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Haggard: Era Divina

Multimedialer Blick zurück
Wertung: 7/10
Genre: Klassik Metal
Spielzeit: 41:41
Release: 24.12.2009
Label: Nattvind Records

20 Jahre Haggard – ein Anlass zum Feiern, möchte man meinen. Nicht so das süddeutsche Metal-Orchester. Anstatt die Krüge zu erheben, sich selbst hoch leben und von richtig wichtigen Leuten reich beschenken zu lassen, beschenkt es seine zahlreichen Fans, die ihm über diese zwei Jahrzehnte die Treue gehalten haben. Außerdem macht es Neu-Anhängern den Einstieg besonders leicht. Und zwar mit „Era Divina“, einer Neu-Auflage des Debüts „And Thou Shalt Trust… The Seer“ plus fettem Bonus-Material für Sammler-Seelen in der Gemeinde – ein schickes Digipack mit CD plus DVD „Haggard Unlive – Extended Version“. Streng genommen handelt es sich dabei um die Wiederauflage des Pakets, das im vergangenen Jahr bereits erschienen ist, damals in einer Auflage von 999 Stück. Wer's also seinerzeit verpasst hat oder einfach nicht genug bekommen kann: Voilà - bitte beherzt zugreifen!

„Era Divina“ versteht sich vor allem als Retrospektive der Band-Karriere, von einer typischen Death Metal-Kombo, wie es sie auch in Bayern zuhauf geben dürfte, zur ambitionierten Fusion von Metal und Kunstmusik. Damit einher geht auch die Expansion der Band auf imposante 16 Mitglieder (wahrscheinlich nur übertroffen von The Polyphonic Spree mit mehr als 20 Musikern und den rund 1800 Gitarristen, die 2007 unter der Leitung von Gotthilf Fischer gleichzeitig „Smoke On The Water“ intonierten).

Die DVD zeigt Haggard beim Proben, anschließend stellt sich jeder Musiker artig vor und erklärt, wie er bzw. sie zur Band kam. Wirklich Überraschendes kommt dabei allerdings nicht heraus. Fakten, die für die eigentlichen Klassik-Musiker und ihre Angehörigen spannender sein düften. Wer allerdings nicht dabei war, kann diesen Teil getrost überspringen und sich den drei Livemitschnitten oder der ganz hübschen Bildergalerie zuwenden.

Besser noch: Dem CD-Album „And Thou Shalt Trust... The Seer“, einem Konzeptwerk über Nostradamus: Erbost ob des heretischen Treibens auf Erden sendet Gott den Seher Nostradamus, dessen furchtbares Schicksal es fortan sein soll, alle Menschen in den Tod zu reißen, denen er begegnet. Aus Liebe zur Menschheit entsagt Michel de Nôtre Dame seinem Glauben und fristet fortan sein Leben als Eremit. Erzählt wir die Geschichte des mittelalterlichen Sehers in sechs Kapiteln.

Nach Art eines Oratoriums übernehmen vier Sänger plus Chor die Parts der handelnden Figuren. Nur reicht das Spektrum über die „klassischen“ Stile hinaus, bis zum düsteren Geflüster, Grunzen und Schreien. Auch sprachlich geht es vom herkömmlichen Latein über modernes Englisch und sogar Deutsch.
Dabei pendeln die einzelnen Songs zwischen den durch Haggard neu ausgeloteten Grenzen von Kammermusik und Death Metal. Gerade in bezug auf die mittelalterliche Story atmosphärisch überaus passend.

Am Ende des Werks steht für den Hörer die Frage: Für wen ist das „Era Divina“ gemacht? Die meisten Fans werden das Debüt im Regal haben, einige wenige davon vielleicht auch die Sammlerbox von 2009. Allein das digital neu abgemischte Album wäre nur ein geringer Kaufanreiz. Die Dokumentation über die Band sowie die Bildergalerie ist interessant, wenn auch nichts revolutionär Neues. Allerdings: Für diejenigen, die bis dato eher wenig Kontakt zum Phänomen Haggard hatte und einen stimmungsvollen Einstieg in deren Werk sucht, sei dies eine absolute Kaufempfehlung!

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