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Griftegård: Solemn Sacred Severe

Die neue Doom-Metal-Hoffnung
Wertung: 8.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 46:21
Release: 11.09.2009
Label: Ván Records

Doom ist immer so eine Sache für sich. Der eine mag diese Musikrichtung sterbenslangweilig finden, weil es nun mal offenkundig ziemlich langsam zur Sache geht, der andere wiederum schätzt die Intensität und die Feierlichkeit dieses Genres.

Ich denke, es kommt immer darauf an, wie es gemacht ist. Wer meinen Konzertbericht vom Juli gelesen hat, als die vorliegende Band Griftegård für The Devil’s Blood in Hamburg eröffnete, wird sich vielleicht erinnern, dass mir die Schweden selbst für Doom-Verhältnisse schon etwas zu langsam erschienen – allerdings vornehmlich aus dem Grund, da ich nicht auf zähflüssigen, schleppenden Doom eingestellt war. Doom ist und bleibt nun mal grundsätzlich eine Musikrichtung, auf die man sich einlassen, in die man sich fallen lassen muss. Und das geht bei mir zu Hause definitiv besser als auf einem Konzert. Denn es steht auf jeden Fall fest, dass Griftegård, die nach der EP „Psalm Bok“ mit „Solemn Sacred Severe“ ihr erstes Full-Length-Album vorlegen, eine ganz große Hoffnung im Doombereich darstellen. Der Titel des Albums ist Programm: Feierlich, heilig, schwer.

Eröffnet wird die Scheibe mit dem Neunminüter „Charles Taze Russell“ (der Mann, von dem dieser Song handelt, war ein amerikanischer Bibelforscher, der im 19. Jahrhundert geboren wurde und der letztlich Mitschuld am Entstehen der Zeugen Jehovas war), und quasi von der ersten Sekunde wird hier wirklich Doom as fuck zelebriert. Nicht nur das typisch schwermütige Riffing fällt auf, das während des fortlaufenden Songs sehr schön harmonisch ausgearbeitet wurde, sondern vor allem die unglaublich emotionale Stimme des Frontmannes Thomas Eriksson, der sich auch hinter einem Robert Lowe von Candlemass beziehungsweise Solitude Aeturnus, deren Einflüsse im Übrigen selbstredend nicht zu überhören sind, nicht zu verstecken braucht. Erhabene Chöre im Hintergrund runden dieses zwar zähe, dennoch regelrecht eingängige Stück Musik ab. Es sei an dieser Stelle noch hinzugefügt, dass sich Griftegård keineswegs als religiöse Band sehen (wie man gerade anhand des Titels des ersten Stückes und der Kanzel, von der Eriksson während der Live-Gigs „predigt“, vermuten könnte), sondern dass sie dieses Thema lediglich interessiert; Gitarrist und Texter Ola Blomkvist sieht sich vielmehr als „Suchender“.

Die zweite Nummer des Albums ist mit fast zwölf Minuten gleichzeitig die längste: Auch „Punishment & Ordeal“ bietet Epic-Doom-Riffing vom feinsten und glänzt zudem mit einem grandiosen Gitarrensolo in der ersten Hälfte und einem absolut ergreifenden ruhigen Part in der zweiten Hälfte des Stücks, bei dem erst so richtig deutlich wird, welch toller Sänger Eriksson ist.

Bei „I Refuse These Ashes“, dem dritten Streich, sticht wieder das sehr schön ausgearbeitete harmonisch-melodische Riffing hervor und das folgende „Noah’s Hand“ ist ein sehr feierlicher Track, der mit Glocken, die zu einer Messe zu rufen scheinen, beginnt, und mit einer Kirchenorgelmelodie aufwartet, zu der entsprechende mehrstimmige chorale Gesänge erklingen. Sehr beeindruckend, sehr majestätisch und eine gute Abwechslung zwischen den schweren Gitarrenriffs. Obwohl dieses Stück sich daher natürlich stark von den anderen Songs unterscheidet, passt es aufgrund des dennoch traurigen und erhabenen Charakters sehr gut ins Gesamtbild.

An dieses Intermezzo schließen sich noch „The Mire“ und „Drunk With Wormwood“ an, wobei besonders erstgenanntes wieder ein Doom-Song von allerhöchster Qualität ist, der sich zum Ende hin einem Verzweiflungsausbruch gleich mehr und mehr steigert, inklusive ergreifenden und verloren anmutenden Gesangs. Der letzte Song des Albums hingegen beginnt mit geradezu gebrochen klingenden Vocals, welche alleine von Pianoklängen begleitet werden, um sich erst ab der Mitte in eine Doom-Walze zu verwandeln.

Das Fazit ist klar: Griftegård sind bereits mit ihrem Debütalbum auf dem besten Wege, sich neben Bands wie den genannten Candlemass und Solitude Aeturnus, den Iren Mourning Beloveth oder auch ihren Landsmännern von Isole zu einer festen Größe im epischen Doom-Metal-Sektor zu etablieren. Die Riffs repräsentieren wirklich vorzüglichen Doom und sind sauber ausgearbeitet, Erikssons emotionaler, bewegender Gesang passt bestens zu der düsteren, schleppenden Musik und die Produktion ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Weiter so!

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