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Goregast: La Revancha

rasante Fahrt im Grindcore-Tempo
Wertung: 9/10
Genre: Grindcore, Death Metal
Spielzeit: 31:24
Release: 22.03.2007
Label: Hecatombe Records

„Sehr geehrte Damen und Herren. Vorsicht an der Bahnsteigkante. Es fährt ein: der Schnellzug ´Goregast´ mit der Reiseroute Berlin – Weltumrundung – Berlin. Bitte steigen Sie nur mit leichtem Gepäck ein, damit der Zug bereits nach wenigen Metern ordentlich Fahrt aufnehmen kann. Eltern haften für ihre Kinder und auch sonst übernehmen wir als Betreibergesellschaft keinerlei Garantie“.

Begeistert springe ich einen Meter zurück und lasse kurz ein paar Angestellte den Zug reinigen. Innendrin wird auch fix neu gestrichen. Was steht dort noch? „Viva El Animal“? Ah ja, das war das Motto der ersten Weltrundfahrt. Jetzt gibt es die neue Lackierung „La Revancha“. Sieht doch auch gleich viel schicker und besser aus. Wer sagt´s denn? 

Überall in den Abteilen hängen Geschichten über misshandelte Tiere und sonstige Auswüchse der menschlichen Grausamkeit. Doch nicht nur englischer Sprache wird dem Betrachter/Leser ein Spiegel vor die Augen gehalten. Auch Spanisch und Deutsch dienen den Verfassern als Aufschrei. Dazu die passenden Bilder, damit sich das Gesagte auch tief in die Zellen des Gehirns einbrennt. 

Ich suche mir erst einmal mein Abteil und stelle mein Gepäck ab. Dann zieht es mich magisch in den Triebwagen ganz vorne. Neugierig schaue ich mir an, mit was der Zug denn in Bewegung gesetzt wird. Auf dem einen Kasten steht „Grindcore 1A-Qualität“, auf dem anderen „Death Metal 1. Wahl“. Unter denen sind ist noch zwei kleinere Teile angebracht, wo dünne Rohre herausragen. Links das mit „Fetter Groove – geprüfte Qualität“ und rechts sehe ich „Ergänzende Melodien – bei Bedarf hinzugeben“. Beruhigt verzieh ich mich auf meinen Platz. 

Kurz vor Abfahrt schaue ich mir noch mal die Grundsubstanz des Gefährts an. Scheint mir eine Mischung aus alten Materialien zu sein, die aber mit modernen restauriert wurden. Also zum Teil eine ordentliche old-school-Kante aber zum anderen Teil nie altbacken. Das überzeugt mich erst einmal und entspannt lausche ich dem ersten Ruckeln des Wagons. 

Auf den ersten paar Metern aus dem Bahnhof heraus passiert nicht wirklich viel. Ein paar Geräusche stimmen auf das Eiltempo ein, welches sich hier gleich entfalten wird. Von weiten höre ich bereits den Schaffner kommen, der abwechselnd tief röchelnd und hoch kreischend nach den Fahrausweisen verlangt. Bei besonders schwerhörigen Fahrgästen zieht er fix einen Harmonizer aus der Tasche und verleiht seinem Fordern den nötigen Nachdruck. Glücklicherweise passiert das nicht zu oft und auch wirklich nur dann, wenn es angebracht ist und wirklich passt. 

Meine Augen sehen den Bahnhof noch am Horizont blinken, da nimmt der Zug urplötzlich volle Fahrt auf. Kurz benommen setze ich mich auf meinen Sitz. Meine Güte, da haben es aber die fünf Zugführer eilig, den Passagieren zu zeigen, was das Teil so drauf hat. Es geht die nächsten Minuten mit voller Fahrt mal durch brachiale Landschaften und mal über hügeliges Gelände, wo beim Auf und Ab ein fettes Groove-Feeling aufkommt. 

Hier und da wird kurz abgebremst, um sich an den natürlichen Melodien der Natur zu erfreuen. Mit einem Lächeln im Gesicht stehe ich auf dem Gang neben dem Abteil und sehe in die zufriedenen Gesichter der anderen Fahrgäste. Jepp, das war ein perfekter Reiseauftakt und eine exzellent gewählte Strecke. „Animalismo” steht dafür hier auf der kleinen Karte in meinem Abteil. 

Doch das nächste Highlight der Route lässt nicht lange auf sich warten. „Varg Sucks Varg“ entpuppt sich als Landschaft mit einem coolen Gebirgsriff gleich zu Beginn. Anschliessend verharrt kein Auge in tristem Stillstand aufgrund des Abwechslungsreichtums des Landstriches. 

Und kaum hat mein Gehirn diesen Leckerbissen verdauert, steuert die Maschine auf einen finster morbiden Tunnel namens „Sorry, I Damaged Your Brain“ zu. Tief drinnen kann man die depressive Stimmung fast mit den Händen berühren, so dicht kommen einen die Wände aus Tönen und Schall vor. Doch kaum den Tunnel hinter uns gelassen, zieht es mich bereits wieder Richtung verwegener Landstriche und unwirklicher Gegend. „Aspirador“ heisst dieser Bahnhof. Aha. Sah auf den ersten Blick recht unspektakulär aus, entpuppt sich dann jedoch als vielschichtige Entdeckungsreise. 

Und so sehe ich auf dem Rest der Reise noch so manch Interessantes vorbeirauschen. Sicherlich für mich nicht so verwegen wie die oben genannten Erfahrungen, doch auch nicht wirklich zum wegsehen. 

Nun wird es aber Zeit, meine Sachen zusammenzupacken. Nach knapp 32 Minuten ist die Reise zu Ende. Reichlich kurz, wie ich finde, denn schliesslich bezahlte eigentlich jeder Passagier den vollen Fahrpreis. Da hätten es doch noch ein paar Kilometer mehr sein können. Aber lieber eine kurze intensive Begegnung mit der vollen Fahrt als ein nie enden wollendes Reiseunterfangen mit gedrosselter Geschwindigkeit. 

Fazit: So bleibt mir nur als Schluss meines Reisetagesbuches zu schreiben, dass ich nur jedem die Fahrt empfehlen kann, der sich an Gefährten erfreut, welche mit den oben genannten Antriebssubstanzen auf volle Fahrt kommen. Ich für meinen Teil werde wohl noch öfters diese Strecke zurücklegen. Denn Neues zu entdecken gibt es immer wieder.

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