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Graveyard: Graveyard

Retro kann auch 2011 noch hip sein kann
Wertung: 8/10
Genre: Rock/ Bluesrock/ Psychedelic Rock
Spielzeit: 39:27
Release: 19.08.2011
Label: Nuclear Blast

Hätte man diese Entwicklung vorhersehen können? Vielleicht. Zumindest im Pott grasen seit Jahren junge Fans auf jedem Flohmarkt jede Schallplattenkiste nach alten Psychedelic-Scheiben ab, stolz darauf, wieder ein altes Scheibchen im schlechten Zustand für schmales Geld ergattert zu haben – vielleicht ist das ein erster Hinweis, dass die Siebziger-Musik wieder ein wenig im Vormarsch ist.

Ein Jahr nach ihrer Gründung haben die Schweden Graveyard ihr selbst betiteltes Debüt veröffentlicht, vier Jahre später konnten sie mit dem zweiten Album „Hisingen Blues“ den noch frischen Deal bei Nuclear Blast auch gleich fett versilbern, denn nicht nur die Vinyledition war schon vor der Pressung ausverkauft, auch die anschließende Tour fand fast ausschließlich vor randvollen Clubs statt; generell scheinen Bands wie The Parlor Mob oder Rival Sons im Aufwind zu sein und Fans würden für eine Led Zeppelin-Show Haus und Hof verpfänden - und die Frau gleich mit.

Nun kommt also das alte Album nochmals neu auf den Markt, was bei dem zurückliegenden Erfolg aus Sicht des Labels und den Marktgesetzen durchaus logisch erscheint. An der CD wurde nichts geändert, weder der Sound irgendwie "verschlimmbessert" oder ein paar Tracks aus irgendeiner Jam-Session hinzugefügt; lediglich das Cover-Artwork ist bei diesem Re-Release abgeändert worden, wobei das „Hare Krishna“-Feeling durchaus beibehalten wurde, allerdings ohne den LSD-Farbenflash.

„Lost In Confusion“ hat sich in den letzten Jahren zu einem richtigen Ohrwurm entwickeln können und auch die alten Reminiszenzen gelten natürlich noch immer: Led Zeppelin und Jethro Tull, die Doors klingen natürlich auch durch und Frontmann Joakim Nilsson könnte gesanglich der uneheliche Sohn von Glenn Danzig sein – immer wieder nacheifernd, aber nicht kopierend.

Im Kern gelten die Aussagen von unserem damaligen Kollegen Oliver zum Debüt-Review noch immer: „groovende Bassläufe“, „viel Lebenslust“, Klang der Siebziger“ oder auch „Musik, bei der man nur schwer still sitzen bleiben kann“, genau so klingen Graveyard auch noch nach vier Jahren Zeitunterschied.

Graveyard sind wahrlich keine Alt-Hippie-Truppe aus irgendeiner Hinterhofkommune, die nach dem x-ten Pillentripp oder der zigsten Tüte ein paar kreative Schübe in Musik umwandelt, sondern eine ernstzunehmende Schweden-Klassik-Rock-Combo mit der durchaus authentischen Ansage, das Retro auch 2011 noch hip sein kann. Wie Olli schon sagte: „nicht für Pogo und Headbanging geeignet“ – richtig, dafür ist die Mucke viel zu entspannt und mehr auf Mitwippen oder gar Tanzen angelegt, aber mit „für die jüngere Generation und Metaller sicherlich uninteressant“ lag er dann in seinem Fazit leider doch daneben, denn „Graveyard“ ist für jeden Open-Minded-Rocker ein Stück weit Entspannung, Vergangenheitssehnsucht und Zukunftslebenslust in einem Paket – spektakulär unspektakulär passt hier ganz gut.

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