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Halford: Winter Songs

"Robert the bald headed Metal God...had a very controversial record"
Wertung: 6/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 41:27
Release: 09.11.2009
Label: Metal God Records

Über Rob Halford muss man wohl nicht mehr viel sagen. Der Frontmann von Judas Priest und anerkannter „Metal God“ konnte sich seinen guten Ruf noch nicht einmal mit seinen „Metal ist tot!“-Statements, die er während seiner Auszeit bei den Priestern von sich gab, zerstören. Denn sei es aus kommerziellen Gründen oder aus ehrlicher Überzeugung, das erste Album seines Halford-Projekts mit dem Namen „Resurrection“ markierte nach seinen Alben mit Fight und Two die Rückkehr zum klassischen Metal. Kombiniert mit der Tatsache, dass seine alte Band damals mit Tim „Ripper“ Owens am Mikro nur mäßig erfolgreich versuchte, ihren Sound zu modernisieren, wurden die Stimmen nach einer Reunion laut. Doch bevor diese eintrat, veröffentlichte Halford noch Album Nummer Zwei namens „Crucible“ und kümmerte sich fortan nur noch sporadisch um sein Soloprojekt. Nun, am Ende des Jahres 2009 und nach der Judas Priest-Enttäuschung namens „Nostradamus“, steht das dritte Studioalbum des „Metal Gods“ an und es ist...

...kein klassischer Edelstahl wie auf „Resurrection“ und auch kein abwechslungsreiches und interessantes moderneres Album wie „Crucible“, sondern ein Weihnachtsalbum. Ein Weihnachtsalbum, ihr habt richtig gelesen. Rob Halford präsentiert seine 4½-Oktaven starke Stimme in einem ganz besinnlichen Umfeld. Das muss man erst einmal verdauen. Aber laut eigenen Aussagen ist eine solche Veröffentlichung ein lang gehegter Wunsch des Sängers gewesen, der sich für „Winter Songs“ auch einige neue Lieder hat einfallen lassen und sich nicht (nur) auf das bloße Nachsingen alter Weihnachtslieder beschränkt.

Auf die neuen Songs werde ich nun etwas genauer angehen, da es nur vier an der Zahl sind. Die erste Single „Get Into The Spirit“ ist unter den gegebenen Umständen recht hart aufgefallen und weiß durch den Queen-ähnlichen Gitarrenklang von Roy Z. zu begeistern. Halford singt auch anno 2009 (im Studio) noch sehr gut und auch der Rest seiner Mannschaft erledigt einen gewohnt guten Job. „Get Into The Spirit“ lässt aber absolut keine Festtagsstimmung aufkommen, sondern klingt wie eine gemäßigte Version von „Made In Hell“, welches auf „Resurrection“ steht. Ob das das Ziel gewesen ist, darf angezweifelt werden. Ein guter Song bleibt aber ein guter Song.

„Christmas For Everyone“ beginnt mit Glocken und klingt damit schon wesentlich festlicher als der Opener von „Winter Songs“. Der sehr simpel strukturierte Song trägt nicht nur aufgrund des Pianos viele Rock'n Roll Elemente in sich, wirkt aber gleichzeitig merkwürdig ausgebremst und ist schlicht gesagt langweilig. Da passt es auch, dass der Meister selbst eher lustlos singt und das auch bei „I Don't Care“ tut. Textlich geht es darum, dass jemand an Weihnachten unbedingt zuhause sein will, was wohl nicht nur mir irgendwie bekannt vorkommt. Mir ist fast so, als gäbe es schon ein Lied über dieses Thema. Aber das soll jetzt egal sein, denn bis auf ein schönes Solo hat auch „I Don't Care“ nichts zu bieten, was eine genauere Beschäftigung rechtfertigt.

Der vierte neue Song ist das balladeske „Light Of The World“, was endlich wieder mehr Varianten im Gesangsbereich zeigt. Geigen, Glocken und eine verträumte Akustikgitarre treiben den Kitschfaktor natürlich extrem in die Höhe, aber auf einem Weihnachtsalbum kann man das gerade noch so verzeihen. Kurz gesagt: „Light Of The World“ ist ganz in Ordnung, aber mehr auch nicht.

Kommen wir also zum vielleicht interessantesten Teil und der Frage: Wie klingen die „ollen Schinken“ denn nun in der „Metal God“-Version? Vorab muss ich sagen, dass ich kein einziges Lied erkannt habe, da es sich nicht um die erwarteten Lieder handelt. Rob Halford und Co. haben sich ihre ganz persönlichen Favoriten ausgesucht und spielen diese sehr nahe am Original nach. Das vermute ich aufgrund meiner Unkenntnis zumindest, denn wie in ein Rock/Metal-Gewand gesteckt wirkt hier eigentlich nichts. „Winter Song“ ist eine ganz besonders kuschelige Ballade, die unvermeidlich Bilder aus der TV-Werbung zum x-ten „Christmas Sampler“ vor dem geistigen Auge auftauchen lässt. Das ist so kitschig, dass es schon wieder irgendwie gut ist.

Nach diesem Prinzip wird auch der Rest des Fremdmaterials bearbeitet und funktioniert an kalten Winterabenden mit der Familie mit Sicherheit ganz gut. Ich persönlich habe seit meinen Kindertagen aber nur noch das Nötigste mit dem sogenannten „Fest der Liebe“ (wahlweise auch „Fest des schnöden Mammons“) zu tun und habe dementsprechend nicht viel für Weihnachtsalben übrig. Rob Halford kann ich aber zumindest attestieren, dass er nicht den befürchteten Totalausfall abgeliefert hat. An Ostern wird diese Platte aber wohl auch bei seinen Die-Hard-Fans im Regal verstauben, denn ganz ehrlich, Rob: Einen schmalzigen Sternsänger zu geben, das ist deiner Person nicht würdig. Hoffen wir also, dass dein Beispiel keine Schule macht und uns nicht noch Sachen wie „Weihnachten mit Lemmy“ oder „Ozzy wartet auf den Weihnachtsmann“ ins Haus stehen.

Ich habe übrigens länger mit mir gerungen, ob ich „Winter Songs“ überhaupt eine Punktwertung geben soll, aber da neues Material vorliegt und ich ohnehin kein großer Freund von „Ohne Bewertung“-Bewertungen bin, ist es schlussendlich dann doch so gekommen. Ein Tipp noch zum Schluss: Es gibt nur einen Metalsong zum Fest: King Diamond mit „No Presents for Christmas".

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