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Grizzly: Summer

Wer Kurzweil sucht, ist hier richtig
Wertung: 6,5/10
Genre: Pop-Punk
Spielzeit: 18:48
Release: 03.03.2017
Label: Department Musik

Grizzly kommen aus der Fächerstadt Karlsruhe, klingen aber ganz und gar amerikanisch. Das kann man erst mal wertfrei stehen lassen, wenn man nun die Genres Pop-Punk und Emo dazu addiert, hat sicherlich der eine oder andere schon ein klangliches Bild im Kopf, das er beim Hören der neuen EP „Summer“ erwarten wird.

Gleich mit zwei Sängern kann der Sechser aufwarten, wobei sich außerdem die beiden Gitarristen Tom und Florencio noch die Backing Vocals teilen – es sei an dieser Stelle zuerst Shouter Kevin erwähnt, der bereits im Opener ordentlich Dampf gibt und auch im Verlauf seinen „cleanen“ Kollegen Zig öfter mal alt aussehen lässt; dazu aber gleich mehr.

Der Opener „History“ schlägt direkt mal in eine Kerbe, die man beim Prädikat „Pop-Punk“ so nicht erwartet hätte: Zu Beginn ertönen die obligatorischen „Ohoho“-Chöre, man möchte eigentlich schon ein bisschen gelangweilt nach vorne skippen, dann wird der Shouter auf den Hörer losgelassen und startet einen ordentlichen Kopf-Moshpit. Auch Zigs cleaner Gesang passt hier gut, die deftigen Gitarren und Gangshouts geben einen schönen Kontrapunkt – ein feiner Start, der eigentlich schon mal alles vereint, was man sich von der EP wünschen kann.

Ganz so euphorisch geht es leider nicht unbedingt weiter, gerade „1 Up“, obwohl zwischendurch angenehm an die Früh-2000er erinnernd, kommt eher als belanglose mit „Ohohoh“s gefüllter Track daher, da nützen auch der dynamische Beat und Kevins wie immer wunderbares Geschrei nicht viel. Ein kleines Experiment wagen Grizzly dann beim vorletzten Track „Home“, bei dem in den Strophen hauptsächlich mit Sprechgesang gearbeitet wird; in der Kombination mit Klargesang, Geschrei und in den Hintergrund gemischten Chören gibt das fast schon ein bisschen Post-Hardcore-Feeling und steht der Band gar nicht schlecht zu Gesicht – aber auch hier gestaltet sich der recht nasale Klargesang als etwas gewöhnungsbedürftig.

Final hat es der Crossover-lastige Song „Tomahawk“ auf die Trackliste geschafft, der im ersten Augenblick schon mit ordentlichen Gitarren überzeugen kann, dann ein bisschen Hardcore-mäßig ins Galoppieren gerät und durch deftige Shouts aufgeladen wird. Zig grätscht gar nicht mal schlecht mit Klargesang dazwischen, leider drosseln die Herrschaften hier auch ein bisschen das Gesamttempo, einen Überraschungsmoment kreiern Grizzly dann aber doch noch mit einer aggressiven Rap-Einlage, die ziemlich an die frühen 4Lyn-Stücke erinnert und noch einiges an Punkten einfahren kann.

Im oberen Drittel ansiedeln kann man Grizzly bewertungstechnisch leider (noch) nicht. Hier sammelt sich guter bis sehr guter Pop-Punk, angereichert mit erfreulich frischen Shouts und kleineren Experimenten, die allesamt gut zünden können. Jetzt kommt der Teil, der vermutlich Geschmackssache ist: Zu nasal, zu wenig motiviert kommt der Klargesang an manchen Stellen durch die Boxen, nimmt auch immer mal wieder das Tempo aus den Songs, obwohl gerade die härteren Stellen Grizzly sehr gut zu Gesicht stehen. Dennoch: „Summer“ ist das, was man beim Anblick des Covers (innendrin unter der CD übrigens: ein Bild einer Pizza. Das gibt nochmal einen halben Punkt im Geiste.) erwarten konnte: oftmals tanzbarer Pop-Punk, der für Kurzweil sorgt.

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