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Haken: Aquarius

Ist die Welt bereit für die Erben von Emerson, Lake & Palmer?
Wertung: 5.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 72:48
Release: 16.04.2010
Label: The Laser´s Edge / Sensory Records

„Episch“ ist ein Wort, das heutzutage in Bezug auf Metal mit Vorsicht zu genießen ist, kann es doch herzerwärmende Instrumental- oder Gesangspassagen bedeuten, die einem derart unter die Haut gehen, dass man sie am liebsten immer und immer wieder hören würde, oder es kann auf das genaue Gegenteil hindeuten: technisch meist gut gemachte, aber ewig ausufernde Songs, die einem die Füße einschlafen und den Finger gen Skip-Taste zucken lassen.

Schwierig wird es dort, wo man das Gefühl hat, der „epische“ Part klingt eigentlich interessant, passt aber null zum eigentlichen Song. Bei den Londoner Progressive Metallern Haken stellt sich dieses Gefühl durchaus des Öfteren ein. Ihr Debütalbum „Aquarius“ bietet zwar, dem Titel gemäß, viele fließende Keyboardpassagen (wozu braucht eine Band eigentlich zwei Keyboards?), driftet aber ein ums andere Mal in psychedelisch anmutende Gefilde ab, die im Kontext des Songs einfach keinen Sinn zu ergeben scheinen. Dabei scheint das Sextett außerdem, wie es sich für richtig progressive Musiker gehört, eine Affinität zu (über-)langen Songs zu haben – gerade mal zwei der sieben Songs bewegen sich unter der Acht-Minuten-Grenze, mit dem Rausschmeißer „Celestial Elixier“ haben sie gar ein fast siebzehnminutes (Keyboard-)Monster erschaffen.

Bereits vor drei Jahren gründete sich die Band, trotzdem erscheint erst jetzt mit „Aquarium“ ihr erster Output, was man aber durchaus nachvollziehen kann, wenn man sich die Komplexität der Stücke anschaut. Wobei „Komplexität“ hier eine neue Definiton entwickelt – die meisten Songs muten nämlich einfach wie ein Flickenteppich von verschiedenen, oft ähnlich klingenden Versatzstücken an, die dort eingefügt wurden, wo sie am besten zu passen schienen; mit größtenteils mäßigem Erfolg. Bestes Beispiel ist der Opener „The Point Of No Return“, in dem sich an Jahrmarktsmusik erinnernde Keyboards mit dramatischen, aber nie gefährlichen Instrumentals vermengen; hinzu kommt die überraschend angenehme, fast klassische Stimme von Sänger Ross. Trotzdem erinnert der Song irgendwie an Weihnachten; auch die plötzlich auftauchenden Growls und die fast opernhaften Keyboards im Hintergrund, die uns übrigens noch öfter über den Weg laufen werden, passen irgendwie kein bisschen zum Rest.

Spaßig wird´s auch bei „Streams“, dessen Intro klingt, als wäre es von Michelle Branchs Superhit „1.000 Miles“ geklaut worden – nur, dass die junge Dame das ihrerzeit wenigstens auf einem Piano und nicht auf einem Keyboard eingespielt hat. Insgesamt hat das ganze Stück einen sehr poppigen Touch und könnte – Achtung, hier taucht das „Wasser“-Thema wieder auf – auch aus einem Sountrack zu „Arielle“ stammen. Wirklich störend sind das billig klingende Keyboard, sowie ein völlig deplatziertes Gitarrensolo bei „Aquarium“. Umso unverständlicher wird der unsägliche Klang des Keyboards in diesem Stück, wenn man sich den Nachfolger „Eternal Rain“ anhört, wo besagtes Instrument vergleichsweise ziemlich gut zur Geltung kommt – auch wenn es teils klingt wie bei Emerson, Lake & Palmer entliehen. Trotzdem oder gerade wegen der freakigen Keyboards-Passagen hat der Song ordentlich Drive, auch das eingestreute Gitarrensolo fügt sich wunderbar ein. Ob es daran liegt, dass in der Kürze des Songs, der nicht ganz sieben Minuten lang ist, keine Zeit für bizarre Experimente blieb?

Ebenso überraschend, aber meiner Meinung nach das stärkste Stück des Albums, ist das ebenfalls recht kurze „Sun“. Im Intro spielt ein einsames Paar, bestehend aus Tuba und Gitarre, langsam vor sich hin, zum einsetzenden klaren Gesang gesellt sich eine sogenannte „Ocean Drum“, eine Mischung aus Gefäßrassel und Tamburin, die dem Ganzen einen schönen, leicht experimentellen Touch gibt. Hier wird eine traurige Atmosphäre aufgebaut, die man sich schon in vorherigen Songs gewünscht hätte – wo es meist völlig an irgendeiner Stimmung fehlte.

Fazit: Hakens Debütalbum schwimmt in einem See aus Keyboards, wirren Instrumentaleinsätzen und einem teils zu poppigen Gesang. Die wirklich guten Songs des Albums kann man mit der Lupe suchen, doch hat man sich erst mal zu selbigen durchgearbeitet, ist man überrascht ob der erzeugten Stimmung. Mehr Stücke wie „Eternal Rain“ hätten der Platte gut zu Gesicht gestanden, Freunde der alten, psychedelischen Keyboardfraktion könnten hierbei aber durchaus die eine oder andere Perle entdecken.

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