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Guns N' Roses: Chinese Democracy

Viel Bombast, aber wenige wirklich gute Songs / nach all den Jahren zu wenig
Wertung: 6/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 71:26
Release: 22.11.2008
Label: Geffen Records

Dass dieses Album überhaupt noch einmal herauskommen würde, damit hätte wohl kaum noch jemand gerechnet – am wenigsten wahrscheinlich der amerikanische Softdrinkhersteller Dr. Pepper, der jedem Amerikaner eines der Getränke versprach, sollte „Chinese Democracy“ tatsächlich noch in diesem Jahr erscheinen.

Doch nach endlosen leeren Versprechungen, vereinzelten Songschnipseln, die im Internet auftauchten und großspurigen Vorankündigungen hat Axl Rose es doch geschafft, die CD noch dieses Jahr zu veröffentlichen – die erste Guns N’ Roses-Studio-Langrille seit dem Cover-Album „The Spaghetti Incident“ (1993) und das erste Full-lenght-Album mit eigenen Songs seit 17 Jahren.

Doch wie klingt „Chinese Democracy“ nun? – Auf der einen Seite erwartet man nach einer so langen Zeit natürlich besonders starkes Songmaterial, auf der anderen Seite jedoch muss man realistisch betrachtet wohl auch mehr als skeptisch sein, da solche Charaktere wie Slash, Izzy Stradlin’ und Duff McKagan – die neben der Tatsache, dass sie schillernde Persönlichkeiten in der Rockgeschichte darstellen, auch wichtige Songschreiber auf den früheren Guns N’ Roses-Alben waren – schon lange nicht mehr Teil der Band sind.

Fairerweise muss man konstatieren, dass Axl sich sicherlich bemüht hat, den Millionen von erwartungsvollen Fans etwas Großes und Bombastisches zu bieten, indem er sich eine Menge Gastmusiker an Bord holte, u. a. die begnadeten Gitarristen Buckethead und Robin Finck, die selbst eine Zeitlang Teil von Guns N’ Roses waren, und indem er die Arrangements so pompös und gigantisch gestaltete wie nur möglich. Nur aber garantieren talentierte Musiker und ausufernde Arrangements noch lange keine guten Songs und ein durchweg gelungenes Album.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Ich habe bestimmt nichts gegen Bombast und bin ein großer Fan solcher Alben wie „A Night At The Opera“ von Blind Guardian oder Dimmu Borgirs „Death Cult Armageddon“, aber auf vorliegender CD kommt mir das häufig einfach nur überladen, nicht durchdacht strukturiert und affektiert vor. Bei Stücken wie „There Was A Time“ oder dem von John Lennons Ermordung handelnden „Catcher In The Rye“ wird man von zigtausend übereinander gelegten Stimmen und Spuren geradezu erschlagen und das Gefühl nicht los, dass hier mangelnde Qualität beim Songwriting kaschiert werden soll. Dabei sind die genannten Stücke gar nicht mal wirklich schlecht – aber wirklich gut sind sie eben auch nicht. Himmelhoch türmen sich Orchesterstimmen, Gitarrensoli und Synthesizer auf, doch letztlich läuft alles irgendwie an einem vorbei. Wenn ich daran denke, wie es mir dagegen bei „November Rain“ oder „Estranged“ eiskalt den Rücken herunterlief...

Ein ähnliches gilt für die zahlreichen elektronischen Spielereien, mit denen „Chinese Democracy“ zugekleistert wurde. Es ist okay, wenn man ein bisschen herumexperimentiert, aber auch hier muss man nüchtern feststellen: Zu viele Köche verderben den Brei.

Eine Band darf, wie erwähnt, gerne ihren Sound etwas verändern und ein wenig experimentieren, aber bitte nicht, indem sie geradezu sämtliche frühere Elemente, die sie auszeichnete, vollkommen außer Acht lässt.

Denn wo ist die rotzig-punkige Fuck-off-Attitüde geblieben, die ein Jahrhundert-Werk wie „Appetite For Destruction“ auszeichnete? Wo die Rock ’n’ Roll- und Blues-Elemente? Wo ist der Dreck geblieben, wo das bärenstarke Songwriting, das bei beiden „Use Your Illusion“-Alben – obwohl jeweils genau wie „Chinese Democracy“ über 70 Minuten lang – fast durch die Bank vorherrschte? Am Ende fehlen eben doch die genannten Persönlichkeiten Slash, Izzy und Duff, die einfach zu wichtig waren, als dass man jetzt auf sie verzichten und auch ohne sie ein Album unter dem Namen Guns N’ Roses herausbringen kann.

Und trotzdem würde ich im Vergleich zu den vielen Spöttern, die dieses Album bereits verlacht und verrissen haben, nicht sagen, dass hier alles schlecht ist. Axl ist beispielsweise immer noch verdammt gut bei Stimme, weiß sein Ausnahmeorgan immer noch sehr vielseitig klingen zu lassen; einige Gitarrensoli („Better“, „Sorry“, „This I Love“) sind wirklich sehr hörenswert und ein paar recht gelungene Stücke sind schon dabei, wie beispielsweise der Titeltrack, „Better“, ansatzweise „If The World“ und „Street Of Dreams“ (welches zumindest ein wenig an die früheren Bombast-Großtaten erinnert), „Sorry“ und das wirklich hübsche „This I Love“ (zwar pathetisch, aber nicht dennoch übel).

Eine Handvoll guter Songs allerdings ist nach einer so langen Wartezeit einfach zu wenig, zumal nichts dabei ist, von dem man sagen könnte, es sei überragend. Sicherlich wäre es mehr als naiv, erneut ein Album des Kalibers von „Appetite For Destruction“ oder „Use Your Illusion I & II“ zu erwarten, aber von einem an sich so talentierten Musiker wie Axl Rose muss einfach mehr kommen. Und wenn auf der Verpackung Guns N’ Roses steht muss die Band sich trotz allem nun einmal den Vergleich mit ihrer eigenen, glorreichen Vergangenheit gefallen lassen.

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