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HateDotCom: Dissociative

Eine Steilvorlage nach der anderen
Wertung: 8,5/10
Genre: Thrash’n’Roll, Modern Metal
Spielzeit: 44:53
Release: 16.05.2014
Label: 7hard

Jaja, der Fußballvergleich muss sein, wenn schon denn schon eine Band aus Gelsenkirchen um Aufmerksamkeit bittet und beim zweiten Full-Length-Album auch noch über die volle Distanz einer Halbzeit geht. Und auch wenn der Massensport in Schalke-City zwar erstklassig ist und manchmal sogar so spielt, so ist es doch musikalisch gesehen recht übersichtlich, was aus dieser Malocherstadt an die Oberfläche gespült wird, da wird dann wie zum Gebet Sodom immer wieder zum Maßstab aller Beispiele auserkoren.

Zwar gibt es HateDotCom schon eine Weile, genau genommen schon seit 2006, und sie  haben mit der EP „Mindstorm“ und dem Debüt „Fragments Of Scare“ auch schon zwei Veröffentlichungen am Haken, mit dem nun vorliegenden „Dissociative“ aber beschreiten sie neue Wege, verlassen die bisherigen härteren Gefilde irgendwo zwischen Death und Thrash Metal und packen eine gehörige Menge Roll dazu, und das auch noch, ohne wirklich an Härte zu verlieren. Viele Bands haben sich mit soundlichen Kurskorrekturen ja schon ins Abseits geschossen – ach herrje, schon wieder ein Fussekvergleich – doch diese Gelsenkirchener dürften mit ein bisschen Glück und Unterstützung – allein schon durch den weltweit geltenden Vertrag mit 7hard – einen deutlichen Schritt nach vorne machen.

Sehr abwechslungsreich und dennoch kompakt ist nun der zweite Langspielsilberling geworden, die vom Label ins Spiel gebrachte Mischung aus (ein wenig) Pantera und (ein bisschen mehr) Disturbed kann man sogar so stehen lassen, wobei das auch nicht wirklich wie ein finaler Elfmeter in der letzten Minute hinhaut, haben HateDotCom doch einen viel vielschichtigeren Sound eingefangen, der gerade auch durch die brutalharte Soundveredelung von Dan Swanö wie ein unbarmherziges 7:0 gegen Brasilien daherkommt – effektiv und überzeugend.

Schon der modern produzierte variantenreiche Opener, der locker mit den Mustasch-Vibes spielt, punktet gerade durch den mehrstimmigen Gesang, wo das verständliche Gebrülle sich locker mit den klareren Parts vermischt, ohne aber dieses unsägliche Emogefühl aufkommen zu lassen – Alternative Modern Metal, wenn man so will. Starke Nummer und ein hartmelodischer Start in abwechslungsreiche zehn Songs. „They’re Coming“ ist ein mit reichlich Stonerelementen lospreschender Song, wie in Garcia und Co. nicht besser hinriffen können, versteckt sich aber auch ein bisschen hinter einigen moderner Elementen, groovt wie Sau und weckt so manche Erinnerung an „Homophobic/Alcoholic“-Mustasch-Zeiten, ist dabei dennoch meilenweit von einer bloßen Kopie entfernt.

Nach mehreren Durchläufen manifestieren sich auch diverse HDC-Merkmale. Bei dem groovenden Thrasher „Whatever You Do“ bauen die Gelsenkirchener wie so oft auf der CD auf wuchtige Drumschläge aus dem Handgelenk von M.T. Jorden, setzen dem harschen Treiben aber auch ein melodisch-emotionales Solo entgegen und auch bei „23:07“ basteln sie am Wechselspiel zwischen melodischen und aggressiven Parts, überraschen aber im letzten Drittel mit einem balladesken Teil, der reichlich Tiefgang bietet, auch wenn sich hier nur Akustikklampfe und Gesang nicht duellieren, sondern ungewohnt gut ergänzen – man kann also auch heute noch mit ruhigen Stücken überzeugen. Erwähnen wollen wir auch noch das letztes Jahr als Videoclip veröffentlichte „Demon“ mit den stampfenden Passagen, das nicht ganz das Gebot der Abwechslung erfüllt und so nur bedingt als Hinweis auf den Rest der Platte dient. Vertracktes Riffing und unvermittelt knüppelnde Passagen wie in „A Glimpse“ oder aber einmal mehr das Bälle Zuspielen zwischen harschen und klaren Vocals wie in „Hypnotherapy“ sind einfach weitere Beweisutensilien für einen rundum gelungenen zweiten Digitalträger.

Sicher, man kann, wie der Titel „Dissociative“ assoziert, die Psychologie bemühen, um dem zweiten HateDotCom-Album den „besonders geeignet“-Stempel aufzudrücken. Erstklassig produziert, abwechslungsreiches Spiel, richtig dosierte Härte im Wechsel mit melodischen Elementen – die Gelsenkirchener machen vor, wie eine soundliche Kurskorrektur wirklich funktioniert. Natürlich, alle, die beim Wort Thrash nur Old-School-Gedanken aufkeimen lassen, sind hier fehl am Platz, denn HateDotCom hauen ein modernes Schwergewicht heraus, welches zu keiner Sekunde langweilt – da gibt es keinen Rückpass, sondern eher eine Steilvorlage nach der anderen, das ist offensiver moderner Metal, der ganz oben fernab vom blödelnden Radiosupport anzusiedeln ist.

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