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Gwyllion: The Edge Of All I Know

Melodic Metal-Fans aufgepasst
Wertung: 8/10
Genre: Symphonic Power Metal
Spielzeit: 52:10
Release: 03.04.2009
Label: Black Bards Entertainment

Gwyllion aus Belgien sind eine jener Bands, die man gerne mal in eine Schublade steckt. „Ah, eine Band mit einer Frontfrau, die Symphonic Metal spielt...Das kann ja nur ein Nightwish-Klon sein.“ Nun, so ganz falsch ist diese Annahme nicht, man tut der Band damit aber auch Unrecht, denn sie hat etwas an sich, das sie von der Armada an Plagiaten der finnischen Chartbreaker unterscheidet. Und damit meine ich nicht nur die äußerst unterhaltsame Bandbiographie, die für einige Lacher gut ist. Diese alle wieder zugeben, würde den Rahmen sprengen, aber es ist schön zu sehen, dass die Band über eine gewisse Selbstironie verfügt und sich nicht in den üblichen Gotik-Metaphern verliert. Bevor es also an die Musik geht, muss noch erwähnt werden, dass „The Edge Of All I Know“ bereits das letzte Album mit Sängerin Annelore Vantomme ist, da sie Gwyllion aus Zeitgründen verlassen musste. Ihre Nachfolgerin ist in Person von Ann Van Rooy aber bereits gefunden.

„In Silence Enclosed“ nennt sich das Intro der Platte und erinnert wohl nicht ganz zufällig an gewisse monumentale Filmsoundtracks. Erfreulicherweise ist das Stück wirklich monumental und nicht kitschig, was immer eine schmale Gratwanderung ist. „Entwined“ zeigt dann, welchen Unterschied zu anderen Bands ich vorhin angesprochen hatte – die Gitarren sind die dominante Kraft im Klang von Gwyllion und nicht die Keyboards (die natürlich auch eine wichtige Rolle spielen). Auch das Schlagzeug ist gut zu hören und macht aus „Entwined“ einen Song, der sich auch für ein Album von Stratovarius gut eignen würde. Nur singt da natürlich Timo Kotipelto und nicht Frau Vantomme, die sehr variabel zu Werke geht und sowohl in mittlerer Tonlage als auch im Sopran (welches immer geschickt eingesetzt und nicht überstrapaziert wird) vollends überzeugen kann. Wenn sich das Niveau hält, haben wir es hier mit einer kleinen Überraschung zu tun.

„Void“ macht auf jeden Fall einen ebenso guten Eindruck. Die Geschwindigkeit wird ein wenig gedrosselt, zieht wieder an und schlägt teilweise in einen völlig anderen Takt um. Das kann man schon als „Progressive Symphonic Metal“ bezeichnen. Meine Begeisterung wächst – vor allem, weil mit „Rage“ ein weiterer Kracher rausgehauen wird, dessen Anfangsriff sogar ein wenig nach Thrash Metal klingt. So extrem wird es natürlich nicht, denn die Melodien zeigen bald, wohin die Reise geht. Dennoch: Piano und Double-Bass muss man erstmal so geschickt kombinieren können und so einen eingängigen Chorus schüttelt sich auch nicht jeder aus dem Ärmel.

Auf so einem Album erwartet jeder natürlich eine Ballade und die folgt nun. „Beyond Goodbye“ ist schon alleine aufgrund des Titels prädestiniert für einen Ruhepol zu sorgen, kann aber leider keine weiteren Akzente setzen. Objektiv betrachtet ist das Lied gut gespielt und schön gesungen, subjektiv gesehen fehlt aber eine wirklich starke Melodie, die „Beyond Goodbye“ einen eigenen Charakter geben würde.

Danach steigt die Qualitätskurve wieder nach oben, denn „The Night Awakes“ ist einer der besten Songs des Albums und hat einen starken Folk Metal-Einschlag. Das klingt in etwas so, als würden Skyclad und After Forever gemeinsam im Proberaum stehen. An dieser Stelle möchte ich einmal ein großes Lob an die beiden Gitarristen Martijn und Steve aussprechen, die wirklich fantastische Melodien spielen und erstklassig mit Keyboarder Joris harmonieren. So wird nämlich jeder Song noch ein wenig aufgewertet. „Closure“ kann beispielsweise kaum überzeugen, hat aber eine gute Hookline, was das Lied noch in den grünen Bereich rettet. Es scheint so, als würden den Belgiern zum Ende hin ein wenig die Ideen ausgehen, denn auch „A Thousand Words“ ist „nur“ okay, aber immerhin noch meilenweit über dem anzusiedeln, was viele andere Frau-am-Mikro-Bands auf CD pressen lassen. Die würden nämlich für Midtempo-Stücke wie „Roots Of Reality“ (geht wieder mal richtig ins Ohr) und die ziemlich kitschige Ballade „Angelheart“ töten.

Gwyllion machen vieles richtig und haben mit ihrem zweiten Album ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Band auch mit ihrer neuen Sängerin so gut harmoniert und nicht in den Horden von Nightwish- und Within Temptation-Klonen versinkt. Verdient wäre es, denn Bands aus diesem Genre,die dominante Gitarren haben, gibt es nur sehr wenige.

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