Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Grabfinsternis: Wahn

Quantität und Qualität lassen noch zu wünschen übrig
Wertung: 5.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 14:42
Release: 01.06.2010
Label: Eigenproduktion

Die Karlsruher Grabfinsternis halten es wie die alten Haudegen des Schwarzmetalls: möglichst böse wirkende Pseudonyme, ein herzerweichender Kellersound mit einem relativ grottigen Schlagzeug, ein Sänger, der klingt als würde er Rasierklingen kotzen und ein Demo, das mit gerade mal 500 Stück eine recht begrenzte Auflage bietet – sogar nur 200, wenn man sich die Tape-Version sichern will. Dass es von „Wahn“ überhaupt eine Kassettenausgabe gibt, bestätigt schon den leichten Old School-Faktor des Quartetts – und auch sonst halten die beiden Gitarristen Refaim und Erzherzog Pestbeule, Drummer Jervas sowie Schynderhannes, der Herr der Rasierklingen, augenscheinlich nicht viel von Moderne; anders lässt sich der Sound der Demo-Scheibe kaum erklären.

Man muss den Herren immerhin zugute halten, dass sie das unleidige Keyboard entsorgt haben, das zu Beginn 2007 noch zum Line-Up gehörte. Nicht auszudenken, was das Tasteninstrument bei der klanglichen Qualität ausgerichtet hätte. Jetzt ist das einzige Sorgenkind, wie so oft bei solchen Kapellen, das Schlagwerk, das mal zu hölzern und mal zu sehr nach Mutters Kochtöpfen klingt und nie so ganz mit dem doch recht rasanten Gitarrenspiel mithalten kann. Da erübrigt sich vielleicht auch die Frage, warum Grabfinsternis seit ihrer Gründung vor vier Jahren bereits vier Drummer verbraucht haben.

„Wahn“ stellt jetzt also den ersten Output der Combo dar und ganz ehrlich – dafür, dass die Scheibe bei mir nach dem allerersten Durchlauf direkt mal in der letzten Ecke gelandet ist, gefällt sie mir inzwischen richtig gut. Man muss sich ein bisschen in die leicht krude Musik hineinhören und darf sich nicht an der Ähnlichkeit von Herrn Schynderhannes’ Stimme mit der des Eisregen-Sängers „Blutkehle“ stören, geschweige denn am Schlagzeug, aber rein gitarrenmäßig macht die Scheibe wirklich was her. Da sticht nicht zuletzt der flirrende Part im Titeltrack ins Auge beziehungsweise ins Ohr, den man sich gern in Dauerrotation anhören würde, auch sonst haben Refaim und der Pestbeulen-Erzherzog einiges auf dem Kasten.

Problematisch wird’s, wenn man versucht, sich einen Song als Favoriten rauszupicken – das ist nicht nur aufgrund der Quantität schwierig, denn bei gerademal drei Tracks ist die Auswahl doch eher übersichtlich, sondern wird auch noch durch die Tatsache erschwert, dass die Herren sich so ziemlich immer an das gleiche Rezept halten: abwechselnd Gitarrengeschredder und depressiv-düstere Melodieführung, gepaart mit dem ohnehin grenzwertigen Schlagzeug und dem heiseren, aber erstaunlich ausdrucksvollen Gekrächz des Fronters. Am ehesten kann man dem Track „Grabfinsternis“ noch den Sonderstatus als Anspieltipp einräumen, weil der Text hier positiv – oder negativ, wie man’s nimmt – ins Auge sticht und auch am ehesten Wiedererkennungswert besitzt.

Ein Fazit zu ziehen gestaltet sich hier erwartungsgemäß schwierig und auch die Bewertung erfordert einiges an Brainstorming. Mehr als 5,5 Punkte können aber vorerst nicht drin sein, obwohl sich durchaus Potenzial erkennen lässt, vor allem was die Texte und die Gitarrenarbeit angeht. Schynderhannes’ Vocals sind natürlich auch nicht von schlechten Eltern, bewegen sich aber monoton in einer Tonlage, was auf Dauer doch an die Substanz geht. Bleibt abzuwarten, wie Grabfinsternis den nächsten Output bewerkstelligen.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna