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Great Escapes: Okay

Diese Platte ist mehr als "okay"
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock, Emo, Punkrock
Spielzeit: 30:22
Release: 19.03.2021
Label: Midsummer Records

Ein Album „Okay“ zu nennen, kann man sich heutzutage fast nicht trauen. Nur „okay“ zu sein reicht vorne und hinten nicht, durch die sozialen Medien ist der ständige Vergleich unausweichlich präsent, niemand gibt sich damit zufrieden irgendetwas anderes zu sein als perfekt und hochinteressant. Genau da setzen Great Escapes an, deren Sänger Frederik sich von einem Aufkleber in der Fußgängerzone mit dem Text „Expect great things every day“ derartig provoziert fühlte, dass die Idee zur Platte mehr oder weniger geboren wurde (übrigens spricht der Mann mir aus der Seele! Danke!).

Nun stehen wir also hier, sieben Jahre nach Gründung von Great Escapes, nach einem Debütalbum namens „To My Ruin I‘ll Go Gladly“ und der Nachfolge-EP „Shivers And Shipwrecks“ und genießen die neue Scheibe „Okay“ mit ihren zehn Tracks, unter denen sogar eine Collabo mit City Light Thief-Fronter Benjamin Mirtschin vertreten ist – doch dazu gleich mehr.

An den Gesang muss man sich derweil erst mal gewöhnen, da mag man sich beim Opener „Tyler“ noch etwas irritiert zeigen über die sehr unbearbeitet wirkenden Vocals, schon nach wenigen Tracks hat man sich aber reingehört und vor allem -gefühlt in die Welt von Great Escapes und kann die Platte genießen: Da wäre das düster-depressive „Autumns And Atoms“, bei dem die Zeile „while hoping for the best/and coping with the rest“ einem direkt aus der Seele spricht – „genauso machen wir es doch alle, niemand hat die Gebrauchsanweisung für das Leben“, möchte man schreien und Frederik in seinem Text unterstützen. Dass Great Escapes auch auf Deutsch funktionieren, beweist das etwas ungeschliffenere „Photophobie“ mit seinem Mitsing-Refrain; „You Are Welcome“ bilden dann die erwähnte Zusammenarbeit mit Benjamin von den großartigen und in diesem Hause viel gehörten City Light Thief, der mit seiner durchaus nöligen Stimme einen passenden Kontrapunkt zu den gesprochenen Textpassagen bildet und dem Track so noch einiges an Dynamik mitgibt.

Jetzt mag man angesichts der genannten Tracks denken, dass Great Escapes vor allem in der zweiten Albumhälfte punkten, aber hier haben wir das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt; wo der Opener „Tyler“ noch etwas unbeholfen anmuten mag, bündelt „Ashes“ dann bereits die gesamte Energie, prescht schwungvoll durch die Boxen und hat trotzdem genug Platz für fast grungig zu nennende Gitarrenspuren und einen großartigen Refrain.

Great Escapes haben hier eine Platte vorgelegt, die mehr als nur „okay“ ist. Man mag hier nicht den variabelsten Sänger vorstellen, dafür wird jede Zeile mit Herzblut und Ehrlichkeit vorgetragen, was nicht nur gut klingt, sondern auch Sympathiepunkte bringt. Überhaupt findet man hier eine Band, die sich nicht vorrangig um die Meinung anderer zu kümmern scheint, sondern vielmehr das tut, was sie für richtig hält – und so eben doch zu den Gewinnern zählt.

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