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Haggard: Eppur Si Muove

Ein Grenzen überschreitendes Meisterwerk
Wertung: 10/10
Genre: Symphonic Orchestral Medieval Metal
Spielzeit: 48:18
Release: 26.04.2004
Label: Drakkar Records

Vor zweieinhalb Jahren ist das mir hier vorliegende Album „Eppur Si Muove“ erschienen. „Warum schreibt der jetzt noch ein Review dazu?“ werden sich einige fragen. Nun ja, das hat zwei Gründe: Erstens hat mich ein guter Kumpel auf die Band aufmerksam gemacht. Ich hatte sie voller Vorurteile nie mit größerer Beachtung bedacht, da mir eine Band mit 17 Mitgliedern, welche auch noch von 10 Special Guests unterstützt werden, etwas suspekt ist. Außerdem werden diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich im Allgemeinen keine Vorliebe für Grunts und sehr hohe Frauenstimmen habe. Zweitens: Das neue Machwerk der Band wird in Kürze veröffentlicht.

Also, der Reihe nach: Beim ersten Hören hatte ich auch tatsächlich einige Probleme mit den hohen Stimmen der Sopranistinnen Veronika Kramheller und Gaby Koss. Nun ja, gut Ding will Weile haben und was mir sofort auffiel, war, dass die Songs keinesfalls den Eindruck erwecken, dass sie für eine andere Instrumentierung geschaffen wurden. 

„All `Inizio È La Morte“ beginnt mit tiefen Orchestertönen und einem Chor, bevor Haggard- Mastermind Asis Nasseri im Stil von Mittelaltercombos á la In Extremo die ersten deutschen Vocals kredenzt. Es folgen schöne Melodien und ein temperamentvoller schneller Song, der mich trotz der Grunts mitreißt, was wohl auch daher kommt, dass man Asis immer gut verstehen kann. Hier passt wirklich alles zusammen. Danach folgt ein eher ruhiges, getragenes Instrumental mit Blasinstrumenten und jede Menge Streichern, welches auf den Namen „Menuetto In Fa-Minore“ hört.

Wenn man in dieser Qualitätsstufe überhaupt noch Highlights hervorheben kann, dann beginnt dies mit „Per Aspera Ad Astra“. Es beginnt mit einer tollen Melodie, bevor es in einen sehnsüchtigen, fast elfengleichen Gesang übergeht. Das Ganze gepaart mit Grunts und klaren Stimmen, die gerne operettenhafte Stimmung versprühen. Die folkloristischen Parts wechseln sich mit mittelalterlichen und deftigen Metal Parts ab. Sorry, auch wenn es jetzt vielleicht als Beleidigung angesehen wird. Es ist schön, wenn Metallica oder damals Rainbow als eine der ersten Songs mit einem Orchester einspielen, aber das hat nicht im Entferntesten etwas mit diesem musikalischen Kunstwerk zu tun. 

Der vierte Song „Of A Might Divine“ lebt von der tollen Melodieschöpfung Asis Nasseri`s. Es ist ein richtiger Metalhammer, der mit vielen metaluntypischen alten Instrumenten zelebriert wird. Zwischenzeitlich fühlt man sich immer wieder wie bei einem königlichen Fest im 16. Jahrhundert. Danach kommt ein weiteres kurzes Instrumental, das wie schon das erste der musikalischen Feder Robert von Gredings entsprungen ist. Ein Ex-Klarinettist, welcher aber immer noch Songs für Haggard schreibt.

Danach startet mit „Herr Mannelig“ ein Song, der schon von vielen Bands mit mittelalterlichem Einschlag verarbeitet wurde. Bisher galt für mich die Version von In Extremo als die Beste mir bekannte Umsetzung des Themas. Diese Version mit dem elfenhaften Gesang und der zwar modernen Instrumentierung vermittelt mir persönlich deutlich mehr Gefühl. 

Danach ist es endgültig um mich geschehen. „The Observer“ mit einem tollen Konzertflügel und einfach nur genialen Melodien zum Dahinschmelzen haut mich einfach nur um. Dieser Song gehört zu den besten Songs, die ich je gehört habe. Hier ist so ziemlich alles drin, was Musik für mich ausmacht. Power, Melodie, geniale Musikwechsel und ein tolles abwechslungsreiches Arrangement. 

Der Titelsong „Eppur Si Muove“ besticht durch die klare helle Sopranistinnenstimme und durch ein tolles Piano. Nach diesem Anfang zum Dahinschmelzen darf dann auch wieder das ganze Orchester mitmischen und drückt mit Power auf die Nackenmuskulatur. Die melancholische Schwere, gepaart mit den Mittelalterklängen versprüht mehr Charme als viele andere Mittelalterkapellen es auf einem ganzen Album schaffen.

„Larghetto / Epilogo Adagio“ bildet dann eigentlich den krönenden, traurigen, instrumentalen Abschluss des Albums. Sozusagen, wenn auch nicht so ausgewiesen, wird dann als Bonus noch eine kürzere Version von „Herr Mannelig“ dargeboten. Nach dem Song wird eine fast zweiminütige Pause eingelegt, bevor noch einmal für kurze 49 Sekunden ein fröhliches Miettelalterthema angestimmt wird.

Fazit: Um es mit dem Titel des Albums zu sagen: Und sie bewegt sich doch (Eppur Si Muove). Ich beziehe dies jetzt mal auf die Musik. Dies ist wahrhafter Crossover. Haggard haben mich im Sturm erobert und sich schon allein wegen dieses Albums ganz hoch in meine Favoritenliste geschossen. Wenn ich ehrlich sein soll, es gibt an diesem Album nichts auszusetzen! Daher kann auch nur die Höchstwertung erfolgen! Großes Kino!

Für jeden, der er wie ich geschafft hat, die Band und dieses Meisterwerk bisher an sich vorüber gehen zu lassen: Komme zur Besinnung und tauche ein in die klassisch symphonische Metal Welt des Asis Nasseri. Aber sei gewarnt, wenn du das erste Mal wie in Trance deine Hände hebst und wie ein Dirigent durch die Luft kreisen lässt: Du wirst eventuell etwas verständnislos angeschaut werden! Es ist zwar eine Schande, dass ich es noch nicht erwähnt habe, aber thematisch ist das Album Galileo Galilei gewidmet. Dies sollte man eigentlich mehr würdigen, aber wer will schon ein sechsseitiges Review lesen.

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