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Heathen: The Evolution Of Chaos

20 years in the making - Ein Comeback nach Maß?!
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 68:28
Release: 29.01.2010
Label: Mascot Records

Unglaubliche 19 Jahre ist es her, seitdem Heathen ihr zweites Album „Victims Of Deception“ auf die Menschheit losließen, welches ebenso euphorisch aufgenommen wurde wie das Debüt „Breaking The Silence“ (auch wenn die Verkaufszahlen dies nicht widerspiegelten). Danach wurde es still um die Bay-Area-Thrasher und Bandkopf Lee Altus verdient mittlerweile sein Geld bei Exodus. Sein „Baby“ ließ ihn aber nie los und spätestens seit dem Gig auf dem Rock Hard Festival 2009 sollte auch der Letzte mitbekommen haben, dass mit Heathen wieder zu rechnen ist. Die Reaktionen auf „The Evolution Of Chaos“ sind jetzt schon überwältigend und sollten der Band einen ordentlichen Schub geben. Aber wir alle wissen ja wie fair das Leben sein kann. Nichtsdestotrotz liegt hier ohne Zweifel eines der Thrash Metal-Highlights des noch jungen Jahres vor, das vor allem dank Lee Altus richtig lebendig wirkt. Der Gitarrist tobt sich hier nämlich so richtig aus, was ihm bei Gary Holts' Exodus ja nur bedingt vergönnt ist.

Das orientalische „Intro“ erinnert leicht an Metallicas „Wherever I May Roam“, bevor „Dying Season“ zeigt, dass Heathen nichts verlernt haben. David Godfrey/ White singt nicht mehr so wie früher, was einige Fans sicherlich bedauern werden. Mir persönlich gefällt der etwas tiefere und weniger melodiebetonte Gesang aber sogar etwas besser als derjenige auf den ersten beiden Alben. Ein zweiter Kritikpunkt ist das leicht steril klingende Schlagzeug und der Sound im Allgemeinen. Es klingt alles ein wenig zu perfekt für meinen Geschmack, was schade ist, denn gerade im Thrash Metal verzeiht man doch gerne mal einen schiefen Ton.

Musikalisch gibt es aber nichts zu beanstanden. Lee Altus und seine Mannen haben in den letzten Jahren viel Material geschrieben und auch die starken Songs der „Demo 2005“, die die Band seinerzeit gratis auf ihre Homepage stellte, neu aufgenommen. „Dying Season“ ist genau das, was man vom Beginn einer guten Bay-Area-Platte erwartet, bildet aber nur den Auftakt zu einem der besten Songs des Albums. „Control By Chaos“ lebt nicht nur von der saustarken Gitarrenarbeit, sondern hat vor allem richtiges Hitpotential und sollte auch in einschlägigen Kneipen und „Discos“ für ordentliche Genickstarre sorgen. Metalfans haben ja bekanntermaßen einen wesentlich höhere Toleranz für lange Songs, was auch angebracht ist. Bis auf „Bloodkult“ („nur“ solider Old School-Thrash) und das „Intro“ unterschreitet hier keine Nummer die Fünf-Minuten-Marke.

„No Stone Unturned“ bringt es sogar gleich auf über elf Minuten und bringt alles mit, was ein Lied braucht, um über diese Distanz interessant und fesselnd zu bleiben. Ein melodischer Aufbau mündet in einen stampfenden Rhythmus, der in einem ruhigen Part (Metallicas „Orion“ lässt grüßen) übergeht und schlussendlich in einem furiosen Finale gipfelt. Starke Leistung meiner Herren, sowas schüttelt man sich nicht mal eben aus dem Ärmel. Heathen können es aber auch kürzer und treffen mit den „Arrows Of Agony“ genau ins Nervenzentrum. Hier sitzt wirklich jedes Break und auch an die bereits bemängelte Produktion sollte man sich mittlerweile gewöhnt haben. Die Klasse von Kompositionen wie „Undone“, dem Exodus-artigen „Fade Away“ und dem groovigen Abschluss „Silent Nothingness“ spricht jedenfalls für sich.

Neben dem langen „No Stone Unturned“ befinden sich auch zwei weitere Lieder auf „The Evolution Of Chaos“, die sofort heraus stechen. „A Hero's Welcome“ hat wie der Titel erwarten lässt, einen ziemlich patriotischen Text, was hierzulande wohl für einiges Nasenrümpfen sorgen wird. Ich bin auch kein großer Fan von solchen Lyrics, aber man sollte nie vergessen, dass Amerikanern häufig von Kindesbeinen an ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer Heimat eingeimpft wird als uns. Wenn man sich damit arrangiert hat, sollte man „A Hero's Welcome“ als gelungene Ballade würdigen können. Hier wurden Erinnerungen an frühere ruhige Metallica („Fade To Black“) oder Testament („Return To Serenity“) wach. „Red Tears Of Disgrace“ ist ähnlich aufgebaut, ist aber zum Ende um einges thrashiger und wirkt damit nicht so sehr wie ein Fremdkörper im Fluss des Albums. Stark sind die Lieder aber beide, da gibt es nichts zu diskutieren.

Fazit: Die allgemeinen Lobeshymnen sind gerechtfertigt. Heathen haben sich auch in Albumform eindrucksvoll zurückgemeldet und werden in den Jahresumfragen 2010 ganz weit vorne stehen. „The Evolution Of Chaos“ ist Bay-Area-Thrash in Reinkultur und ist dabei abwechslungsreich genug, um den „Test Of Time“ bestehen zu können. Hoffentlich dauert es nicht wieder fast zwanzig Jahre bis zum Nachfolger, der dann auch gerne eine bessere Produktion spendiert bekommen darf.

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