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Grand Illusion: Prince Of Paupers

Diese Schweden gehen mit der ganz großen Rock-Keule hausieren
Wertung: 7.5/10
Genre: AOR/Melodic Rock
Spielzeit: 56:05
Release: 28.10.2011
Label: AOR Heaven/Soulfood

Es könnte so einfach sein: Drei Schweden gründen im Jahre 2001 die Band Grand Illusion um, zusammen mit einem wechselnden Arsenal von Gast- und Begleitmusikern, über ein Jahrzehnt verteilt sechs Alben zu veröffentlichen; prall gefüllt mit Melodic Rock, der mehr als ein bisschen in Richtung Achtziger schielt. Der typische Werdegang einer von vielen Retro-Kapellen also – eigentlich. Doch Grand Illusion entstehen 2001 nicht aus dem Nichts, sondern gehen aus einer Band namens Promotion hervor, die schon seit 1986 eher wenig erfolgreich herummusiziert. Mit einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte gehört die Truppe damit also genau zu dem alten Eisen, an dem momentan so gern herumgehämmert wird und „Prince Of Paupers“ lässt keinerlei Zweifel darüber aufkommen, dass sich die Schweden in ihrem über die Jahre gezimmerten AOR-Himmelbett pudelwohl fühlen.

Hier wird nicht gekleckert, sondern mit allem geklotzt, was die Rock-Spielkiste so hergibt. Mit Gitarrenriffs von epischer Schlagkraft, zuckersüßen Synthesizerflächen und ganz, ganz großen Refrains geben sich Grand Illusion ohne Zögern der völligen Übertreibung hin. Ein musikalischer Turmbau zu Babel, der nur deshalb nicht in einer Trümmerruine endet, weil von Pfusch am Bau zu keiner Zeit die Rede sein kann. Man muss sich seinen Irrwitz eben leisten können – und das können Grand Illusion zweifellos.

Ihr Kapital: Technische Professionalität und Sauberkeit höchsten Grades. Routiniertes Songwriting ohne Ausfälle. Hochkarätige Gastbeiträge von Steve Lukather bis Paul Buckmaster. Vor allem aber: Gleich zwei Sänger, die mit Stimmen der absoluten Oberklasse gesegnet sind und dem prallen instrumentalen Unterbau eine gesangliche Streitmacht entgegenstellen. Peter Sundell und Per Svensson überzeugen schon jeder für sich und blühen im Duett oder als pompös angelegter Chor erst so richtig auf. Mit ihren beeindruckenden Stimmumfängen tragen die beiden die Songs durch alle Melodieberge und -täler (wobei es ihnen die Höhenluft offenbar besonders angetan hat) und stemmen jeden Refrain mit Leichtigkeit.

Was die Instrumentalarbeit angeht, gehen Grand Illusion wie gesagt eigentlich durchgängig mit dem ganz großen Rock-Hammer hausieren, gebärden sich dabei aber erfreulich rockig: Auch wenn die Keyboards fraglos da sind; im Vordergrund steht stets die Gitarrenarbeit, die weder mit Riffs noch mit Soloeinlagen spart. Der Gefahr, allzu glatten Kitsch abzuliefern, entgeht die Band damit geschickt – auch wenn ein gerüttelt Maß Schnulz als Zugeständnis an die Genrekonventionen natürlich trotzdem an Bord ist. Der chormächtige Opener „Gates Of Fire“, der schwermetallisch riffende Titeltrack und der Ohrwurmgarant „Through This War“ dürften AOR-Fans jedenfalls runtergehen wie Öl. Übrigens ist es Grand Illusion in diesem Zusammenhang auch hoch anzurechnen, dass sie am Ende der Tracklist mit „Winds Of Change“ eine ordentliche Rockballade und keine Akustikschmonzette für die Ü40-Radios dieser Welt platziert haben – danke dafür! Mir bangte bereits...

Bei aller technischen Perfektion und offensichtlichen Professionalität muss sich „Prince Of Paupers“ höchstens in Sachen Abwechslung und Innovation ein bisschen Kritik gefallen lassen: Wirklich neu ist hier gar nichts und sowohl einzelne Songs als auch die Platte an sich sind ziemlich vorhersehbar. Außer dem Über-Ohrwurm „Through This War“ bleibt auch zunächst kein Song hängen; das ändert sich erst in weiteren Hördurchgängen. Das Rad erfinden Grand Illusion also – wenig überraschend – auch nicht neu. Ein ordentliches Rockalbum für Melodiefetischisten liefern sie aber allemal ab.

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