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Haggard: Tales Of Ithiria

Besser geht's nicht, nur länger
Wertung: 10/10
Genre: Symphonic Orchestral Medieval Metal
Spielzeit: 42:48
Release: 29.08.2008
Label: Drakkar Records

Das Warten hat ein Ende, denn das neue Werk von Haggard erscheint in Kürze. Vor knapp zwei Jahren hatte ich meinen ersten Kontakt mit Asis und seiner einzigartigen musikalischen Welt und war einfach nur positiv überwältigt. „Eppur Si Muove“ zieht mich auch anno 2008 immer noch in seinen Bann und macht es mir schwer, die CD wieder aus dem Player zu nehmen. Zu genial war das Dargebotene. Schon im August 2005 erzählte uns der Haggardmastermind bei einem Interview mit The Pit, dass das neue Album nächstes Jahr (also 2006) erscheinen sollte. Nun ist auch das Jahr 2008 schon sehr weit vorgeschritten und die VÖ-Termin rückt näher.

Trotzdem fragt man sich, warum es so lange gedauert hat. Ein paar Lösungsansätze liegen wohl darin begründet, dass man das ursprüngliche Konzept wieder über den Haufen geschmissen hat und sich der Widmung an alte historische Personen entzogen hat. Auf „Tales Of Ithiria“ erschaft man nun eine eigene Sagenwelt. Es geht wie so oft um den Kampf „Gut gegen Böse“ Das sollte ein noch homogeneres Werk mit sich bringen. Also genug der Worte und ran an die Musik.

„The Origin“ beginnt mit bombastischen Tönen, wie man sie sonst von Filmen wie „Herr der Ringe“ her kennt. Mike Terrana spricht schön ergreifend die Einleitung und erklärt den Hintergrund für die Geschichte. Definitiv stimmungsbildend, allerdings kein wirklicher Song.

Dann beginnt das erste Kapitel mit „Tales Of Ithiria“. Zwei klassische Stimmen beginnen ihren Reigen, bevor es nach kurze Zeit später losgeht und die Musik das Kommando übernimmt. Mit unheimlich viel Gefühl und wunderschönen Melodien wird der eigentliche Opener eröffnet. Ob dieser symphonischen Offenbarung schmelzt man quasi dahin. Das Schlagzeug erklingt und sorgt für etwas Zug. Dann kommt ein erstes Mal der metallische Hammerschlag. Wahrhaftig meisterhaft. Der Song entwickelt sich zu einem ersten richtigen Highlight. Treibende Bassdrums, die rauhe tiefe Stimme von Asis in Symbiose mit den Gitarren, die den starken Gegenpart zu der tollen, klaren, fast schon filigran wirkenden Frauenstimme darstellt. Es ertönt ein Chor wie aus dem Nichts, der nicht besser passen könnte. Unglaublich, diese Vielfalt an Instrumenten derart harmonisch zu verschmelzen und somit das perfekte Bindeglied zwischen klassisch ausgeprägter Musik und dem von uns so geliebten Metal.

„From Deep Within“ kann man dann mit seinen 25 Sekunden nicht einmal als Song bezeichnen. Wie schon beim ersten Stück handelt es sich hier lediglich um eine kurze Erzählung, die den inhaltlichen Schulterschluss zwischen den beiden Songs zieht.

Das zweite Kapitel „Upon Fallen Autumn Leaves“ besticht dann wieder mit den, ja man ist eigentlich gewillt „üblichen Attributen“ zu sagen, aber das passt nur bedingt, denn auch wenn alles klar nach Haggard klingt, so kopiert sich die Band niemals selbst. Stellenweise wird hier richtig kräftig gerockt, um sich dann aber wieder in den nächsten Sekunden klassisch, teilweise auch mit opernhaften Tönen, weiterzuentwickeln. Ein wohl für die meisten recht unglaubliches Klangspektrum, welches sich da dem Hörer offenbart.

„In Des Königs Hallen (Allegretto Siciliano)“ ist ein fanfarenartiges, mittelalterliches Meisterwerk, welches sich zwar anhört wie Fragmente aus alten Ritterfilmen, aber doch als Ganzes präsentiert wird.

„La Terra Santa“ (Kapitel 3) zeigt dann eigentlich die größten musikalischen Ähnlichkeiten zu dem vorherigen Überwerk „Eppur Si Muove“. Es wird insgesamt deutlich mehr gerockt als bei den anderen Songs. Die ruhigen klassischen Passagen, welche auch einmal durch ein Piano wiedergegeben werden, sorgen für soviel Gänsehaut, dass sich der Herzschlag fast schon dem Takt des Songs anpassen möchte. Unglaublich gut und ergreifend.

Leider gibt es dann mal wieder einen „Einleiter“ mit „Vor Dem Sturme“, welcher glücklicherweise sehr kurz ist. Asis hat verstanden, dass man nicht dengleichen Fehler wie Manowar machen sollte, auch wenn diese kleinen Einstreuer beim zwanzigsten oder dreißigsten Male zu stören beginnen. Und glaubt mir, wenn ihr erstmal von der Musik gefangen genommen wurdet, dann rotiert die Scheibe noch viel häufiger in eurem Player.

Das vierte Kapitel „The Sleeping Child“ ist dann wieder einmal die perfekte Darstellung dessen, wie feinfühlige, aber dennoch bestimmende Violinen im Einklang mit harten Gitarren funktionieren können. Hinzu immer wieder der grandiose weibliche Gesang mit einer zwar recht simpel wirkenden Melodie, welche aber seine großartige Wirkung zu keiner Sekunde verfehlt.

Da der vorliegenden Promo CD die Texte nicht beigelegt sind, stellt sich dann die Frage, wie denn die Coverversion „Hijo De La Luna“ in das lyrische Konzept des Albums passt. Die Zigeunerin, welche unbedingt einen Mann haben will und sich mit dem Mond/der Mondin verbündet. Ein unheilbringendes Bündnis, denn das Erstgeborene ist der Preis. Da der so gewonnene neue Mann aber wie die Zigeunerin dunkelhäutig ist und das Kind hellhäutig mit grauen, für Zigeuner eher untypischen Augen, wittert er Betrug und ersticht seine Frau. Das Kind legt er auf einem Berg ab. Dort lebt es weiter und immer, wenn es weint, nimmt der Mond ab und wird zur Wiege für das Kind. Natürlich wird hier klagenderweise die Frage nach der Mutterliebe aufgeworfen.

Endlich gibt es eine Version, die auch der Metaller öffentlich hören kann, der ansonsten von den Klischees gefangen wird und aufgrund mangelnden Rückgrats stets verleugnet, dass z. B. Popsongs richtig gut sein können. Aber Tatsache ist, dass Loona sich mit diesem Song damals Ende der Neunziger in die Herzen auch vieler Rock und Metal Fans gesungen hat, zu genial ist die Gesangsmelodie. Hier ist nun die Interpretation des Songs mit spürbar rockigeren Untertönen untermalt und gesanglich perfekt intoniert. Schönerweise hat man sogar die Atemgeräusche auf der Tonspur gelassen, die dem Ganzen eine noch größere Intensität verleihen. Ein wahrhaftiger Übersong, der als Singleauskopplung ganz sicher die Charts aufrollen dürfte.

Da dann wieder eine Erzählung, diesmal aber wieder etwas mehr musikalisch untermalt, folgt, ist sowas wie ein kleiner Bruch im Fluss des Albums zu erspüren. Oder lag es dann doch an dem Coversong, der sich nicht hundertprozentig einfügte?

Egal, das dann schon viel zu frühe Ende leitet dann das fünfte Kapitel „The Hidden Sign“ ein. Hier wird nochmal alles dargeboten, wofür man Haggard liebt: Grandiose Melodien, eine unglaublich facettenreiche Instrumentierung, sanfte, ruhige Töne gepaart mit energischen harten Passagen und das alles so dargeboten, als ob es eigentlich gar keine andere Möglichkeit gäbe, Musik zu machen.

Fazit: Ein weiteres Meisterwerk der Haggard Familie ist hier entstanden. Musikalisch fragt man sich nur, wie man da noch einen drauflegen will. Aber das war ja schon beim Vorgänger so. Insgesamt etwas weniger metallisch oder auch rockig ist „Tales Of Ithiria“ geworden, aber kein bisschen schlechter. Fast viereinhalb Jahre sind allerdings ein viel zu langer Zeitraum für das Album. Schön, dass man nicht versucht hat, mit mehrminütiger Stille Zeit in der Anzeige des CD-Players zu schinden, allerdings ist die angegebene Spielzeit schon irgendwo eine Frechheit. Ich hab lange nachgedacht, ob dies nicht zwangsläufig einen Punkteabzug in der Wertung verdient. Und nur die mehr als überragende Musik hat mich davon abgehalten. Die kleinen Erzählungsstücke sind natürlich das Bindeglied der Geschichte, wenngleich man sie zeitlich abziehen müsste, aber dann hätten wir nicht einmal 40 Minuten Spielzeit. Böse, wer jetzt sagt, dass Asis nur 10 Minuten Musik in einem Jahr (4,5 Jahre Wartezeit auf das neue Album) zu kreieren fähig ist. Dann noch die unglaublich gute Coverversion, nee, das will ich jetzt nicht weiter ausführen.

Trotzdem 10/10 Punkte, denn es gibt nicht auch nur annähernd Vergleichbares von einer anderen Band. Asis schafft sich mit jeder neuen Veröffentlichung ein weiteres Denkmahl und man überlegt langsam, ob man Asis schon jetzt oder erst mit dem nächsten Album in einem Atemzug mit Mozart und Bach nennen soll.

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