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GrooVenom: Pink Lion

Der Mittelfinger Richtung Szenepolizei
Wertung: 8/10
Genre: Trancecore, Dark Electro, Metalcore, Deathcore
Spielzeit: 70:15
Release: 08.04.2016
Label: Noizgate Records

Das Bielefelder Label Noizgate Records ist ja nun nicht unbedingt dafür bekannt, sich um Genregrenzen oder „true“ Bands zu scheren. Es wundert also nicht, dass ausgerechnet GrooVenom, die mit ihrer neuen Scheibe „Pink Lion“ bereits seit Wochen auf Facebook ordentlich Wind machen und so manchen „Metalfan“ in Richtung Hirnaneurysma geführt haben dürften, sich bei den Noizgatern eingenistet haben, um das genannte, immerhin schon zweite Album herauszubringen. Die Mischung macht’s möglich: Death- und Metalcore paart sich mit Dark-Electro-Beats und teils etwas poppigen Anleihen – Schubladendenken ist hier passé. Weniger schön: Der Sechser wird auch schon mal von bekennenden Metalhörern beschimpft – Menschen also, die eigentlich zu mehr Toleranz neigen sollten, gehören sie doch selbst einer Minderheit an. Vielleicht herrscht aber auch nur die Angst vor, dass durch den Pop-Appeal der Dresdner mehr Menschen zum Metal finden könnten und sich die gut gepflegte Außenseiterstellung somit in Wohlgefallen auflösen könnte.

Sei es wie es ist, als scheuklappenfreier Mensch muss man eingestehen, dass das „Pink Lion“-Cover mit seinen Pink- und Lilatönen vor schwarzem Hintergrund ziemlich geil aussieht, dazu der weiße Schriftzug – Zinnober Design haben da saugute Arbeit geleistet. Und auch was die musikalischen Fähigkeiten anbelangt, hat man bei GrooVenom nur wenig Raum für Meckerei: Ausgestattet mit zwei Gitarren, einem Bass und Drums wird die Rhythmus- und Groovefraktion mehr als ordentlich bedient, DJ esuz C. sorgt für die nötige Tanzbarkeit und Sänger Mr. Sanz überrascht komplett – nicht nur, dass der Mann ziemlich derbe Growls vom Stapel lässt, auch der Klargesang ist angenehm, weich und warm tönt die Stimme aus den Boxen und kommt ohne das seichte Gejammer aus, das viele Trancecore-Sänger sich bei den klaren Passagen angeeignet haben.

Einen weit sichtbaren Mittelfinger an die „Szenepolizisten“ platzieren GrooVenom gleich auf Platz zwei der Tracklist mit dem selbstironischen „Traitors To The Scene“, das übrigens gegen Ende der Platte auch noch als „Candlelight-Edit“ aufwartet und in dieser Version sogar noch mehr zu gefallen weiß, weil das Augenzwinkern hier noch eine Spur besser herauskommt. Dass das Sextett sich nicht so bierernst nimmt wie andere Metalbands zeigt einmal mehr „New Wave Of Mainstream“, das sicherlich einige Gemüter erhitzen wird, wird hier doch mit einer Kombination aus Geschrei und schnellem Sprechgesang gearbeitet – Crossover eben.

Besonders herausstellen muss man hier den Titeltrack, der enorm viel Groove und Druck mitbringt, außerdem „Metal King“, das textlich ordentlich mit der Metalszene abrechnet und gerade im Refrain todesmetallische Growls mit Synthiegeschwurbel mischt. Bitterböse marschiert „Generation Porn“ zu einem klar gesungenen Refrain durch, der sich aus den Growls und Synthies erhebt, bevor zu einem fast Neunziger-lastigen Electrobeat getanzt werden kann. Gemeinsam mit Bassist Jason Melidonie überraschen GrooVenom dann mit dem Instrumental „Apartment 69“, das zwar mitten im Album etwas deplatziert wirkt und wahrscheinlich als Intro oder Outro mehr getaugt hätte, für sich selbst genommen jedoch wirklich schön anzuhören ist und für ein bisschen Entspannung sorgt.

Wir schreiben das Jahr 2016. Die Metalszene ist so vielseitig wie nie, unzählige neue Subgenres wachsen monatlich wie Pilze aus dem Boden. Platz für Scheuklappen ist hier eigentlich schon lange nicht mehr. Ob „New Wave Of Mainstream“ sich etablieren wird, wird sich zeigen. „Pink Lion“ ist aber in jedem Fall ein kraftvolles Album geworden, mit dem der Sechser sicherlich noch einigen Leuten vor den Kopf stoßen wird. Weiter so!

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