Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Goldenseed: The War Is In My Mind

Musik von einem Musiker für Musiker
Wertung: 7/10
Genre: Instrumental / Thrash Metal
Spielzeit: 52:43
Release: 20.01.2012
Label: SG Records

Ein Gitarrenguru auf Solopfaden - so könnte man das Projekt Goldenseed auch nennen. Gabriele Pala, seines Zeichens der einzige Mann hinter dem Werk, hat schon in mehreren Bands gewirkt und veröffentlicht nun mit „The War Is In My Mind“ seine dritte Soloplatte. Der Virtuose spielt nicht nur Gitarre, sondern auch Sieben- und Achtsaitergitarren sowie den Chapman Stick. Mit Saiteninstrumenten ist der Mann also allerbestens vertraut, mit dem Schlagzeug nicht, aber dazu später noch mehr. 

Alle Songs auf der Scheibe sind nur von Gabriele komponiert, arrangiert und auch aufgenommen. Noch eines haben alle Lieder, mit Ausnahme des letzten, gemeinsam: Sie sind alle rein instrumental verfasst, Gesang ist also Mangelware auf der Scheibe. 

Dafür gibt es Melodien im Überfluss, sogar so viele, dass man sie manchmal gar nicht alle auf einmal fassen kann. Als untrainierter Hörer kann man da schnell den Überblick verlieren. 

Dabei legt der Italiener schon sehr viel Wert auf schlüssige Songstrukturen und versucht, nicht nur als Gefrickelkünstler dazustehen. Gelingen mag das aber nur bedingt. Viele Standardriffs wird der fachkundige Hörer selbst nach längerem Suchen auf der Platte nicht finden. Das Hauptaugenmerk liegt trotz aller Ausgleichsversuche auf den Saiteninstrumenten und bei denen vor allem auf schweren und ultraschnelllen Läufen sowie verschachtelten Arrangements. Zum Abschalten ist diese Platte schon mal gar nicht geeignet. Wenn man sich aber die Mühe macht, in die Lieder einzutauchen, so wird man schon belohnt. Der Südeuropäer erschafft wahre Klangwelten, die zwar oft nach Science Fiction auf LSD, aber gerade durch ihre Andersartigkeit frisch klingen und so ziehen sie immer wieder das Interesse auf sich. Die Musik ist extreme Geschmackssache und wird sicherlich schwer polarisieren.

Das macht den Weg frei, sich Gedanken über den Sound der Scheibe zu machen. Wie zu erwarten war, sieht da die Gewichtung ähnlich wie beim Songwriting aus. Sehr viel Zeit wurde den Gitarren geopfert. Das ist soweit noch nicht schlimm. Der Nachteil ist aber, dass das Schlagzeug dabei völlig unter die Räder gekommen ist. Muss es denn ein Drumcomputer sein? Ein Musiker, der so lange im Geschäft ist, muss doch einen Drummer kennen, der ihm bei solch einem ehrgeizigen Projekt unter die Arme hätte greifen können. Die Konservendrums klingen so elend flach, da mag man gar nicht mehr hinhören. Die Beckensektion geht sogar noch, aber die Snaredrum lässt echt nur noch ein vernichtendes Urteil zu. Die Frage, warum man so etwas auf CD presst, bleibt unbeantwortet. Tatsache ist aber, dass dieser Fehlgriff relativ viel der sonst ansprechenden Stimmung wieder niedermäht. 

Für Saitenakrobaten ist die Scheibe trotz allem eine Empfehlung wert. Fast nirgends sonst wird so eindrucksvoll geschildert, zu was diese Instrumente fähig sind, ohne dabei in völligem Selbstlob zu ersticken. Musikalisch unbegabte Hörer werden sich wahrscheinlich schwer mit der Verarbeitung dieser sperrigen Kost tun. 

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen