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Gorgoroth: Instinctus Bestialis

Nur gut eine halbe Stunde neues Material nach sechs Jahren – und das kann nicht mal überzeugen
Wertung: 5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 31:13
Release: 12.06.2015
Label: Soulseller Records

Es ist still um Gorgoroth geworden. Seit Gaahl und King nicht mehr Teil der Band sind, ist die ganz große Skandalzeit wohl auch vorüber. Man verzichtet auf dümmliche Statements, die in fragwürdige Richtungen interpretiert werden können, provoziert nicht mehr an allen Ecken und Enden, sondern will augenscheinlich in erster Linie die Musik sprechen lassen. Neues Material liegt allerdings schon viele Jahre zurück – die letzte reguläre Platte „Quantos Possunt Satanitatem Trahunt“ datiert aus dem Jahre 2009, in der Folgezeit wurde durch die Entlassung von Sänger Pest, der von dem Serben Atterigner ersetzt wurde, schon wieder ein Line-up-Wechsel vorgenommen.

Nichtsdestotrotz sind sechs ganze Jahre schon viel Holz; vielleicht wäre man ja schneller gewesen, hätte man nicht die völlig überflüssige Aktion gestartet, den eigenen Klassiker „Under The Sign Of Hell“ (im Original von 1997) 2011 noch einmal neu einzuspielen. Derartige Remakes braucht wirklich kein Schwein, aber wenn man gerade keine neuen Ideen hat, muss man sich offensichtlich andere Dinge einfallen lassen, so unnötig sie letztlich auch sein mögen.

Stellt sich die Frage, ob die Norweger für ihre neue, nun vorliegende Scheibe „Instinctus Bestialis“ (natürlich wie immer hochtrabend ein lateinischer Titel – wie könnte es anders sein?) tatsächlich gute Ideen hatten. Nach so langer Zeit sollte man ja schon mit einer mindestens ordentlichen Platte rechnen dürfen, zumal der Vorgänger, wenn auch nicht überragend, so doch wenigstens brauchbar ausgefallen war. Aber um es gleich klipp und klar zu sagen: „Instinctus Bestialis“ bietet insgesamt nicht mehr als Durchschnitt, zum Teil sogar gähnende Langeweile. Das Album ist ohne Frage amtlich produziert, der Sound ist wuchtiger als bei „Quantos…“, und die tiefere Stimme von Atterigner, der einen guten Job erledigt, gefällt zumindest mir besser als die von Pest, aber rein songschreiberisch bleibt nicht wahnsinnig viel hängen.

Immerhin lässt die Truppe von Beginn an keine Zweifel daran aufkommen, keine Gefangenen zu machen: Beim Opener „Radix Malorum“ wird von der ersten Sekunde an geblastet, was das Zeug hält, womit wohl gleich suggeriert werden soll, dass die Band gedenkt, den Härtegrad wieder höher zu halten als beim Vorgänger, der doch viele (für manchen wohl zu viele) Midtempo-Passagen enthielt. Zugegebenermaßen clever gesetzte Pausen sorgen für ein bisschen Luft, bevor es auch mal in etwas gemäßigtere Gefilde geht.

„Dionysian Ride“ treibt zum Teil ebenfalls mächtig und kann mit ordentlich Druck punkten, wobei zum Ende eine langsamere, von der Stimmung her bedrohliche Sequenz eingebaut wurde. Klingt irgendwie okay, man merkt das Bemühen um Abwechslung – nur ist das in der Summe dennoch sehr austauschbar. Es gibt keine wirklich zündenden neuen Einfälle, manches wirkt wie schon mal gehört und oft plätschert das Material unspektakulär vor sich hin – das können auch die sauber eingespielten, in den Details durchaus ansprechenden Gitarrenparts nicht kaschieren.

Man nehme nur das sich ewig dahinquälende „Ad Omnipotens Aeterne Diabolus“ (meine Güte, diese Scheiß-lateinischen Titel…), in dem Atterigner ein ums andere Mal „Hail Satan“ intoniert, das dann zwar doch mal hängen bleibt, aber natürlich eher wenig Substanz vorzuweisen hat und auf Dauer eher nervt, oder die Kurznummern „Come Night“ und „Awakening“ ganz am Ende: Füllmaterial galore, was bei einer Gesamtspielzeit von etwas über 31 Minuten geradezu eine Frechheit genannt werden muss. Ganz ehrlich: Wer nach sechs Jahren ohne neues Material mit einer Platte von lediglich einer guten halben Stunde Spielzeit ankommt und es dann nicht schafft, über die komplette Distanz brauchbaren Stoff abzuliefern, kann es auch gleich lassen.

Immerhin: Im einigermaßen gelungenen „Burn In His Light“ macht sich das klassische Gitarrensolo erstaunlich gut, weil es tatsächlich mal ein bisschen Auflockerung bietet – mehr davon wäre wünschenswert gewesen. Da dies leider nicht der Fall ist, handelt es sich bei „Instinctus Bestialis“ ganz klar um einen Schuss in den Ofen. Wenigstens Atterigner zeigt, was für Potential seine Stimme besitzt. Mit 27 Jahren ist er noch jung, da kann noch so einiges kommen. Außerdem wird das Album durch die gute Produktion und die tadellose Instrumentalleistung vor dem Fall in die niedersten Punkteregionen bewahrt – aber mehr als ’n Fünfer ist da trotzdem nicht drin.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann