Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Gotthard: Homegrown – Alive In Lugano

Fans schweben hier mit Steve zusammen auf Wolke 7
keine Wertung
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 79:09
Release: 30.09.2011
Label: Nuclear Blast

2010 war wahrlich kein gutes Jahr für die richtig guten Rocksänger – Ronnie James DIO und Pete Steele segneten das Zeitliche und auch Gotthards Frontmann Steve Lee wurde Opfer eines Verkehrsunfalls mit für ihm tödliche Folgen. Nur wenige Wochen zuvor standen sie allerdings bei einem ihren seltenen Shows in ihrem Heimatort Lugano vor 20000 Harley-Verrückten auf der Bühne und rockten trotz Wetter bedingter Missstände die Piazza.

Glücklicherweise standen diese Live-Aufnahmen auf dem Programm, nicht auszuschließen, wenn solch ein als Zeitdokument geltendes Konzert nur von jenen Besuchern in Lugano geteilt werden könnte. Einer der letzten Auftritte vom Frontmann Steve, wer hätte das damals gedacht, als Gotthard eigentlich noch immer auf ihrer „Need To Believe“-Promotour waren und sich danach neuen Songs widmen wollten. So ist der Live-Aufnahme noch der bisher unveröffentlichte Track „The Train“ angehängt – ein nicht wirklich spektakuläres Balladenstück, aber einmal mehr wird schon allein am Gesang die Ausnahmestellung eines Steve deutlich.

Ansonsten gibt es natürlich reichlich Gotthard-Best-Of im Liveformat. Perfekter Sound, auch die Lautstärke des Publikums reißt nicht ab – hurz, wer da nicht gleich an einer ausgefeilten Überarbeitung im Studio denkt. Doch wer Gotthard schon in dieser Besetzung live erleben durfte, der weiß, welch hervorragende Stimme dieser Entertainer klassischer Schule hatte. Und wo die Truppe ihre Wurzeln hat, belegt sie eindeutig mit dem Deep Purple-inspirierten „I Don’t Mind“ und beweist es noch mehr mit dem „Hush“-Coverstück von eben jener Band (zu finden auf dem Gotthard-Debut „Gotthard“ von 1992). Ausgebaute Soli- und Jamsessions, Mitklatschparts („girls only“ gleich 3x, „only guys“ nur 1x – da blieb doch glatt die Gleichberechtigung auf der Strecke), jede Menge Whitesnake-Esprit und trotz Auftritt in der italienisch sprechenden Schweiz – Steve vergisst niemanden und sorgt mit Ansprachen in englisch, italienisch, französisch und ein bisschen deutsch für reichlich Abwechslung. „Heaven“ ist der Tränendrüsenöffner schlechthin und gehörte mit warmer und viel Schmacht performeter Stimme in jede Gotthard-Setlist, härter rockende Songs wie „Gone Too Far“ oder „Top Of The World“ begeistern auch die metallischen RockanhängerInnen.

Was die Jungs so musikalisch auf dem Kasten hatten und auch noch haben – Gotthard sind auf der Suche nach einem neuen Frontmann und rocken definitiv weiter – machen sie mit ihrem akustischen Medley deutlich. Lautstark stimmen die Fans in „Lift U Up“ ein (Joan Jett lässt hier übrigens grüßen), bei „Sister Moon“ wird die Mundharmonika ausgepackt – egal, was die Jungs von Gotthard auch anpacken, alles hat Hand und Fuß, hat mehr Gefühl als die weiße Schlange und jeder Zweifel verglüht gleich bei Eintritt in die Gotthard-Atmosphäre.

Bei Nuclear Blast scheinen die Live-Veröffentlichungswochen angefangen zu haben. Vor kurzem schlitterte die Sabaton-CD erfolgreich in die Verkaufsregale, und nun folgt mit „Homegrown – Alive In Lugano“ das Gotthard-Schwergewicht hinterher. Dabei schlagen die Schweizer die Schweden um Längen, denn a: haben sie einfach mehr Potenzial und Abwechslung und b: den besseren Entertainer (gehabt). Der Lugano-Trip geht ans Herz, lässt wehmütig die noch frische Vergangenheit aufblühen, die Erinnerungen an einem Frontmann, der ganze Legionen an Fans nur mit seiner Stimme begeistern konnte, der auf der Bühne nur vor Charisma strotzte. „Homegrown – Alive In Lugano“ klopft an die Himmelspforte an, ein Tondukument, welches die Fans zusammen mit Steve auf Wolke sieben schweben lässt.

R.I.P., grazie mille tutti, il mio Steve.

comments powered by Disqus