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Gus G.: I Am The Fire

Insgesamt gutes Solodebüt mit ein paar Durchhängern
Wertung: 7/10
Genre: Classic Rock/ Heavy Metal
Spielzeit: 46:46
Release: 14.03.2014
Label: Century Media

Wenn ein Musiker in seiner Band ohnehin im Alleingang für das Songwriting verantwortlich zeichnet, kommt zunächst stets die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf, wenn dieser irgendwann ein Soloalbum aufnimmt. Nicht selten denkt man eben gleich erst mal an eben jene Band und nimmt an, dass das Solomaterial wahrscheinlich genauso klingen wird. Gus G. hat diese Rolle bei Firewind inne und nun mit „I Am The Fire“ seine erste Soloplatte am Start. Um diesem Vorurteil von Anfang an vorzubeugen, hat der Grieche im Vorfeld bereits klargestellt, dass er mit der Scheibe – auch wenn allein der Titel natürlich an seine Hauptband denken lässt – eine andere Seite von sich zeigen und den Leuten etwas präsentieren möchte, was sie zuvor noch nicht von ihm gehört haben.

Bekanntermaßen ist Gus einer der talentiertesten Gitarristen der Szene, der auch gerne mal shreddert, insofern konnte man trotz aller Statements zuvor natürlich erwarten, dass wie auch bei Firewind mit halsbrecherischen Soli nicht gegeizt wird. Genauer gesagt, dass es davon mehr als auf jeder Firewind-Platte auf die Ohren geben würde. Glücklicherweise jedoch macht Gus nicht einen auf Yngwie Malmsteen, Steve Vai und Konsorten und kleistert das Album mit Soli an jeder Ecke zu, sondern verzichtet auf übertriebene Selbstdarstellung. Natürlich zeigt der Ozzy-Saitenhexer was in ihm steckt, doch schon die Tatsache, dass er mit mehreren Gastsängern gearbeitet hat, verdeutlicht, dass Songs mehr im Vordergrund stehen als exzessives Griffbrettwichsen.

Dass das Material eher im klassischen Rock- denn im Metal- oder Power-Metal-Bereich angesiedelt ist, wie Gus ankündigte, kann man im Großen und Ganzen unterstreichen, allerdings sind die Stücke recht unterschiedlich ausgefallen, weswegen es auch absolut Sinn macht, mit verschiedenen Sängern zu kollaborieren – ähnlich wie es ja zum Beispiel auch Ex-Guns N' Roses-Gitarrist Slash auf seinem ersten Soloalbum getan hat. Dadurch fehlt ein bisschen der rote Faden, doch auf einem Soloalbum sei über solcherlei Dinge mal großzügig hinweggesehen – lieber viel Abwechslung als immer nur dasselbe.

Mit einem äußerst prägnanten, hardrockigen Riff eröffnet der erste Titel „My Will Be Done“, eine von insgesamt vier Nummern mit Candlemass-Sänger Mats Levén. Nicht sonderlich spektakulär, aber schon Laune machend und veredelt durch ein Solo des Meisters. Die drei anderen Stücke mit Levén schlagen bis auf den balladesken Abschlusstrack in eine ähnliche Kerbe: Solider Hard Rock im Midtempo mit jeweils eingängigem Refrain, wobei dem von „Eyes Wide Open“ eine leicht orientalische Note verpasst wurde, was sich gut macht; dennoch markiert der Chorus von „Blame It On Me“ mit seinem leichten AC/DC-Vibe ganz klar den besten.

Doch auch wenn es sich hier irgendwo um gute und selbstverständlich tadellos performte Stücke handelt, müssen diese sich den Vorwurf gefallen lassen, ein bisschen nach Setzbaukasten zu klingen – bei allem Respekt für das Bemühen um eine vielfältige Scheibe. Schlimmer zeigt sich dieses Phänomen jedoch bei „Long Way Down“, wo Eyes Set To Kill-Frontfrau Alexia Rodriguez zu hören ist: eine melancholische Nummer, die zwar sicherlich ganz nett und auch gut gesungen ist – wäre da nur nicht dieser irgendwie gefühlt schon tausendmal gehörte Refrain, der an eine Band wie Evanescence erinnert. Auch das von Jacob Bunton eingesungene „Just Can’t Let Go“ (schon der Titel ist ja ziemlich 08/15) krankt an diesem Symptom und „Summer Days“ (mit Vocals von Jeff Scott Soto) plätschert ebenfalls etwas belanglos vor sich hin.

Besser ist da schon das von Steel Panther-Barde Michael Starr eingeträllerte „Redemption“: Der Track läuft sehr gut rein, besonders das signifikante, clean gespielte Hauptriff, das immer wieder zwischen den verzerrten Klampfen hervorsticht, gibt dem Song einen schönen Drive. Als gelungen darf man auch „Dreamkeeper“ bezeichnen, ein mit einem gewissen Pathos versehenes und viel Melancholie atmendes Lied, für das Evergrey-Fronter Tom Englund genau der richtige Mann ist. Und damit letztlich dann auch Shredder-Freunde auf ihre Kosten kommen, stehen in Form von „Vengeance“ und „Terrified“ (mit Dave Ellefson bzw. Billy Sheehan am Bass) noch zwei sich zum Großteil in hohen Geschwindigkeitsregionen befindliche Instrumentals zu Buche, die das Ganze etwas auflockern.

„I Am The Fire“ zu bewerten, fällt nicht unbedingt leicht, da die Scheibe durch die sehr unterschiedlichen Songs etwas zerstückelt wirkt und dadurch Compilation-Charakter besitzt. So oder so gibt es neben einigen gelungenen leider auch ein paar eher überflüssige Nummern, an den Performances selbst (neben den Gitarren sind auch sämtliche Keyboards und der Großteil der Bassspuren von Gus G. selbst eingespielt) oder an der Produktion lässt sich hingegen nicht meckern. Schlussendlich kann man sich wohl auf eine Sieben einigen.

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