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Harpyie: Anima

Gutes Album, wenngleich es etwas an Eigenständigkeit fehlt
Wertung: 6,5/10
Genre: Folk-Metal
Spielzeit: 52:09
Release: 28.04.2017
Label: Metalville

2011 gegründet, legen die aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen stammenden Harpyie mit „Anima“ bereits ihren vierten Output vor. Nachdem bereits der Vorgänger „Freakshow“ für Aufsehen sorgte, darf man nun gespannt sein, was der Fünfer auf dem neuen Werk zu bieten hat.

Auch „Anima“ wurde von Simon Michael Schmitt, seines Zeichens Drummer bei Subway To Sally, produziert und von ihm mit einem differenzierten, druckvollen Sound ausgestattet. Was man an dieser Stelle noch als Glücksgriff benennen will, wird allerdings bei großen Stücken des Albums zum Problem. Nun kann man über die Vorgänge der Produktion keine Mutmaßungen anstellen, aber entweder fühlen sich Harpyie musikalisch eng der benannten Band verbunden oder der Produzent hat zu stark der Scheibe seinen Stempel aufgedrückt. Dabei sorgt der titelgebende Prolog durchaus für erste Begeisterung. Gesprochen von Dietmar Wischmeyer, verfügt der Einstieg über intensive und eindrucksvolle Momente, die mittels episch angelegten Zügen weiter dramatisiert werden.

Allerdings hat man schon beim nachfolgenden „Ambra“ das Gefühl, dass die Orchestrierungen fremdbestimmt wirken. Und genau dies setzt sich im Laufe der weiteren Stück vordergründig fort. Zu sehr möchte man die Arrangements Richtung Potsdam schicken, als sie den Ostwestfalen zuzugestehen. Dabei sei hier ausdrücklich erwähnt, dass hier alles auf einem ausgesprochen hohen Level passiert, aber eben nicht gerade den höchsten Eindruck an Eigenständigkeit vermittelt. Damit sei das Thema allerdings auch beendet, denn wie bereits angesprochen, hat man es hier mit einem wirklich guten Album zu tun.

Harpyie verstehen es mittels eines bildreichen Sprachgebrauchs, den Hörer an sich zu fesseln und ihren Blickwinkel auf das menschliche Wesen preiszugeben. „Schneeblind“ und „Dynamit“ seien hier stellvertretend hervorgehoben, wobei sich ersteres durch seinen Wechsel aus ruhigen und dynamischen Parts besonders hervortut. Ebenso gelungen ist die Verbindung aus Lyrics und der musikalischen Umsetzung. So punktet „Rasputin“ mit osteuropäischer Folklore und versprüht zugleich eine gewisse Giftigkeit, mit der sich der Song doch deutlich von anderen Stücken abhebt. Auch das abschließende „Unter Geiern“ kann mit einem stärkeren Schuss Folk sicher das eine oder andere Tanzbein zur Bewegung überzeugen, schwebt zwischen Lagerfeueratmosphäre und einer gewissen Straßenräudigkeit, die der Scheibe gut tut.

Gen letzten Drittel der Scheibe geben Harpyie, sieht man mal von der Feuerzeugballade „Löwenherz“ und dem ebenfalls recht nachdenklichen „Schöne neue Welt“ ab, wieder stärker Kante und lassen der metallischen Härte mehr Platz. Besonders „Berserker“ geht knackig, treibend und mit einer kräftigen Portion Metal vom Stapel, die eine perfekte Symbiose mit der manchmal etwas einschneidend wirkenden Stimme von Aello eingeht. Und genau hier wirkt der Fünfer am authentischsten, wobei mit „Anima“ insgesamt ein gutes und vielseitiges Album vorliegt, welches rasch ins Ohr geht und keine Langeweile aufkommen lässt.

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