

Nun stellt sich die Frage, was den Hörer jetzt, 17 Jahre nach dem letzten Studioalbum von Black Sabbath in der Besetzung Tony Iommi / Ronnie James Dio / Geezer Butler / Vinny Appice, zu erwarten hat. Und die Erwartungshaltung ist nach dieser langen Zeit und bei solch traumhafter Besetzung, bestehend aus erfahrenen und hervorragenden Musikern naturgemäß ziemlich hoch. Ist „The Devil You Know“ also ein Quantensprung in der Musikgeschichte? – Sicherlich nicht. Überbietet es „Heaven And Hell“ und „Mob Rules“? – Das ist schlicht nicht möglich, aber das hat sich wohl selbst in seinen kühnsten Träumen auch niemand vorzustellen gewagt. Liegt dennoch ein gutes Album vor? – Im Großen und Ganzen schon, aber der Reihe nach.

„The Devil You Know“ startet mit „Atom And Evil“, einem verdammt zähflüssigen, schleppenden Track, der stark an Songs wie „After All (The Dead)“ von „Dehumanizer“ oder „The Eternal Idol“ vom gleichnamigen Album erinnert. Doom as fuck – sehr düster und sehr heavy mit sich mächtig auftürmenden, typischen Gitarrenriffs der Marke Tony Iommi; ein recht unspektakulärer, aber nicht schlechter Auftakt.

Die zweite Nummer „Fear“ kann dann mit einem sehr prägnanten, schnörkeligen Main-Riff, einer eingängigen Bridge und bedrohlich klingenden Gesangslinien im Refrain punkten, das erste richtige Highlight kommt dann allerdings erst mit „Bible Black“, welches bereits vorab auf der Myspace-Seite der Band zu hören war. Dieses äußerst epische Stück lässt sich wohl am ehesten mit „Falling Off The Edge Of The World“ von „Mob Rules“ vergleichen, gerade wenn man sich den Aufbau ansieht. Das Ganze startet zunächst ruhig mit Akustikgitarren im Vorder- und Leadgitarrenmelodie im Hintergrund, bevor es zu einer Steigerung kommt, indem Iommi mit Sabbath-typischen, grandiosen Riffs und verspielten Soli aufwartet, während Appice mit wuchtigem Drumming das Stück nach vorne treibt. Hier kann auch Dio zum ersten Mal so richtig zeigen, dass er auch mit mittlerweile nicht mehr ganz taufrischen 66 Jahren immer noch als einer der besten Metalsänger dieses Planeten angesehen werden muss. 

Es folgt mit „Double The Pain“ ein wiederum auf den ersten Blick eher unspektakulärer Song. Der Refrain mag etwas austauschbar sein, doch bei genauerem Hinhören hat der Track zumindest eine ganze Reihe fetter Riffs zu bieten. Sehr cool auch das Intro und das Break in der Mitte, wo der Bass alleine spielt und Details wie die im Hintergrund agierende Akustikgitarre offenbaren sich bei diesem Grower erst nach ein paar Durchläufen so richtig. 

Als gelungen darf auch der anschließende Track „Rock And Roll Angel“ gelten, der mit einer Menge Abwechslungsreichtum glänzt. Auf der einen Seite steht völlig untypisches, regelrecht positiv anmutendes, majestätisches, melodisches Riffing (das gerade am Anfang sehr überraschend wirkt), auf der anderen markantes, düsteres Stakkato-Riffing. Die Akustikbreaks in der Mitte und am Ende verleihen dem Song außerdem einen sehr dynamischen Charakter. Neben „Bible Black“ bis hierhin die klar beste und vielfältigste Nummer des Albums.

„The Turn Of The Screw“ hingegen kann dieses Niveau leider in keinster Weise halten und markiert für meine Begriffe sogar den schwächsten Song bisher (trotz exzellenter Iommi-Soli). Das Riffing erinnert ein wenig an alte Stücke aus der Ozzy-Zeit und das Wechselspiel zwischen Gitarren und Bass ist sicherlich nicht schlecht gemacht, aber irgendwie will die Chose nicht wirklich zünden und plätschert letztlich recht bedeutungslos dahin.  

Wesentlich stärker kommt da auf jeden Fall „Eating The Cannibals“ daher, bei dem erfreulicherweise das Gaspedal mal etwas mehr durchgetreten wird, was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Auch Tony Iommis erneute filigrane, verspielte Sololicks wissen zu gefallen und sorgen für die Farbtupfer in diesem Stück. 

Doch es kommt noch besser, denn mit „Follow The Tears“ schließt sich ein dramatischer, fetter Doom-Stampfer an, der alles plattwalzt, was sich ihm in den Weg stellt. Orgelintros haben sowieso etwas für sich und scheinen bereits Großes anzukündigen und in der Tat gibt es hier richtig geile Heavy-Riffs, sowie einen bei aller Düsternis dennoch Mitsing-kompatiblen Refrain um die Ohren. Ich bin mir sicher, dass dieser amtliche Groover auf den nächsten Konzerten von Heaven & Hell für etliche gereckte Fäuste sorgen wird. 
„Neverwhere“ fällt dann wieder eher in die Kategorie Füller – wie schon „The Turn Of The Screw“ kein wirklich schlechter Track, aber eben letzten Endes doch eher belanglos.

Beschlossen wird die Scheibe mit dem knapp siebenminütigen „Breaking Into Heaven“, welches ziemlich an den Anfang des Albums erinnert: Ein recht zähes Stück Musik, sehr doomig. Gefällt mir mit seinem epischen Refrain, der mit dezenten Keyboards angereichert wurde, allerdings besser als der Opener. 

Insgesamt liegt mit „The Devil You Know“ eine gutklassige Scheibe vor, die summa summarum überzeugen kann. Sicher gibt es den ein oder anderen Füller, aber jeder Fan kann hier bedenkenlos zugreifen. Produktionstechnisch gibt es nichts zu meckern und sowohl die Instrumentalisten als auch Frontmann Dio zeigen, dass sie trotz fortgeschrittenen Alters nichts verlernt haben. Die Drums sind wuchtig und treibend, die Gitarrensoli technisch versiert und verspielt, die Vocals auch in den Höhen ohne jeglichen Makel und der Bass wie eh und je bei Geezer Butler weit mehr als nur die Begleitung im Hintergrund.

Stilistisch wird eine große Bandbreite geboten, meistens bewegt man sich zwischen der melodischeren Ausrichtung auf „Heaven And Hell“ und „Mob Rules“ und der doomigeren auf „Dehumanizer“, manche Passagen könnten jedoch durchaus auch auf Alben aus der Tony-Martin-Phase stehen.

Dass „The Devil You Know“ dennoch nichts wirklich Neues bietet und zu keiner Sekunde gegen die Überflieger aus den Achtzigern anstinken kann, dürfte wohl jedem von vornherein klar gewesen und sicherlich auch von niemandem erwarten worden sein. Ein gutes Album ist es trotzdem, das im Zuge des momentanen Classic-Rock-Revivals genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Ein paar Durchläufe zumindest bei einigen der Songs sind allerdings sicher nötig, um mit dem Material warm zu werden.  

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann