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Graveyard: Innocence And Decadence

Bisher bestes Album der Schweden
Wertung: 9/10
Genre: Hard-/Psychedelic-/Blues Rock
Spielzeit: 42:40
Release: 25.09.2015
Label: Nuclear Blast

Wenn über Bands der sogenannten „Retrowelle“ gesprochen wird, bilden Graveyard stets mit die Speerspitze. Kein Wunder, schaffen es die Schweden doch, sich mit warmem Vintagesound an Psychedelic-, Hard-Rock- und Blues-Helden vergangener Tage zu orientieren, dabei aber trotzdem frisch und unverbraucht zu klingen. Die bisherigen drei Alben ernteten durch die Bank positives Feedback und wer die Band schon einmal live gesehen hat, weiß, dass sie auf der Bühne fast noch besser sind als auf Platte.

Es ist ja durchaus legitim, wenn man mit dem Sechziger- und Siebziger-beeinflussten Sound, wie ihn derzeit so viele Kapellen an den Tag legen, nichts anfangen kann, und meint, dass diese Combos zu sehr in der Vergangenheit leben würden, diese aber alle als langweilig, schnarchnasig oder altbacken zu bezeichnen, wird der Sache schlicht nicht gerecht. Wenn man sich zu Gemüte führt, mit welcher Energie das Quartett schon zu Anfang der vorliegenden vierten Platte zur Sache geht, wird deutlich, dass alle Kritiker, die auf jene Weise argumentieren, einfach keine Ahnung haben.

Der Opener „Magnetic Shunk“ und das folgende „The Apple And The Tree“ grooven so fürstlich, dass es eine wahre Pracht ist – allein mit welcher Lockerheit und völlig unaufgesetzter handwerklicher Finesse Drummer Axel Sjöberg über sein Kit wirbelt, ist ein einziger Genuss. Bestes Beispiel: Wie unglaublich geil er in der zweiten Hälfte von „Magnetic Shunk“ für einen beinahe unauffälligen Tempoanzug sorgt. Hinzu kommen formidable Basslines von Rückkehrer Truls Mörck, ursprünglich mal Sänger und Gitarrist der Truppe, nun nach dem Abgang von Rikard Edlund im letzten Jahr verantwortlich für den Tieftöner-Posten. Die herrlich drahtigen Gitarren und das rotzige Organ von Joakim Nilsson tun ihr Übriges für einen tollen Start des Albums – hier dürften gleich mal zwei neue Liveklassiker vorliegen.

Bei „Exit 97“ wird das Tempo anschließend ein wenig gedrosselt und eine melancholische Note macht sich breit, doch ohne dass es in irgendeiner Art seicht werden würde. Die Attitüde geht Graveyard nie verloren und Kleinigkeiten wie ein dezenter Synthieteppich im Chorus und eine wummernde Orgel in der Strophe zeigen, dass die Band wert auf Details legt. Es ist schon eine Kunst, wie die Skandinavier Anspruch und Lässigkeit vereinen. Alles hört sich wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt an, auch die hohen Töne von Nilsson im wieder flotteren, mit knapp über zwei Minuten Dauer sehr kurzen „Never Theirs To Sell“, die gar  an Led Zeppelin-Legende Robert Plant erinnern. Auch hier offenbaren sich kleine Details wie ein simples Händeklatschen zum Beat im Refrain, die beweisen, dass die Band voller Einfälle steckt; selbst auf solch vermeintlich unwesentlichen Dinge muss man ja erst mal kommen.  

Noch weiter treiben die Jungs es bei „Too Much Is Not Enough“, einer richtig klassischen Blues-Ballade mit wunderbar smoothem Schlagzeug, leichter Jazzorgel und grandiosen Gitarrenlicks. Sogar mit weiblichen Backing Vocals im Stile eines Gospelchors wartet die Truppe hier auf und wenn man das erst einmal verarbeitet hat, muss man feststellen, dass sich dieses Stilmittel gut macht, zumal auch hier mit der Dosierung nicht übertrieben wurde.

Ganz anders dann wieder „From A Hole In The Wall“, bei dem Truls Mörck den Gesang übernommen hat – das Stück fetzt mächtig, bis eine kurze Verschnaufpause in einen bedrohlicheren Part überleitet, bei dem (und das ist kein Scheiß!) die Schweden tatsächlich Blastbeats einsetzen. Und das Beste: Es wirkt kein Stück deplatziert oder affektiert, sondern fügt sich gut ein. Muss man wohl selbst gehört haben, aber es sei betont, dass dies tatsächlich funktioniert.

Und da es schließlich nie schadet, mehrere gute Sänger in seinen Reihen zu haben, darf sich auch Zweitgitarrist Jonatan Larocca-Ramm bei „Far Too Close“ am Mikro versuchen; und schlägt sich mit zerbrechlicher Stimme für diesen Track sehr passabel, wobei die abschließende, noch ruhigere Ballade „Stay For A Song“ noch intensiver und verletzlicher herüberkommt, wird die Instrumentierung mittels Gitarre, atmosphärischen Keyboardtupfern und Gesang bewusst spartanisch gehalten.

Keine Frage, dass „Innocence And Decadence“ somit das bisher vielseitigste, überraschendste und schlicht beste Album von Graveyard geworden ist. Natürlich steht Groove immer noch an erster Stelle – weswegen die ebenfalls fantastischen Kompositionen „Can’t Walk Out“ (mörderischer Drive und tolle Gitarreneffekte) und „Hard Headed“ (geiles, mitreißend-eingängiges, dabei aber im Prinzip völlig primitives Mainriff) hier auch nicht völlig unerwähnt bleiben sollen. Dennoch stehen hier problemlos unterschiedlichste Tracks nebeneinander und dass zwischendurch auch mal andere Mitglieder singen als Joakim Nilsson tut der Abwechslung zusätzlich gut. Die Spielfreude ist quasi greifbar, was selbstverständlich auch an der absolut überragenden, makellosen Produktion liegt – wie fast immer bei dieser Maßnahme war es offensichtlich eine gute Idee, die Gruppe gemeinsam in einem Raum performen zu lassen.

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