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Glass Hammer: Cor Cordium

Belanglos
Wertung: 5.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 62:20
Release: 11.11.2011
Label: Sound Resources

Dass Retro derzeit ziemlich angesagt ist, dürfte kein großes Geheimnis sein. Ist ja auch schön, dass man sich wieder der Helden von früher erinnert, Albumproduktionen lebendig und warm statt tot und kalt klingen lassen will und stolz zur Schau stellt, dass Herzblut und Seele wichtiger sind als klinische Perfektion. Wenn allerdings das Beziehen auf alte Recken so weit geht, dass eine heutige Band nur noch wie eine Coverversion eines einflussreichen Acts von damals klingt, kann das irgendwie auch nicht das Wahre sein.

Glass Hammer gab es zugegeben schon lange vor der Retro-Welle und sie sind meiner Wenigkeit durchaus ein Begriff; die Gelegenheit, in ein Album der US-Progger zu hören, hatte sich bislang allerdings irgendwie noch nicht ergeben. Wenn aber alle Studiolangrillen vor dem zu besprechenden „Cor Cordium“ in derselben Machart gehalten sind (und das sind immerhin stolze elf Stück seit 1993; Faulheit kann man den Jungs also nun wirklich nicht vorwerfen), hat man ehrlich gesagt wohl nicht allzu viel verpasst. Denn diese Truppe aus Tennessee klingt so dermaßen nach (lahmarschigen) Yes, dass es schon nicht mehr feierlich ist, und wenn man dann noch liest, dass deren Ex-Sänger Jon Anderson beim 2007er Werk „Culture Of Ascent“ als Gastvokalist auftrat, wird die am Anfang dieses Absatzes angestellte Vermutung schon fast zur Gewissheit.

Natürlich können die Kerle auf ihren Instrumenten alle was und natürlich ist „Cor Cordium“ (by the way: was für ein kitschiger Titel) in dem Sinne nicht wirklich ein schlechtes Album, aber etwas Besonderes ist es eben auch nicht. Das Hauptproblem neben der nicht vorhandenen eigenen Identität ist nämlich, dass kaum etwas vom Songmaterial hängen bleibt. Die ganzen Orgel-, Klavier- und Akustikgitarrenpassagen sind nett und zum Nebenbei-Berieseln-Lassen ganz gut geeignet, aber letztlich doch ebenso belang- wie harmlos und völlig ohne Wiedererkennungswert. Wenn man gerne einen chilligen Soundtrack im Hintergrund haben will, sich aber eigentlich auf etwas anders konzentrieren will, kann man die CD sicherlich mal auflegen – also zum Vögeln zum Beispiel.

Ansonsten aber tut das Teil niemandem weh und ist ungefähr so vorhersehbar wie die Tatsache, dass die Sonne im Osten aufgeht. Sicher, Bands wie Transatlantic, Spock’s Beard und Konsorten machen in Bezug auf ihre Einflüsse aus ihrem Herzen auch keine Mördergrube, aber die haben wenigstens starke Songs, mehr eigene Einfälle und klingen nicht so schrecklich zahnlos. Ein paar gute Momente, in denen man doch mal aus der Lethargie erwacht und wenigstens den Versuch unternimmt, etwas rockiger zu Werke zu gehen, gibt es beispielsweise im Opener „Nothing Box“ oder dem über 18 Minuten langen „To Someone“ (hier blitzen auch eindeutig ELP-Einflüsse auf) dann aber doch, was die Platte noch in den durchschnittlichen Punktebereich hievt. Auch der Fakt, dass die Jungs technisch sehr beschlagen sind, trägt dazu bei, wobei es andererseits gerade deswegen umso bedauerlicher ist, dass sie nicht in der Lage zu sein scheinen, mit stärkerem Songwriting aufwarten zu können. Vielleicht würden sie als echte Yes-Coverband sogar besser fahren, auch wenn es davon bestimmt bereits mehr als genug gibt. 

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