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Guitar Wolf: Deadrock

Die anarchistischste, wildeste und ungehobelste Punk-Formation auf diesem verdammten Planeten
Wertung: 7/10
Genre: Trash Punk
Spielzeit: 56:14
Release: 08.06.2007
Label: Okami Records

Egal ob man das Trio um Guitar Wolf nun hasst oder liebt: Wirklich ernst nehmen kann man die völlig durchgeknallten Trash-Punk Chaoten aus Tokio sowieso nicht... Bereits seit 1987 geistern die Herrschaften Seiji (Gitarre, Gesang), Toru (Schlagzeug) und Billy (Bass) durch die Annalen der zeitgenössischen Rockgeschichte und des (noch schlechteren) Geschmacks. Selbst in den beiden - geistig völlig degenerierten - Trashmovies “The Sore Losers - Schlechte Verlierer“ (USA/Japan 1997) und “Wild Zero“ (Japan 2000), konnten sich die drei einst verewigen und ihren bisherigen Kultstatus als „musikalische Trash-Anarchisten“ weiter festigen.

Selbst die Live-Shows von Guitar Wolf gleichen bis heute Anarcho-Orgien der radikalsten Art. So ist es für Bandkopf Seiji beispielsweise bis heute Pflicht, sich mindestens einmal pro Auftritt so richtig schön „auszukotzen“ und diverse Bühnenutensilien zu Kleinholz zu verarbeiten. Ja, ja... Rock n´ Roll geht manches Mal eben wirklich durch „Mark und Bein“.

Jahrelang solch einen exzessiven Lebensstil zu absolvieren, bleibt natürlich nicht ohne Spuren: So starb am 30.05.05 Bassist Billy gerade einmal 38-jährig an einem Herzinfarkt, kaum dass das wilde Trio von einer USA - Tour wieder in ihrem Heimatland Japan angekommen war.

Seit dieser Zeit ist der neue Mann am Bass Ug, aber an der brachial-derben Art von Guitar Wolf hat sich nach wie vor nichts geändert. Ein erstes Indiz hierfür ist vielleicht schon der Albumtitel des neusten Werkes der Nippon-Rocker, das auf den sehr „erdigen“ Namen “Dead Rock“ hört und niemand Geringerem als dem Ex- Bassisten Billy gewidmet ist.

Ich will jetzt nichts beschönigen, deswegen gleich vorweg: Es bleibt auch im Jahre 2007 nahezu unmöglich, eine „vernünftige“ CD-Kritik zu einem Guitar Wolf - Exponat zu verfassen. Warum? Werden die unwissenden jetzt bestimmt zu Recht fragen... Dem möchte ich an dieser Stelle natürlich gerne Abhilfe schaffen und die nötige Aufklärungsarbeit leisten: Normalerweise bemüht sich eine Band im Aufnahmestudio ja, immer das Beste aus ihrem dargebotenem Sound herauszuholen. Allerdings nicht so bei Guitar Wolf...

Seit ihren ersten Plattenaufnahmen Ende der 80er Jahre gilt bis heute einzig und allein die Devise: „Ohne übertriebene Verstärkerlautstärke - keine einzige Studioaufnahme von uns!“

Was uns die Künstler damit also sagen wollen, ist ganz einfach: Dass sie ohne eine völlig übersteuerte und kratzende Gesamtaufnahme nicht leben können. Dies bedeutet im Rückschluß auch, dass es pro Song eigentlich immer nur ein Take gibt und eine Studioaufnahme zur kompletten Live-Session verkommt, in der es auch keine separaten Instrument- und Gesangseinspielungen gibt!

Wer also schon dachte, Punk-Kapellen wie The Exploited oder The Dead Kennedys hätten zu ihrer Zeit unter miserablen Studiobedingungen gearbeitet, der wird bei den Freaks von Guitar Wolf schnell eines Besseren belehrt werden. Zu den Texten von “Dead Rock“ sei an dieser Stelle gesagt, dass sie zu 95% in englischer Sprache verfasst worden sind (die übrigen 5% machen irgendwelche japanischen Schreie und/oder Beschimpfungen aus). Allerdings sind die lyrischen Ergüsse auf Grund des schnoddrigen und keifenden „Gesangs“ von Seiji eh kaum zu verstehen... Zwar sind die Songtexte dafür allesamt (im wirklich schön aufgemachten) Booklet nachzulesen, entbehren sich aber nach wie vor jeglichem Sinn und sind insgesamt einfach nur als „schwachsinnig“ bis „bescheuert“ zu bezeichnen (Titel wie “Sex Napoleon“, “Wild Bikini Girl“ und “Asian Explosion“ sagen hier eigentlich schon alles).

Gut, und ob Bruce Springsteens letztendlich wirklich so begeistert sein dürfte über die... sagen wir mal „sehr spezielle“... Coverversion seines alten Hits “Fire“, möchte ich an dieser Stelle lieber mal nicht wissen. Aber trotzdem: Dieses „sinnfreie Instrumentengekloppe“ von Guitar Wolf hat auch was für sich: Bei dieser unglaublich infantilen Klangdarbietung kommt man nämlich - ob Ihr es jetzt glaubt oder nicht - verdammt gut drauf! Und genau DIES ist wohl bis heute auch das große Erfolgsgeheimnis dieser drei Wahnsinnigen... Sie führen sich auf wie die letzten Rotzgören in der schlimmsten Pubertätsphase, bringen es aber dennoch (oder gerade deswegen?) fertig, eine hammergeile Partystimmung zu zelebrieren, die einfach nicht in vernünftige Worte zu fassen ist!

Fazit: Die Musik ist so krank und nahezu ohne erkennbare Melodien und wirkliche Strukturen, dass sie den Urbegriff des „Punks“ wieder völlig über den Haufen wirft und eine ganz eigene (neue) Spezies an „Musik“ geschaffen hat. Guitar Wolf brechen auf “Dead Rock“ auch heute noch Urkräfte frei, die sonst keine Band auch nur freiwillig anrühren würde. Guitar Wolf sind einfach völlig daneben und grenzdebil, aber gerade deswegen wohl die anarchistischste, wildeste und ungehobelste Punk-Formation auf diesem verdammten Planeten! Wie schon zu Anfangs gesagt: Hasst sie oder liebt sie... Aber für den ultimativen Pogo gibt es schon seit Jahren nichts besseres als die Hirn- und Verstand-freie „Rockmusik“ dieser Chaoten! „Kyaaaaaa... Tokyo Zombie! Wanna bite!!!“

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