Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Gotthard: Heaven (Best Of Ballads Part II)

Rest in Peace Steve, du wirst uns fehlen
keine Wertung
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 61:19
Release: 03.12.2010
Label: Nuclear Blast

Irgendwie beklemmend, dieses Album rezensieren zu dürfen. Wie jeder weiß, ist Steve Lee, der Sänger der Schweizer, bei einer Motorradtour durch die Vereinigten Staaten bei einem Verkehrsumfall getötet worden. Und nun gibt es kurz vor Weihnachten ein mit Gefühlen vollgepacktes Album namens „Heaven“. Die Wirkung verstärkend, handelt es sich um den zweiten Part der Balladen-„Best Of“s der Band. Aber vielleicht ist auch gerade das genau der richtige Weg, um noch mal auf diesen grandiosen Sänger zurück zu blicken.

„Heaven“ eröffnet den Compilation-Reigen in bester Manier. Was für eine tolle, unter die Haut gehende Ballade mit solch einem tollen Refrain. Da wird es dem Hörer schon ein wenig mulmig in der Magengegend. Gotthard gehörten immer zu den unterbewertetsten Bands in diesem Genre, bis auf das Debüt konnte jede Scheibe den ersten Platz der Schweizer Charts erklimmen und auch in Deutschland wurden die Ranglisten immer gestürmt.

„What Am I“ oder auch „Where Is Love When It's Gone” sind anders konzipiert und schmeicheln der Ohrmuschel auf eher treibende Art. Steve Lee brilliert mit seiner tollen Stimme. Selbst im emotionalen Bereich kann er seine Stimmvariabilität gut aufzeigen, da wird nichts so schnell langweilig.

Etwas seltsam wirkt dann „Need To Believe“, wenn man an das vorgegebene Konzept denkt. Der Track ist nämlich nun wirklich keine richtige Ballade. Aber genau dieser Schachzug sorgt für eine gelungene Auflockerung.

Natürlich darf auch „One Life, One Soul“ nicht fehlen. Was für ein Hit! Kein Wunder, dass der Track auch der Namensgeber der „Best Of Ballads Part I“-Veröffentlichung geworden war. Das streichelt die Seele und lässt den Hörer dahin schmelzen, ohne dass es schleimig oder schwülstig klingt. Einfach nur Gefühle pur.

Etwas dramatischer geht es dann bei „The Call“ zu. Das sind die Hits, die auch einen harten Rocker dahin schmelzen lassen wie die Sonne die Butter. Besser kann man das nur schwer machen. Da stimmt alles: Die zurückgenommenen Instrumente, die Melodieführung und Meister Ohrwurm gräbt sich tief ins Schädelinnere.

„Don't Let Me Down“ wirkt da etwas befreiter. Steves Stimme schwebt über den zaghaften Gitarren und verbreitet eine wohlige Wärme. Lediglich der Refrain ist recht dominant von den Instrumenten unterstützt worden.

Mit noch mehr AOR im Blut wird dann „Nothing Left At All“ zelebriert. Wenn man nur den Titel betrachtet, muss man sagen, dass das nicht stimmt, Steve wird mit seinen Liedern immer in den Herzen der Hardrock-Fans bleiben.

Die zweite Nichtballade wird dann mit „Unconditional Faith“ abgeliefert. So rocken Bon Jovi ständig. Ob das allerdings qualitativ die beste Auswahl war, wage ich mal zu bezweifeln, auch wenn die akustischen Gitarren schon ein Hammer sind. Im soften Hardrock angesiedelt, rüttelt der Track bei dieser Zusammenstellung wieder ein wenig auf.

„Have A Little Faith“ zeigt das brillante Zusammenspiel der Stimmbänder mit dem Klavier.

„Tears To Cry“ hat natürlich nach den tragischen Ereignissen vom 05. Oktober 2010 eine ganz andere Bedeutung. Welch ein Gefühlsbereiter. Mit Pipi in den Augen wird dann „Everything I Want” eingeleitet. Welche eine Ballade.

„I've Seen An Angel Cry Tonight“ kann da nicht ganz mithalten. Etwas zu einfach gestrickt und mit deutlich mehr Power ausgestattet will er hier zu diesem Gefühlsmoment nur schwer passen, auch wenn es eigentlich ein toller Song ist.

„Tomorrow's Just Begun“ ist da ein ganz anderes Kaliber! Wirklich verwunderlich, dass die Band in den USA nicht zu den größten Stars zählt. Der Track hat eigentlich alles, um auch hinter dem Teich die Charts aufzumischen. Ein Trauerspiel, dass man das nicht mehr miterleben wird.

„Falling“ wird dann in einer unglaublichen Akustik-Version dargeboten. Das Wasser steigt bis zu den Augen und man verdammt die unglücklichen Ereignisse vom 05. Oktober diesen Jahres, als ein Lastwagen auf regennasser Fahrbahn außer Kontrolle geriet und abgestellte Motorräder durch die Luft schleuderte, von denen Steve erschlagen wurde.

„And Then Goodbye“ ist dann der wahre Abschied von Steve zu seinen unzähligen Fans. Da gesellt sich zum traurigen Gefühl ein eiskalter Schauer, der sich langsam den Rücken runterarbeitet. Eigentlich der perfekte, wenn auch so natürlich fast schon ein wenig makaber anmutende Abschluss für dieses Album.

Eigentlich ist es dann schon ein wenig unpassend, wenn dann mit „Merry X-Mas“ noch ein eigentlich gelungener Weihnachtssong aus den Lautsprechern kommt. Aber vergessen wir das einmal.

Fazit: Für mich ist dies kein einfach Album oder eine reine Compilation. Es ist ein beeindruckender Abschied des Frontmannes der wohl erfolgreichsten Schweizer Band. Irgendwie komisch, dass einige Songs nun so wirken, als ob sie nur für diesen Zweck geschrieben wurden, aber das ist die Macht der Suggestion. Und genau da wird auch ein Lob für die Covergestaltung fällig, schlicht und sachlich wirkt es, ähnlich wie AC/CDs „Back In Black“. Für mich ist es eine wohl letzte Hommage an einen einzigartigen Sänger, weswegen ich es mir auch erspart habe, die anderen tollen Musiker der Band zu erwähnen, denn hier gilt lediglich der Augenmerk auf Steve Lee. Das hat er verdient.

Rest in Peace Steve, du wirst uns fehlen.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands