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Hangar: Infallible

Abwechslungsreichtum und Überraschungen kontra Identitätsfindung und klar ausgeprägten Stil, das ist wie die Frage „Sein oder nicht sein“.
Wertung: 8/10
Genre: AOR Thrash Power Prog Metal Rock
Spielzeit: 53:37
Release: 28.05.2010
Label: MIG

Stolze dreizehn Jahre gibt es die brasilianische Band Hangar nun schon. Sänger Nando Fernandes hat zwischenzeitlich die Band verlassen und wurde durch Humberto Sobrinho ersetzt. Man schaffte es trotzdem, innerhalb von gut zwei Jahren den Nachfolger für „The Reason Of Your Conviction“ einzuspielen. Soeben wurde das vierte Album in Europa veröffentlicht, welches in ihrer Heimat und in Japan schon die Top Ten der offiziellen Charts knacken konnte. Keine schlechten Vorraussetzungen für die Kapelle, um auch im alten Europa Erfolge zu feiern.

„The Infallible Emperor (1956)” eröffnet das Album mit gelungenem Power Metal der angenehmen Art. Kräftig treiben Schlagzeug und Gitarre das Quintett voran und auch der neue Vokalakrobat setzt erste Ausrufezeichen. Tommi Newton hat wieder für eine gute, aber vielleicht schon ein wenig zu glatte Produktion gesorgt, zumindest, was diesen Song angeht. Der Schädel wird zum Mitnicken gezwungen. Lediglich das mal kurze Zeit deutlich zu kräftige Keyboardgedudel sorgt für gewisse Abstriche. Der kleine progressive Touch weiß zu gefallen, zumal der Gesang von Neuling Humberto gekonnt für den gewünschten melodischen Charakter sorgt.

Deutlich mehr in die Prog-Ecke geht dann „Colorblind“: Eine starke Nummer mit einigem Flair, welcher sich aber nicht unbedingt bei den ersten zwei, drei Durchläufen entwickelt. Die perfekten Drums von Aquieles Priester (Angra) und die tolle Gitarre von Saitenflitzer Eduardo Martinez sind schon etwas Besonderes. Trotz seiner teilweise etwas sperrigen Art geht der Song gut ins Ohr und zeigt, warum die Band in Japan und Brasilien so erfolgreich ist.

„Solitary Mind“ gerät für meinen Geschmack dann viel zu unspektakulär zu einer süßen Balladenschnulze. Irgendwie kommt bei mir ein mittelprächtiges Extreme-Feeling auf, denn dieser Song hätte auch gut auf einem der weniger populären Alben der Band um Nuno Bettencourt stehen können. Auf jeden Fall eine Überraschung nach dem kraftvollen Start auf der CD.

„Time To Forget“ steht dann auch eher in der Tradition von aufpoliertem Melodic Rock. Man hat sich bei dem Song Unterstützung von Theo Vieira (Hard Rocket) am Mikrofon geholt. Ich kann zwar nicht erkennen, warum das nötig war, hoffe aber inständig, dass es langsam wieder ein wenig mehr in die Power Metal-Richtung geht, denn da sehe ich doch deutlich klarer die Stärken der Band.

Nun ja, dass Wünsche in Erfüllung gehen können und trotzdem nicht für Begeisterung sorgen, wissen wir spätestens seit den „Wishmaster“-Filmen. So gerät dann der nächste Song „A Miracle On My Life“ trotz der Positionierung im gewünschten Genre zu einer eher mittelprächtigen Nummer. Man sorgt zwar für kraftvolle Action, aber irgendwie geht das auf Kosten des Gefühls, schade eigentlich. Dass das Ganze dann auch noch über sieben Minuten dauert, erhöht dann eher den faden Geschmack.

Deutlich interessanter wirkt dann „The Garden“: Mit wieder etwas gesteigertem Prog-Einfluss und merklich härteren Vocals prescht man durch die etwas vertrackteren Songstrukturen. Das Keyboard von Fabio Laguna darf sich auch mal austoben, ohne den Song zu verwässern. Eine starke Nummer, bei der Saitenhexer Adair Daufembach das erste Solo beisteuerte (und zusätzlich beim Bonustrack als Gastmusiker in Erscheinung tritt).

„Dreaming Of Black Waves“ geht dann wieder in die softere melodischere Ecke. Angereichert mit der guten Stimme von Stefanie Schirmbeck baut sich hier gerade im Gesang eine fast schon kanonartige Melodieführung auf. Klingt sehr interessant und ist sicher nicht gerade gewöhnlich. Eine gelungene Sache, die man so sehr selten in unserer geliebten Musik hört.

Das Tempo wird dann aber auch mit „Based On A True Story“ weiter verschleppt und man versucht im Stadion-Rock mit dieser weiteren Ballade zu punkten. Das könnte auch durchaus gelingen, wenn man hier nicht diese nervenden Keyboardsounds mit reingenommen hätte. Kurz vor der Schmerzgrenze zerstören sie im Hochtonverfahren sämtliche aufkommenden Gefühle. Was hat sich die Band da nur bei gedacht?

„Handwritten“ hämmert sich dann sogar mit ein wenig Thrash-Flair durch die Lautsprechermembranen. Krass sind diese Sprünge zwischen den Musikstilen, das klingt fast eher wie eine Compilation als wie eine einzelne Band. Zwar wird so die Abwechslung hochgehalten, aber man grübelt manchmal, ob die Band sich denn schon sicher ist, welchen Stil sie für sich auserwählt hat. Der Song gehört trotzdem zu den besseren des Albums.

Ein Schelm, wer aufgrund des Titels denkt, dass sich der nächste Track „Some Light To Find My Way“ genau um dieses Thema drehen könnte. Hier wird noch mal bester Metal zelebriert. Doublebass-Attacken, gepaart mit exzellenter Gitarrenakrobatik und dem eigentlich immer soliden und nie übertriebenen Bass von Nando Melo. Was wäre das schön, wenn die Band mal ein ganzes Album nur in diesem Stile machen würde. Die Nackenmuskulatur würde kräftig trainiert und die Mundwinkel wären bis zu den Ohren geweitet. Sehr starker Abschluss des regulären Albums!

„'39“ ist eine Coverversion von Queen aus ihrem 1975er Album „A Night At The Opera“. Mutig, ja eigentlich zu mutig. Ein ohne Frage guter Song, der auch so sein Flair entwickelt, aber ob er nun auf ein Metal-Album passt, ist die andere Sache. Zusätzlich hat der Track natürlich auch im Original sehr von Freddy Mercurys (R.I.P.) Stimme profitiert. Hätte so auch gut in die Woodstock-Ära gepasst. Mir gefällt es, wenn ich das als kleinen lustigen Abschluss betrachte. Ernst nehmen sollte man den Track aber eher nicht, denke ich.

Fazit: Ein zwar durchwachsenes Album, das aber insgesamt eine klar positive Bewertung verdient hat. Die Band zeigt, welche Möglichkeiten sie hat, verzettelt sich aber zu häufig im Austesten ihrer kompletten Spannbreite. So wirkt das Album natürlich nicht wie aus einem Guss und wird so viele potentielle Fans erst mal abschrecken. Man darf jetzt schon gespannt sein, ob sich die Band irgendwann mal festlegt und den dann eingeschlagenen Weg durchzieht. Ich hoffe, dass es der metallischere Pfad ist, denn da sehe ich ganz klar die Stärken der Band.

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