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Harmorage: Psychico Corrosif

Guter Aufhänger für Szenepolizisten
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 40:37
Release: 30.03.2015
Label: Independent

Man will den französischen Nachbarn ja nichts schlechtes, und gerade, wenn man vom Chefredakteur eine CD zugesteckt bekommt, die unter dem Banner „Heavy Metal“ läuft, dann denkt man unweigerlich an Großtaten wie Trust und Blaspheme oder in jüngeren Jahren auch gerne an die mittlerweile verblichenen Evil One oder besser noch an die talentierten Hürlement – nicht aber an Harmorage, die mit „Psychico Corrosif“ ihren zweiten Longplayer vorlegen und nicht zu hundert Prozent vom Hocker hauen.

Jetzt aber erst einmal „pas à pas“. Das mir bisher völlig unbekannte Quartett aus Lyon ist dem Vernehmen nach schon seit 2004 aktiv und lieferte so komplett ohne Demo- oder EP-Phase 2007 mit „Berserker“ sein somit auch nicht bekanntes Full-Length-Debüt, damals wie heute in Eigenregie, aus. Warum sie sich nun eine achtjährige Pause nehmen mussten, bleibt leider offen, vielleicht hatten sie ja lange Schwierigkeiten, den Posten hinter den Dampfkesseln neu zu besetzen. Tatsache jedenfalls ist, dass mit Bertrand Minary ein neuer Drummer seit 2014 mit an Bord ist. Nun ja. In der Regel gehören Schlagzeuger aber eher selten zu den Songschreibern, ergo bleibt die Begründung für die lange Pause weiter wage.

Warum jetzt aber Harmorage von so vielen Seiten Schelte beziehen, erschließt sich mir nicht wirklich. Klar, der Spagat zwischen einigen wenigen klassischen Metalriffs und moderneren Arrangements schmeckt nicht jedem, da hängt man schnell den holprigen Refrain - da steht sich halt die französische Sprache kurzerhand selbst im Weg - in „Je condamne et j'accuse“ höher auf als er gehört. Der ruhige Beginn währt nur kurz, dann treiben schon die Drums mächtig an und ein speediges Riff versetzt einen Metaller zügig in erhöhte Headbangbereitschaft. Der Song an sich ist recht basslastig, was man auf „Psychico Corrosif“ des Öfteren findet und sicherlich zum Markenzeichen der Band gehört.

Mangelnde Abwechslung wird der Band immer wieder vorgeworfen, doch auch dieser Vorwurf ist nur bedingt nachvollziehbar. Auch hier klar, ab und zu setzen sie auf fast schon mittanzbare Beats wie im Opener „Reveillons nous!“ oder auch in „Mon anarchie“, aber gerade bei letzterem sorgen sie gleich mit einem ganzen Bündel an verschiedenen Stimmungen und mit einer stark prägenden Gitarrenarbeit für ein gern gehörtes „na geht doch“ - klasse, wie die Klampfe ein paar Leads einstreut. In „Aurore boréale“ bekommt Sänger Daniel dann im Refrain Mitshouterunterstützung, was sie gerne ein paar Mal mehr hätten umsetzen können, „Droit et fier“ bekommt sogar ein paar thrashige Momente spendiert und auch die mit Daniels rohem Gesang angereicherte stampfende Titelnummer „Psychico corrosif“ ist beileibe nicht so mies, wie einige Mitschreiberlinge sie so darstellen.

Für eine Eigenproduktion geht der Sound vollauf in Ordnung, da muss man nicht päpstlicher sein als jeder Szenepolizist. Natürlich darf man sich auch nicht an den französischen Lyrics stören, die auf „Psychico Corrosif“ leider nicht immer den warmen Nachbarcharme entwickeln. Reinhören könnte man aber trotzdem mal, denn auch wenn noch Luft nach oben ist, so hört sich das „Comeback“ besser an als befürchtet.

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