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Greg Graffin: Millport

Eine Reise hin zu den Ursprüngen
Wertung: 7/10
Genre: Country/Folk/Songwriter
Spielzeit: 31:48
Release: 10.03.2017
Label: Anti-/Indigo

Wenn sich Greg Graffin mit Musikern von Social Distortation vereinigt, könnte man glattweg auf die Idee kommen, dass mit „Millport“ ein Album der Punk-Rock-Extraklasse geboren ist. Aber weit gefehlt, auch auf seinem dritten Soloalbum geht der Bad Religion-Frontmann eigene musikalische Pfade, die sich sehr weit von den von der Band gewohnten Klängen entfernen.

Tatsächlich hat man anfangs das Gefühl, man müsste seine Festplatte kräftig löschen und alles an Erinnerungen von sich schütteln, um den Songs auf „Millport“ folgen zu können. Graffin zeigt bei den dargebrachten Liedern nicht nur seine Liebe zu traditionellen Instrumenten wie Fiddle und Banjo, sondern zeigt vor allem seine Hingabe an Country und American Folk. Dies geschieht allerdings auf eine sanfte, stille und sehr zurückgenommene Art und Weise, die immer den melodischen Part in den Vordergrund schiebt.

Schon der Opener „Backroads On My Mind“ kommt eher als ruhige Country-Nummer um die Ecke, die so gar nichts mit den oft im Genre vorhandenen rauen und Whisky-geschwängerten Tracks zu tun hat. Dabei muss man nicht zwangsläufig Country-Fan sein, da Graffin durch die Eingängigkeit der Songs und seiner eher als sanft zu bezeichnende Stimme geschickt eine Brücke zu seinen Stammhörern baut, was wiederum wirkliche Liebhaber der Sparte verstören könnte. Im Falle von „Lincoln’s Funeral Trip“, welches mit etwas mehr Kraft angeboten wird, schwingt gar ein Hauch von Social Distortation mit, was angesichts der musikalischen Wurzeln der Band ebenfalls nicht wirklich verwundert.

Mit dem titelgebenden Song geht der promovierte Evolutionsbiologe in eine beschwingtere Richtung, die sich in dem Saloon-tauglichen „Echo On The Hill“ weiter verstärkt, ohne dabei wild galoppierend neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen zu wollen. Zu „Sawmill“ können dann endgültig die Tanzschuhe ausgepackt werden und sich zum Line Dance formatiert werden. Ganz anders hingegen präsentiert sich „Time Of Need“, welches mit Gospel-Klängen unterlegt wird, die allerdings eher gediegen denn tranceartig trompetend gesetzt werden und einen gelungenen Gegenpart zum textlichen Inhalt bieten.

Die Reise hin zu den musikalischen und familiären Wurzeln, wird mit dem als balladesk zu beschreibenden „Waxwing“ abgeschlossen, welches nicht nur mit seiner intensiven Wirkung überzeugt, sondern dem Album noch einen Touch hin zur Hymnenhaftigkeit verschafft und es abrundet. Insgesamt kann man den Abstecher Greg Graffins hin zu seinen Ursprüngen als gelungen bezeichnen, das Ganze überzeugt mit guten Lyrics und einer ausgewogenen Instrumentierung. Allerdings wünscht man sich stellenweise etwas mehr Kraft und Drive in den Songs, ebenso vermisst man hin und wieder eine markantere Gesangsleistung, die den Titeln eine stärkere Intensität einhauchen könnte. So bleibt „Millport“ zwar ein gutes Album, da aber fast alle Songs sehr zurückgenommen agieren, bleibt es eben auch eine Scheibe für ruhige Stunden.

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