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Gothic Visions

Fast zehn Stunden tiefschwarze Melancholie
keine Wertung
Genre: Gothic, Dark Wave, Ambient
Spielzeit: 526:00
Release: 02.10.2009
Label: Echozone

Da haben "Crawling Tunes" und "Gothic" ja einen beachtlichen Brocken an Land gezogen - die beiden Szene-Magazine für den interessierten Goth von heute haben gemeinsam eine Gothic-Visions-DVD+CD-Special-Edition auf die Beine gestellt, die in ihrem Umfang für eine Compilation relativ einzigartig sein dürfte. Nicht nur, dass auf beiden Scheiben zusammen ungefähr zehn Stunden Material abrufbar sind, es wird außerdem tatsächlich - wie in der Presseinfo versprochen - ein sehr breites Spektrum der aktuellen Erscheinungen der schwarzen Szene abgedeckt.

Unter den auf der DVD vorhandenen Audio-Titeln finden sich unter anderem die großartigen Downstairs Left, deren EP "Nothing But Memories" bei uns 8,5 von 10 Punkten abstaubte, außerdem vertreten sind Star Industry, die weit mehr rocken als ihr Name vermuten lässt, sowie die Könige der sphärischen Klänge: Wayne Hussey und Dead Guitars. Tatsächlich überwiegt der Anteil der klassichen Gothic-Bands hier, aber aus eben diesem Grund trägt die Scheibe ja auch ihren Namen.

Besonders interessant finden die meisten vermutlich die Live- & Performance-Clips; hier werden die Fans angenehm überrascht: Auf großartige visuelle Effekte und Bearbeitung wird verzichtet, dafür zeigen sich Bands wie die The Cure-haften Whispers In The Shadows oder auch die Szenegrößen Specimen besonders authentisch und spielfreudig. Ein besonderes Schmankerl sind die beiden gemeinsamen Auftritte von Wayne Hussey und den Dead Guitars, die unter anderem "Isolation" akustisch darbieten.

Bei der Konzertsektion haben sich die Graphiker zurückgehalten, die Videoclips der meisten Bands suhlen sich aber geradezu in - meist eher lächerlichen - Spezialeffekten. Eher zum Weinen als zum Lachen finde ich allerdings die absolut unverzeihliche Vergewaltigung des Songs "Wuthering Heights" von Kate Bush aus dem Jahr 1978, dem Madeline Le Roy feat. Amber hier neues, nun ja, "Leben" einhauchen. Es beschleicht einen die Ahnung, dass die Dame im Video deswegen aussieht wie eine Darstellerin aus einem einschlägigen Filmchen, weil man um die nicht gerade offensichtliche Genialität des Coversongs wusste.

Für diesen Faux-Pas wird man allerdings übermäßig entschädigt: The Mist Of Avalon präsentieren klassischen Goth-Rock in einem recht minimalistischen, aber verstörenden Video, Verney 1826 mischen Mittelalterklänge mit unaufdringlichem Elektro, während Andreas Gross eine melancholische Goth-Ballade zum Besten gibt, die typischer für das Genre nicht sein könnte. Konträr dazu frönen No Comment dem deutschsprachigen Elektro und goJa Moon ROCKAH lassen die 80er mit einer Prise New Wave wieder aufleben.

Da die DVD nicht nur die Musik der schwarzen Szene zeigt, sondern auch das Lebensgefühl vermitteln will, haben die Produzenten noch einige kleine Filmchen mit ins Packet geworfen. Während die Visuals eher die typisch melancholische Stimmung verbreiten und durchaus als sehr ästhetisch zu bezeichnen wären, muss man sich bei den Kurzfilmen von J.A. Nossem Film und Schwerkraftfilm eher fragen, ob hier Drogen im Spiel waren. Zwar geht es um die übliche Goth-Problematik - Indentitäskrisen und unglückliche Liebe im Mittelalter, bei der einer der Verliebten im Nachhinein zum Vampir wird - aber die Filme sind so amateurhaft gestaltet, dass sie eher amüsant als künstlerisch wertvoll erscheinen.

Fazit: Mit Gothic Visions ist es den beiden Magazinen gelungen, möglichst verschiedene Stile der Gothic-Bewegung aufzuzeigen. Die DVD dürfte ebenso wie die 80-minütige CD jedes noch so eisige Herz zum Schmelzen bringen und ist es definitiv wert, dass man sich die Zeit nimmt, sich intensiver damit auseinanderzusetzen.

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