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HeadCat: Walk The Walk ... Talk The Talk

Pflichtkauf für alle Nostalgiker
Wertung: 9/10
Genre: Rock’n’Roll, Rockabilly
Spielzeit: 27:37
Release: 21.06.2011
Label: Niji Entertainment Group

Der Name HeadCat dürfte unter Rock’n’Roll-Fans inzwischen so etwas wie einen mystischen Klang haben. Im Jahr 2000 wurde die Mini-Supergroup von Motörhead-Frontröhre Lemmy Kilmister und den beiden Rock’n’Roll-Urgesteinen Slim Jim Phantom (The Stray Cats) und Danny B. Harvey (13 Cats) gegründet, bereits im gleichen Jahr wurde das Debütalbum „Lemmy, Slim Jim & Danny B.“ veröffentlicht. Wenn man sich jetzt den Backkatalog der Herren anschaut, sieht man sechs Jahre später ein Release mit dem schönen Namen „Fool’s Paradise“ – gleichzeitig heißt es aber, das neue Album „Walk The Walk… Talk The Talk“ wäre die erste Veröffentlichung seit elf langen Jahren. Ganz falsch ist das jetzt allerdings nicht, denn „Fool’s Paradise“ stellte nicht anderes dar, als ein Re-Release der alten Songs unter dem endlich in trockenen Tüchern ruhenden Bandnamen HeadCat.

„Walk The Walk…“ birgt also die ersten wirklich neuen Auswüchse seit 2000 und wer denkt, elf Jahre seien eine lange Zeit, dem sei die Platte wärmstens ans Herz gelegt. Nicht nur, dass die Drei klingen, als wären sie noch knackige 20 (abgesehen natürlich von Lemmys whiskeygeschwängerter Altmännerreibeisenstimme), sie schaffen es außerdem noch, den Sound der fünfziger und sechziger Jahre nahezu perfekt einzufangen, ohne ihn altbacken klingen zu lassen. Das Trio rockt und rollt sich durch nicht ganz eine halbe Stunde twistender, bluesiger Tracks – die kurze Spielzeit muss hier wirklich als einziges Manko angesehen werden.

Fanden sich auf der ersten HeadCat-Platte Coverversionen von Songs von Buddy Holly, Elvis Presley und Johnny Cash, um nur einige zu nennen, genehmigen sich die Herren auf „Walk The Walk…“ ebenfalls wieder eine kleine Prise Nostalgie – neben eigenen Songs wie dem bluesig-schleppenden „The Eagle Flies On Friday“ wurden ganz nebenbei noch die Beatles („You Can’t Do That“), Chuck Berry („Let It Rock“) und Eddie Cochran („Something Else“) auf dem neuen Album verewigt. Vor allem Chuck Berrys Rocker von 1972 kommt bei den HeadCats noch mal eine Spur besser rüber, was vor allem an der dynamischeren Herangehensweise liegt. Der Track ist eine absolute Blaupause für einen Rock’n’Roll-Song und hat damit sein gutes Recht auf die Liste der Anspieltipps verteidigt.

Auch das in Eigenarbeit entstandene „American Beat“, das direkt als Opener fungiert, hätte tanzbarer kaum ausfallen können. Förmlich kann man Pärchen auf einer Tanzfläche vor sich sehen, Weibchen mit schwingenden Petticoats und Jungs mit pomadisierter Tolle und hellen Jeansaufschlägen. Dabei klingt die Produktion aber zu keiner Sekunde kratzig oder verstaubt, stattdessen wurde Wert auf frischen Sound gelegt. Allerdings wird man das Gefühl nicht so richtig los, dass Mr. Kilmister sich in seiner Rolle als saufender Gröhler besser gefällt – natürlich passt seine Stimme großartig zum Fifties Sound, aber dennoch scheint er sich eher ein wenig zu wundern, wie er überhaupt zu dieser Band kam.

„Trying To Get To You“ weckt dann den Gedanken, dass Tito & Tarantula sich genauso angehört hätten, wenn sie in den Fünfzigern existiert hätten – eine schleppende Bassspur und eingestreute Gitarrensoli verbreiten ein leicht düsteres Rock’n’Roll-Feeling. „It’ll Be Me“ klingt dann fast romantisch mit Danny B.s euphorischen Keyboardeinlagen und den vermehrten Snares und beim Klang von Lemmys kratziger Stimme kann man sich das Grinsen ohnehin kaum verkneifen.

Fazit: Einziger Wermutstropfen beim neuen Album ist tatsächlich die Spielzeit. Nur zwei Songs erreichen überhaupt die Drei-Minuten-Grenze, so dass man ein bisschen das Gefühl hat, man hört nur Snippets statt die ganzen Tracks. Da aber die ganze Platte wie aus einem Guss ist, fällt das kaum auf, wenn man sie an einem Stück durchhört. Großartiger Rock’n’Roll wird hier allemal gespielt – für alle Nostalgiker ein absoluter Pflichtkauf!

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