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Guideline: Traveler On Midway

Südstaaten-Flair aus Oberösterreich
Wertung: 7.5/10
Genre: Stoner Rock, Grunge
Spielzeit: 47:05
Release: 25.09.2010
Label: Eigenproduktion

Guideline bedienen so ein bisschen das Südstaaten-Klischee. Musikalisch irgendwie zwischen der Blütezeit des Grunge und deftigem Stoner Rock einzuordnen, spricht auch das in Sepiatönen gehaltene Cover des Erstlingswerks „Traveler On Midway“ für den eher erdigen Stil der Combo. Da fällt es schwer zu glauben, dass das Quintett aus Oberösterreich und nicht aus Arizona stammt.

Apropos erdig: Die Gitarren kommen die meiste Zeit derart trocken daher, dass es eine wahre Freude ist. Ausnahmsweise hat sich hier mit Kurtulus Cabuk auch ein Sänger eingefunden, der seinen Job beherrscht und weder mit dickem Akzent ins Mikro brummelt, noch genervt vor sich hinnäselt. Der Typ kann es einfach, da muss man gar nicht drüber diskutieren. Im Geiste verzeichnet man dafür schon einen dicken Pluspunkt.

Für ein Debütalbum ist der Sound dankenswert ausgeglichen, was vermutlich mit an der Unterstützung von Christoph Binder und Christoph Beyerlein liegt; Letzterer war immerhin schon als Produzent für J.B.O. oder Fiddler’s Green zuständig und hat auch bei „Traveler On Midway“ einen großartigen Job hingelegt. Die Gitarren schreddern, der Bass schnurrt und die Drums klingen nicht einmal pappig oder blechern. Bei alledem wird die Stimme glücklicherweise nicht allzusehr in den Hintergrund gemischt, sondern befindet sich etwa auf gleicher Ebene mit den Instrumenten, was dem Stoner-Sound noch entgegen kommt.

Direkt beim Einstieg „Mr. Jay“ wird klar: Hier wird zwar Grunge praktiziert, aber es geht lange nicht so dreckig zu, dass man denken könnte, man befände sich in Seattle Anfang der Neunziger. Der Refrain bildet direkt den ersten Ohrwurm der Scheibe und kann bereits nach zwei oder drei Durchläufen halbwegs mitgesungen werden. Es ist ein guter Einstieg, auch wenn die beiden folgenden Songs ein wenig an einem vorbeiplätschern.

„Into The Wild“ startet dann mit einer großartigen, leicht melancholischen Gitarrenspur und obwohl Guideline nicht ganz so düster zu Werke gehen wie beispielsweise ihre Kollegen von Burden, geht das Instrumental direkt unter die Haut. Der Song entwickelt sich zu einem Rocker erster Güte, der noch lange im Gedächtnis bleibt und Sänger Kurtulus in Höchstform zeigt.

„Animal“ erinnert ein bisschen an ältere Alice In Chains-Songs – erst knallen einem die Gitarren fast das Trommelfell weg, dann setzt gefährlich ruhiger Gesang ein, bevor das Ganze in einem wunderbaren Refrain seinen Höhepunkt findet - genial! „All Of This“ lässt bereits im Intro richtiges Südstaaten-Feeling aufkommen, die tief gestimmten Gitarren beschwören Bilder von endlosen Highways und vergammelten Fünfziger Jahre-Tankstellen herauf. Allein dafür verdient es der Song, als Anspieltipp aufgelistet zu werden, wenn nicht direkt danach „Painting Pictures“ auf der Tracklist stünde, dessen Refrain seinem Vorgänger komplett die Show schielt. Es ist ein toller Song, der bestimmt auch live super funktioniert.

Gegen Ende gibt es mit „Driven Nails“ nochmal ein richtiges Schmankerl mit im Refrain übereinander gelegten Vocals, die dem Ganzen einen leicht mystisch-verzweifelten Touch geben und noch nach dem Ende der Platte tagelang im Gedächtnis bleiben. Es ist also zweifelsfrei bewiesen: Bands müssen nicht zwangsweise aus den Staaten kommen, um Südstaaten-Flair zu verbreiten. Guideline schaffen das auf ihrem Erstling auch so, wunderbare Stoner-Grunge-Nummern zu fabrizieren und uns damit zumindest im Ansatz die amerikanische Prärie spüren zu lassen.

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