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Haudegen: Lichtblick

…wenn nicht dieser Pathos wäre
Wertung: 7,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 62:49
Release: 25.09.2015
Label: Warner

Haudegen sind zwar erst vor fünf Jahren entstanden, aber bereits mit ihrem Debütalbum „Schlicht & Ergreifend“ marschierten sie direkt in die Top Ten der Alben-Charts, was man als einen ungewöhnlich schnellen Aufstieg verbuchen darf. Dafür gönnte man sich auch zügig eine Auszeit und kündigte 2013 eine kreative Pause an, die Hagen Stoll unter anderem für sein Solo-Album „Talismann“ nutzte. Diese Scheibe sei insofern erwähnt, da es sich um ein sehr vielseitiges Werk handelt, welches auch im lyrischen Bereich durchaus überzeugen konnte.

Damit bestand durchaus die Frage, wieviel dessen nun auch auf der neuen Haudegen-Scheibe „Lichtblick“ Platz findet. Und um es gleich vorweg zu nehmen: So gut wie gar nichts. Sieht man mal von der rauen Stimme Hagen Stolls ab, gibt es so gut wie keine Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Projekten. Die Vielseitigkeit ist straighter Rockmusik gewichen, die allerdings ebenfalls zu überzeugen vermag. Schon der Start mit „Zusammen sind wir weniger allein“ geht gut ins Ohr und kann mit einem guten Songaufbau punkten. Durchgängig gibt es beachtliche Gitarrenlinien und griffige Bassläufe zu hören, dieses gepaart mit einem druckvollen Sound, womit Haudegen eigentlich schon die halbe Miete reinhaben.

Textlich hinkt „Lichtblick“ allerdings leider etwas dem eben positiven Eindruck hinterher. Die selbstbenannte Gossenpoesie möchte man zwar eher in Gassenpoesie umtaufen, da die Lyrics weder als räudig zu bezeichnen sind  noch mit Fäkalsprache aufwarten, dafür viel über Wertigkeiten und den kleinen Mann berichten. Und genau dieser „Kleiner Mann gegen den Rest der Welt“-Pathos, der fast die komplette CD schwängert, geht mit der Zeit doch etwas auf den Nerv.

Zum anderen haben Haudegen trotz ihrer gepredigten Bodenständigkeit immer wieder einen leichten Hang zur Selbstbeweihräucherung, der in Zeilen wie „Stimmen aus Gold“ oder „Wir sind lebende Legenden auf dem Gipfel des Triumphs“ seinen Höhepunkt findet. Nicht nur, dass man sich hier etwas peinlich berührt fühlt, es ist zugleich völlig unnötig und zerstört den authentischen Charakter des Albums. Mit „Schlecht geht es mir gut“ zeigt man immerhin, dass es auch ohne dies alles geht. Dieser Titel ist nicht nur eindringlich und drückend umgesetzt, sondern dokumentiert auch die gewachsene lyrische Qualität der Berliner.

„Gib mir mein Problem zurück“ schwirrt nicht nur ungewohnt beschwingt in die Gehörgänge, sondern hier finden Hagen Stoll und Sven Gillert neuartige und direkte Worte für ihren Blick auf die Welt. In „Igor & Nassim“ räumt man mit einigen Vorurteilen auf, wenngleich man sich gerade bei diesem Titel etwas mehr Genre übergreifende Töne wünscht.

Insgesamt kann man das neue Album von Haudegen durchaus als „Lichtblick“ bezeichnen, selbst wenn es hinten raus noch einiges an Füllmaterial zu verzeichnen gibt, welches wohl die wenigsten aus dem Schaukelstuhl wippt. Die „Haudegen-Familie“ wird den Neuling sicher willkommen aufnehmen, aber auch Freunde der geradlinigen Rockmusik dürften durchaus auf ihre Kosten kommen.

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