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Gloria Morti: Anthems Of Annihilation

Sind Behemoth jetzt nach Finnland umgesiedelt?
Wertung: 9.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 40:18
Release: 30.07.2010
Label: Cyclone Empire

Bei all den Bands, die aus dem Land der tausend Seen stammen, beginnt man sich doch wirklich so langsam mal kritisch zu fragen, wie das sein kann. Das Land hat doch immerhin lediglich 5,3 Millionen Einwohner, was, wenn man die Zahl der The-Pit-relevanten Bands in Relation dazu setzt, eine Dichte von… Ist jetzt Mathe-Stunde, oder was? Lassen wir doch lieber die Musik für sich sprechen, oder was meint ihr?

Im Gleichschritt Marsch lautet die Devise im ersten Stück „Prelude”, in dem auch hier und da gesprochene Worte zu vernehmen sind. „Solution Called War” zeugt danach von solch drückender Vehemenz, dass man unweigerlich an die unerreichbar scheinenden Polen von Behemoth denkt – ein Wahnsinnsteil.

Trotz der vehementen Gewalt, die von „Awakening Of A Discordant Machine“ ausgeht, kommt hier auch der melodiebevorzugende Hörer auf seine Kosten: Bedrohliche Mainriffs auf der einen, aber auch irgendwie als schön zu bezeichnende Solosplitter sowie sehr nette Keyboardarragements auf der anderen Seite machen dieses Stück zu etwas Besonderem und einem Sahnestück der Scheibe.

Sehr zu gefallen weiß das abwechselnde Growling und Kreischen in dem sonst sehr Behemoth-liken „Infiltration“ – wahrlich, dieses Geschoss kommt den Krachern der Polen gefährlich nah.

Auch wenn man ein loderndes Feuer im Hintergrund vernimmt, so ist das schöne instrumentale Interludium „Swallowed By Defeat” doch so etwas wie eine kleine Verschnaufpause. Verschnaufpause für was? Nun ja, für heiß gelaufene Nackenmuskeln und dafür, nach all der schon erlebten Raserei mal wieder etwas runter zu kommen.

Der spannungserzeugende, nur ganz allmählich aus den Füßen kommende Beginn des eher midtempolastigen „Obey” zieht einem trotz der gemächlicheren Fahrweise Momente später dennoch die Socken von den Füßen, nämlich zu dem Zeitpunkt, als Psycho seine mördermäßigen Growls vom Stapel lässt. Und als perfekter Gegensatz werden zwischendurch immer wieder Vocals in fiesester Art und Weise hinausgekreischt. Ein perfektes Beispiel dafür, dass den Jungs auch eine gedrosselte Fahrweise bestens zu Gesicht steht.

Als die finnischen Behemoth könnte man die Jungs spätestens bei „Cut From Gaia“ titulieren. Zudem lässt die filigrane Keyboardarbeit Reminiszenzen an Dimmu Borgir aufkeimen. Trotzdem haben Gloria Morti ihren ganz eigenen Stil.

Die im Thrash verwurzelte Band lässt die Musik ihrer Anfangstage auch in „The Final Framework“ hier und da durchschimmern. Dieses Stück erschafft beim Hörer zudem ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit – ist der Kampf Mann gegen Maschine doch schon ein für allemal verloren? Nichts als gewinnen können mit diesem Stück jedoch die Finnen – und zwar beim Hörer; ein eindrucksvolles Teil brachialer Musikkunst.

Durch Sirenengeheul eingeleitet, drückt „Redemption“ dann noch mehr auf das Gaspedal. Das ebenfalls in Sachen Tempo ziemlich forsch vorangehende „Chaos Archetype“ bietet durch Synthieteppiche, in denen im krassen Gegensatz zum Songbeginn das Tempo gänzlich rausgenommen wird, eine perfekte Stimmungserzeugung, auch wenn diese alles andere als fröhlich gestaltet ist. Ein würdiger Abschluss eines sehr guten Albums.

Fazit: So unerreichbar weit weg wie eingangs erwähnt sind für die Finnen von Gloria Morti die polnischen Kollegen von Behemoth nun gar nicht unbedingt. Mit „Anthems Of Annihilation“ sind die Jungs aus dem Land der 1000 Seen gar fast schon auf Augenhöhe. Wer zudem Keyboards in Sachen Stimmungserzeugung gut findet, der wird an diesem Longplayer sicherlich seine helle Freude haben.

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