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Grobschnitt: Die Grobschnitt Story 1

Unterhaltsame und informative Doppel-CD mit fast 160 Minuten Spielzeit
keine Wertung
Genre: Progressive Rock / Krautrock
Spielzeit: 155:51
Release: 30.04.2010
Label: MIG Music

Klingelt bei dem Namen Grobschnitt bei jemandem was? In den seligen Siebziger Jahren eine einigermaßen große Nummer, dürfte die Band heutzutage wohl noch eher wenigen bekannt sein – dabei waren die Hagener zweifellos eine der innovativsten und interessantesten Prog-Rock/Krautrock-Combos überhaupt. Musikalisch grasten sie so ziemlich jede Spielart ab, ohne dabei ihren Charakter zu verlieren, und darüber hinaus lieferten sie bei Konzerten stets eine Show der ganz eigenen Art ab. Nicht nur, dass die Gigs selten weniger als vier Stunden dauerten, sondern es wurde neben der musikalischen Darbietung auch noch jede Menge alternative Unterhaltung für die Zuschauer geboten: theatralische Einlagen, Klamauk, Interaktion mit dem Publikum, und auch die Lichtshow spielte eine sehr wichtige Rolle. Man hatte damals sogar einen Mann, der als volles Bandmitglied zählte, obwohl er – zumindest vorläufig – lediglich für die Lichttechnik zuständig war.

Mit solcherlei spektakulären Einlagen, die Grobschnitt in die Nähe von Megaseller-Acts wie Pink Floyd rückten – zumindest was Theatralik und Licht angeht –, sowie musikalisch wegweisenden Alben wie „Rockpommel’s Land“, das auch im Ausland ziemlich erfolgreich wurde, oder „Jumbo“, das sowohl in deutscher, als auch in englischer Sprache erschien, konnte sich die Band in der damals blühenden deutschen Prog-/Krautrock-Szene etablieren, dürfte allerdings inzwischen eben nur noch Insidern ein Begriff sein.

Damit auch Menschen, die sich für die damalige Musik interessieren, einen guten Einstieg in das Schaffen dieser wichtigen und relevanten Combo bekommen, wurde nun die „Grobschnitt Story“ noch einmal neu aufgelegt – beide Teile erschienen ursprünglich bereits 1994 beziehungsweise 1998, als die Band bereits seit fünf respektive neun Jahren aufgelöst war, 2006 hat sie sich übrigens in stark veränderter Besetzung wieder formiert.

Bei diesen beiden Doppelalben handelt es sich nicht um ein bloßes Best-of, die Bezeichnung „Story“ hat durchaus ihre Berechtigung. Hier wurden nicht nur einfach ein paar große Hits auf CDs gepresst, vielmehr ist das Ganze ein bunter Mix aus Studio- und Liveaufnahmen, Interview-Schnipseln und Anekdoten. Bei Grobschnitt würde ein bloßes Aneinanderreihen bekannter Songs auch wenig Sinn ergeben, da die größte Stärke dieser Band nun einmal auf der Bühne liegt, sprich: wer diese Band kennenlernen, sich mit ihr beschäftigen will, sollte sich zunächst einmal mit ihrem Livematerial auseinandersetzen.

Davon ist bereits im ersten Story-Paket jede Menge vorhanden, das Herzstück bildet hierbei sicherlich „Solar Music“, das wohl berühmteste Stück von Grobschnitt überhaupt, in der Version auf „Die Grobschnitt Story“ 37 Minuten lang, doch konnte es auch gerne über eine Stunde lang dauern. Beschwerten sich früher bei Konzerten Anwohner über den stundenlangen Lärm, kam es sogar vor, dass man der Polizei sagte, man würde nur noch einen Song spielen – nur war dies dann „Solar Music“ in einer Ein-Stunden-Version.

Ein weiterer großartiger Longtrack ist zweifelsohne auch die „Bielefelder Sinfonie“, die durch einen grandiosen Aufbau besticht und bei dem in dieser Fassung auch der berühmt-berüchtigte Grobschnitt-Humor zutage kommt, wenn es heißt: „Alle Arme nach oben wie beim Skisprung, we like the skisprung“.

Besonders amüsant wird es allerdings bei „Die Panne von Osnabrück“: Ein Effektgerät fiel plötzlich aus und wollte nicht mehr, doch Improvisationstalente, die sämtliche Bandmitglieder sind, machen sie kurzerhand einen köstlichen Sketch aus der misslichen Lage, es quatschen letztlich alle durcheinander und der Zuhörer kriegt sich kaum noch ein vor Lachen. Auch bei „Der Zauberer“ und der „Sahara Show“ erweisen sich die Jungs als unterhaltende Erzähler abgefahrener Geschichten. Mit ruhigen Liedern wie „Sweetwater“ und „Raintime Session“ hingegen zeigt die Gruppe ihre sanftere Seite und stellt somit einmal mehr ihre Vielfältigkeit unter Beweis.

Die Ansage zu Beginn der zweiten CD zu „Space Rider“ dürfte die Grobschnitt-Philosophie, alles für die Fans zu geben, jedoch auf den Punkt bringen: „Es ist ein bisschen später geworden. Andere Bands würden jetzt aufhören, doch wir werden erst richtig warm!“

Ganz klar kann es für dieses fette Doppelpack (beide Silberlinge dauern jeweils knapp 80 Minuten) genau wie für Teil 2 nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben, zumal das Teil mit einem schönen Booklet mit Informationen zu den enthaltenen Tracks und zur Bandgeschichte aufwartet. Es mag einigen großkotzig erscheinen, wenn es im Text heißt „Sie waren die Größten!“, und Vergleiche mit Grateful Dead, Yes, Genesis und den Mothers Of Invention gezogen werden, doch diese Vergleiche sind halt auch nicht aus der Luft gegriffen und haben ihre Berechtigung. Zugreifen!

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Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

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