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Gorgoroth: Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt

Gutes Album, das man Infernus in dieser Form nicht unbedingt zugetraut hätte
Wertung: 7.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 34:45
Release: 30.10.2009
Label: Regain Records

Gorgoroth waren schon immer eine Band, die nicht nur durch ihre musikalischen Veröffentlichungen auffiel. Das Label erklärt, die Truppe sei „ohne Zweifel die trueste norwegische Black-Metal-Band“, und zumindest, wenn man sich ihre alten, ziemlich garstigen Alben wie „Antichrist“, „Under The Sign Of Hell“ oder „Destroyer“ anhört, ist man geneigt, dieser These zuzustimmen, da Trueness in der Schwarzwurzelszene schließlich gerne mit roh produziertem Rumpelpumpelsound (der ja durchaus seinen Reiz haben kann) gleichgesetzt wird. Erst auf ihren späteren Werken – insbesondere auf dem experimentelleren „Incipit Satan“ – bauten die Norweger hin und wieder leichte Industrial-Elemente ein und gestalteten die Produktionen etwas glatter.

Dennoch war es eben nicht nur die Musik, die den Bekanntheitsgrad der Bergener erhöhte, sondern ebenso zahlreiche Skandale, Provokationen und zuletzt das homosexuelle Outing von Sänger Gaahl (auch wenn dies eigentlich eine private Angelegenheit ist und niemanden interessieren sollte), sowie die gerichtlichen Streitereien um die Rechte an dem Bandnamen, die Gitarrist und Gründer Infernus letztlich für sich entscheiden konnte. Nach dem gewonnenen Prozess konnte er sich – unterstützt von den wieder in den Schoß der Band zurückgekehrten Pest am Mikrofon und Tormentor an der zweiten Gitarre, sowie den neu dazugestoßenen Frank Watkins (Obituary) und Tomas Asklund (ex-Dissection, Dark Funeral) an Bass und Schlagzeug – nun endlich wieder auf die Musik konzentrieren und verkündete, dass das neue Gorgoroth-Album wieder ein wenig mehr im Stile der alten Alben der Band gehalten sei.

In Wirklichkeit jedoch ist „Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt“ schwer in die Discographie der Band einzuordnen. Mit dem direkten Vorgänger „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ hat die neue CD so gut wie gar nichts zu tun, da auf High-Speed-Gebolze, wie es dort größtenteils praktiziert wurde, fast völlig verzichtet wird und man sich vornehmlich in gemäßigteren Temporegionen bewegt, doch auch zu den alten Werken Parallelen zu finden, fällt zunächst nicht leicht.

Das liegt schon mal an der Produktion, die dunkel, aber sehr differenziert herüberkommt und nicht im Entferntesten etwas mit dem rohen Sound von früher gemein hat – aber es war wohl von vornherein klar, dass Gorgoroth in der Hinsicht nicht völlig back to the roots gehen würden. Die Gitarren klingen sehr kraftvoll – ob es jedoch nötig war, das Schlagzeug komplett zu triggern, halte ich für sehr zweifelhaft. Da hat selbst das Geschepper von „Under The Sign Of Hell“ irgendwie mehr Charme, weil es zumindest einen eigenen Charakter hatte, auch wenn viele nicht mehr als ein müdes Lächeln dafür übrig haben mögen.

Dagegen trägt die Stimme des neuen alten Sängers Pest, der viel fieser kreischt als Gaahl es jemals getan hat, einen Großteil dazu bei, dass man sich streckenweise dann doch an frühere Alben erinnert fühlt (Pest malträtierte seine Stimmbänder bereits für „Antichrist“, „Under The Sign Of Hell“ und „Destroyer“) und auch die Gitarrenarbeit ist melodischer denn je und lässt hin und wieder an Songs aus der „Antichrist“- oder der „Incipit Satan“-Zeit denken.

Trotzdem geht der Blick insgesamt eindeutig nach vorne und nicht zurück, was nicht unbedingt das in der Mitte von „Rebirth“ gekreischte „rebirth of Gorgoroth“, sondern in erster Linie recht starkes Songwriting beweist.

Der treibende Opener „Aneuthanasia“ ist ein guter, wenn auch nicht allzu spektakulärer Auftakt, das folgende „Prayer“, welches dank der Gitarrenmelodien richtig majestätisch herüberkommt, hingegen ein erstes echtes Highlight, genau wie das gut groovende, teilweise ein wenig an neuere Satyricon erinnernde „New Breed“ und das von der Spielweise dann tatsächlich altem Stoff ähnelnde „Building A Man“.

Auch „Cleansing Fire“ und „Human Sacrifice“ entpuppen sich nach ein paar Durchläufen als gutklassige Stücke, das Beste jedoch kommt mit „Satan Prometheus“ zum Schluss: Hier werden endlich die Blastbeats ausgepackt und gleichzeitig sowohl klassisch schwarzmetallisch, als auch melodisch gerifft. Dazu kommen erhaben klingende chorale Stimmen, die sich perfekt ins Gesamtbild einfügen. Passend wurde mit „Introibo Ad Alatare Satanas“ noch ein kurzes, rituell-feierliches Outro angehängt, das leider viel zu abrupt beendet wurde.

Fazit: Man muss schon zugeben, dass den neuen Gorgoroth ein relativ starkes Album gelungen ist, das man ihnen nach all den medialen Schlammschlachten und Querelen nicht unbedingt zugetraut hätte. Zwar ist es mit knapp 35 Minuten ein bisschen kurz geraten (aber derart kurze Spielzeiten ist man von der Band ja gewohnt) und ein bisschen mehr Uptempo hätte ich mir hin und wieder schon gewünscht, aber zumindest gibt es keinen Song, von dem man sagen müsste, er wäre ein Totalausfall. Das war auch deshalb nicht wirklich zu erwarten, da Infernus zu den letzten beiden Alben „Twilight Of The Idols“ und „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ keinerlei Kompositionen beigetragen hat – sicherlich auch ein Grund, weswegen „Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt“ erneut anders als alles klingt, was die Norweger bisher veröffentlicht haben. Daher wird die Scheibe bei dem ein oder anderen wohl auch ein paar Durchläufe brauchen, um zu zünden.

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