Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Golden Apes: Denying The Towers Our Words Are Falling From...

Eine traumgleiche Reise
Wertung: 7.5/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 68:04
Release: 30.04.2010
Label: Echozone

Im Gothic Rock Klischees zu vermeiden ist definitiv kein leichtes Unterfangen – man bedenke nur die unzähligen Bands, die sich im üblichen Kitsch über Vampire und Herzschmerz verlieren und mit allen Mitteln versuchen, ein bestimmtes Image zu wahren. Golden Apes umschiffen diese Klippen geschickt und meiden bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich solche Fallen und das sowohl auf musikalischer als auch auf textlicher Ebene. Für einen recht eigenständigen Sound ist also definitiv gesorgt, doch lässt sich dieser überhaupt noch als Gothic Rock bezeichnen?

Einige Trademarks wie der sehr tiefe Gesang und eine fast durchgängig melancholische Grundstimmung existieren zwar, jedoch bewegt man sich vor allem auf instrumentaler Ebene auch gerne mal in anderen Bereichen. Gesetzt wird vorrangig auf ruhige Klänge, die von nur leicht angezerrter Gitarre und Keyboard-Teppichen dominiert werden. Der atmosphärische Rock der Formation driftet dabei gelegentlich fast schon in Post-Rock-Gefilde ab, ohne jedoch eine gewisse Eingängigkeit zu verlieren. Über allem schwebt die Bass-Stimme des Frontmanns Peer Lebrecht, der ein wenig wie eine Mischung aus Rammsteins Till Lindemann und Peter Heppner anmutet – das ist in der Praxis genauso gewöhnungsbedürftig, wie es in der Theorie klingt. Obwohl die Stimmfarbe an sich definitiv sehr angenehm ist, hat es manchmal den Anschein, als würden die Gesangsmelodien des Öfteren schlichtweg nicht zum Rest der Musik passen. Nach einer Weile gewöhnen sich die Ohren jedoch an den Gesang, auch wenn er definitiv ein Faktor bleibt, der hin und wieder das Gesamtbild trübt.

„Windlands“ zeigt sich gleich zu Anfang als stellvertretendes Stück für die weitere Marschrichtung des Albums: cleane Gitarren und sphärische Keys unterstützen die verträumte Atmosphäre, die in einen sehr melodiösen Refrain mündet. Im Vergleich zum Rest der CD schlägt „Liberation (Hieros Gamos)“ ein deutlich schnelleres Tempo an und besitzt zudem einen sehr melancholischen Grundton. Bei „Thus He Spoke“ verstärkt man das Ganze noch durch gelungenen Piano-Einsatz, der die Stimmung des Songs angenehm untermalt. Das Songwriting ist generell fast durchgängig überdurchschnittlich, auch wenn gegen Ende des Albums einige Wiederholungen auftreten – dafür hat die Band den Stil, den sie spielt, aber auch nahezu zur Perfektion gebracht. Besonders deutlich machen dies Tracks wie „Rays Of Light“ oder „The Mark Of Cain/And From This Heart It Will Rise…“: In beiden singt Peer sehr emotional und berührt zusammen mit den wunderschönen Gefühlen genau zwischen Hoffnung und Trauer – gerade bei letztgenanntem Song ist die Songstruktur dermaßen ausgeklügelt, dass er zeigt, wozu die Band in der Lage ist, wenn sie alle Geschütze auffährt. Ein wenig härter geben sich Golden Apes bei „Taming A Dream“: Neben etwas ruppigeren Riffs gibt es in diesem Stück auch einige spacige Synths zu hören, so dass der Song ziemlich aus dem Album heraussticht. Auch im Refrain des großartigen Songs „The Sea Inside“ rocken die Gitarren etwas deftiger und ergänzen die ruhigen, mit akustischen Klängen versehenen Strophen.

Definitiv Erwähnung verdienen auch die Texte im Booklet, die sich angenehm von üblichen Standards abheben und eine Menge Tiefgang bieten, ohne in allzu hochgestochene Gefilde abzudriften. Letztendlich ist der Band mit „Denying The Towers Our Words Are Falling From…“ ein wirklich außergewöhnliches Werk gelungen, das sich deutlich von anderen aktuellen Gothic-Rock-Veröffentlichungen abhebt – es wird nicht auf eine übermäßig düstere Stimmung und harte Gitarren gesetzt, sondern vielmehr auf eine einzigartige, traumgleiche Atmosphäre. Um dieses Album wirklich genießen zu können, muss man sich als Hörer in die Melodien der sphärischen Songs fallen lassen – zum nebenbei Hören taugt diese CD eher weniger. Einzig an der Stimme Peer Lebrechts mögen sich die Geister unter Umständen scheiden, denn nicht jeder wird dem gelegentlich fast schon dissonant anmutenden Gesang etwas abgewinnen können. Insgesamt bleibt das neue Werk der Golden Apes aber definitiv ein Album, das sich ein ganzes Stück über dem Durchschnitt bewegt und mit einem sehr eigenen Sound aufwartet.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna