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Gnaw Their Tongues: Per Flagellum Sanguemque, Tenebras Veneramus

Wahnsinnig überfüllte Scheibe
Wertung: 2.5/10
Genre: Black Metal, Doom Metal, Noise
Spielzeit: 57:58
Release: 25.07.2012
Label: ConSouling Sounds

Black-Metal-Bands neigen mitunter dazu, eine Vielzahl von Miniveröffentlichungen herauszubringen, um den Backkatalog zu füllen oder eben die Fans bei der Stange zu halten. Bei den Friesen Gnaw Their Tongues – die man eigentlich im Singular ansprechen muss, handelt es sich hier doch um das Ein-Mann-Projekt von Multiinstrumentalist und Sänger Mories – wird man bei einem Blick in die Diskografie förmlich erschlagen von EPs – seit der Gründung 2005 hat der Herr sage und schreibe 14 EPs, sowie diverse Splits und sieben Full-Length-Scheiben herausgebracht.

Album Nummer acht trägt den locker-flockigen Namen „Per Flagellum Sanguemque, Tenebras Veneramus“ und markiert bereits die zweite Veröffentlichung im Jahr 2012, denn mit „Eschatological Scatology“ gab es vor knapp anderthalb Monaten wie es scheint schon mal ein Release. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich zwar, dass die Platte bereits drei Jahre alt ist und 2012 nur als digitale Scheibe erneut released wurde, aber dennoch – Futter für die Fans gibt es wahrlich genug.

Ob es allerdings auch genug Fans gibt, die das ganze Futter zu würdigen wissen, steht wieder auf einem anderen Blatt, denn Gnaw Their Tongues lassen das Wort „gewöhnungsbedürftig“ direkt mal zum Euphemismus verkommen. Mir sind die vorhergehenden Releases nicht bekannt, aber zumindest auf „Per Flagellum Sanguemque, Tenebras Veneramus“ braucht man schon ein halbwegs dickes Fell und geschultes Ohr, um sich auf der knappen Stunde Lärm zurechtzufinden. Zurzeit ist der gute Mories mit GTT bei dem belgischen Label ConSouling Sounds unter Vertrag, bei dem unter anderem auch Alkerdeel schon mehrere Scheiben veröffentlicht haben – nicht die schlechteste Adresse für noisige Experimente, wie man sie auf der aktuellen Veröffentlichung findet.

Auf einer knappen Stunde Laufzeit und acht Liedern, die erwartungsgemäß jeweils zwischen fünf und zehn Minuten pendeln, findet sich kaum beachtenswerter Gesang, dafür jede Menge Zwischensamples, kreischende Gitarren, scheppernde Drums und hintergründiges Gemurmel respektive von weit herkommende Schreie, die in dem Instrumentalwust auch schon mal untergehen. „Hic Est Enim Calix Sanguinis Mei“ ist ein recht gutes Beispiel dafür und fungiert noch dazu als Opener – hier werden zu Beginn bedrohlich-dumpfe Geräuschkulissen aufgebaut, die klingen, als würde sich eine Horde Zombies gegenseitig ein Bein abkauen. Spult man ein bisschen vor, bietet sich so ziemlich das gleiche Bild, nur dass mittlerweile die Drums und abgehackte Screams dazugekommen sind. Irgendwo kotzt sich dann auch noch jemand die Seele aus dem Leib – man könnte meinen, man befindet sich auf einer Hausparty. Oder einem Festival.

„Urine-Soaked Neophytes“ fällt dann eher wegen seines Titels als wegen qualitativ hochwertigen musikalischen Inhalts auf, wird doch auch hier eher wirr vor sich hingesampled (inklusive etwas, was klingt wie tausend sterbende Geigen, die sich im Todeskampf winden) und hin und wieder im Hintergrund verzweifelt geschrien. Ganz weit hinter all dem Geschrammel erkennt man eine schöne Melodie, die sich aber leider nicht weiter nach vorne traut.

„Tod, wo ist dein Licht“ mag dann zwar einen sehr schönen Titel haben, versumpft aber auch ein bisschen in der Unfähigkeit des GTT-Meisters, sich mal klar definierte Linien zu suchen. Allerdings: Der Song hat einen sehr schönen Unterton, der mit seinen Pauken und Trompeten ein wenig an einen Beerdigungsmarsch erinnert. Hört man sich den Song mehrmals an, wird die Stimmung erst richtig nach außen getragen. Ein bisschen weniger Noise hätte besonders bei diesem Lied aber ganz gut getan.

Eines muss man Gnaw Their Tongues aber lassen: Hier herrscht ein ziemlicher Überschuss an geilen Songtiteln. Man schaue sich nur „Bonedust On Dead Genitals“ oder das wahrhaft verstörend noisige und vor allem dumpf wummernde „The Storming Heavens As A Father To All Broken Bodies“ an, das zwischendurch mit monströsen Pauken aufwartet und dann wieder in der Lärmigkeit des Seins verschwindet. Was man so wirklich von den musikalischen Vergewaltigungen auf „Per Flagellum Sanguemque, Tenebras Veneramus“ halten kann und soll, weiß man aber auch nach mehreren Durchläufen nicht. Es bleibt nicht wahnsinnig viel hängen und aufmerken möchte man nur bei „Tod, wo ist dein Licht“ und seinem makabren Unterton. Der Rest ist zwar kein Schweigen, aber dafür versinkt er recht schnell im ohnehin überfüllten Hinterstübchen.

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