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Grace.Will.Fall: Barren By Design

Auch nach sechs Jahren Wartezeit gibt es keine Ermüdungserscheinungen
Wertung: 8,5/10
Genre: Hardcore Punk, Crust
Spielzeit: 37:10
Release: 29.05.2020
Label: Midsummer Records

Sechs lange Jahre ist es her, dass das dritte Full-Length-Album „No Rush“ der schwedischen Hardcore-Punk-Cruster Grace.Will.Fall ganz entgegen seinem Titel den Staub aus den heimischen Boxen blasen konnte, in der Zwischenzeit war es erschreckend ruhig um die Truppe geworden. Klar, hier und da mal ein kurzes Aufleuchten in den sozialen Netzwerken, aber neues Material? Fehlanzeige. Jetzt endlich steht mit „Barren By Design“ eine komplett analog aufgenommene Platte in den Startlöchern, aufgenommen auf Tape, vollendet auf einem Master Tape. Entsprechend schmutzig klingen die elf Songs und bieten damit eine ordentliche Breitseite, die entfernt immer wieder Parallelen zu den norwegischen Kollegen Kvelertak aufweist, auch wenn die Schwedenfraktion sich deutlich unpolierter gibt.

Dass Grace.Will.Fall wieder einen Ausflug in die Düsternis wagen, die schon auf den vorherigen Alben immer gut vertreten und vor allem kolossal umgesetzt war, beweist spätestens das angriffslustige „It Might Rumble“, dessen hysterisches Geschrei untermauert wird von düster-treibenden Gitarren. Auch der Titeltrack kann auf voller Länge überzeugen, obwohl man zu Beginn vielleicht einen kurzen Schock dank quietschiger Sounds erleidet – heraus kommt unterm Strich aber ein bissiger Hardcore-Punk-Song mit ordentlich Drive, der sofort in die Beine und den Nacken geht, die Schweden in Bestform zeigt und sogar noch ein Quäntchen Melodie in petto hat.

Überhaupt schöpfen Grace.Will.Fall auf „Barren By Design“ aus dem Vollen: Da wird brutal und schnell mit „Dicklike Tendencies“ gleich zu Beginn der Scheibe soviel Dampf gemacht, dass es eigentlich für die nächste halbe Stunde genügt, die verzerrten Vocals tun dann noch ihr Übriges, um den Sound so richtig schön räudig klingen zu lassen. „Uncertain Answer“ scheint noch ein Schippchen Zorn aufzulegen und spritzt völlig angepisst Gift und Galle aus den Boxen, beinhaltet aber auch einen absolut schrägen Samplepart, der sich trotzdem wie Arsch auf Eimer in das akustische Chaos einfügt. Groovemonster wie „Surrounded By Plague“ oder „Black Sails“ sind dann eher die Regel denn die Ausnahme, was nur einmal mehr beweist, was für eine vielschichtige Band die Schweden sind.

Gerade auch das finale, passend betitelte „Last Dance“ zeigt wunderbar, was für einen motivierten Fronter die Schweden in Ulf Blomberg am Start haben, der zwar von beiden Gitarristen mit Backing Vocals unterstützt wird, aber quasi im Alleingang im letzten Song alles niederreißt und den Hörer mit einem seligen Grinsen und wunden Füßen zurücklässt.

Schön. Viel mehr bleibt einem nach mehreren Durchgängen der neuen Scheibe „Barren By Design“ gar nicht zu sagen, hauptsächlich auch deswegen, weil einem nach knapp 40 Minuten brachialer Dampfhammerakrobatik irgendwie die Luft fehlt. Grace.Will.Fall halten sich weiterhin an das, was sie am besten können: Ausrasten ohne ziellos drauflos zu prüfeln und grooven ohne stumpfes Geballer. Sechs Jahre waren zwar eine lange Zeit, die man auf die neuen Ergüsse warten musste, dafür zeigt die Truppe aber keinerlei Ermüdungserscheinungen.

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