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Hatesex: A Savage Cabaret, She Said

Ein tolles Comeback nach sechs Jahren
Wertung: 9/10
Genre: Gothic
Spielzeit: 38:20
Release: 18.02.2011
Label: Alice in... (Broken Silence)

Warum sich manche Bands soviel Zeit lassen (müssen), um ein neues Album zu veröffentlichen oder wenigstens ein Lebenszeichen von sich zu geben, wird wohl niemals geklärt werden. Hatesex sind ein Fall für genau diese Frage: Sechs Jahre sind es nun immerhin, die die Fans nach einer neuen Scheibe dürsten mussten - und das nach so genialen Auftritten wie dem beim WGT 2006 in Leipzig. Vielleicht ist das aber auch ihre Art, sich rar zu machen, um aufzuzeigen, dass sie einfach etwas Besonderes sind. Das ist möglicherweise nicht der schlechteste Weg in einer Zeit der Wegwerfgesellschaft mit dem Hauptmotto: „Es kommt doch eh bald etwas Neues!“ Doch egal ist, welches Motiv auch immer dahinter steckt: Nach „Unwant“ und der langen Wartezeit ist die Messlatte für "A Savage Cabaret, She Said" nun umso höher. Schaffen es Hatesex, auf elf neuen Songs ihrem Stil treu zu bleiben und sich dennoch weiterzuentwickeln?

Schon mit dem kurzen Kabarett-Intro in nostalgischer Vinyl-Qualität macht die Band unmissverständlich deutlich: We are back! Und schon der zweite Track frisst sich mit hartnäckiger Melodie und verträumten Klängen ins Ohr und weigert sich hartnäckig, dort wieder auszuziehen. Erfreulicherweise geht das Album in dieser Manier weiter: Song um Song erklimmt Hammer und Amboss im Ohr. Sängerin Krisanna Marie ist dem Hörer von da an ständige Begleitung; ob nun gerade ein Plattenspieler zu Händen ist oder nicht. Vorgetragen von ihrem zarten, beinahe zerbrechlichen Organ wirken die Texte um Zorn, Liebe und Sehnsucht umso authentischer.

Nach mehreren Hördurchläufen, die die Platte trotz aller Eingängigkeit braucht, steht fest: Musikalisch sind Hatesex gewachsen, die Klänge ausgefeilter, der Gesang abgestimmter. Wenn auch die Abwechslung in den Melodien an manchen Stellen zu wünschen übrig lässt, so sind diese doch dem alten Album "Unwant" um Längen entwachsen. Ein Song wie „A Rose Without Eyes“ könnte getragener nicht sein und gehört fortan in jeden Player, der für einen Gothic-Abend genutzt werden soll. Mit kreativ und gut eingesetzter Stimmverzerrung an textlich passenden Stellen zeigen sich Hatesex hier von ihrer stärksten Seite.

„The Red Curtain Masquerade“ ist ein ebenfalls gefühlvoll vorgetragener Song, der vom Traum der ewigen Party ohne Folgen erzählt. Nein, Gothic handelt nicht immer nur von Tod und Zerfall. Dass es das aber durchaus auch bedeutet, zeigen Hatesex dann wieder auf herrlich ironische Art mit „The Necrokiss Of Melancholy“. Dies ist ein weiterer Track, der sich im Ohr festsetzt; die Beine wissen instinktiv, was zu tun ist.

Lange hat die Gothic-Formation aus Los Angeles ihre Fans warten lassen; ob es zu lange war, wird sich herausstellen. Klar zeigt sich aber, dass sich Hatesex weiterentwickelt haben. Ihre Musik ist 2011 klarer und stringenter, trotzdem sind sie ihrem Stil treu geblieben. Schöne, tragisch-romantische Klänge werden nun wieder die Clubs und hoffentlich auch die eine oder andere Bühne erfüllen können - denn es gilt einiges gutzumachen.

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