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Glamour Of The Kill: The Summoning

Keine Tiefe, kein Feeling, aber jede Menge Hype
Wertung: 3/10
Genre: Modern Metal
Spielzeit: 47:01
Release: 28.01.2011
Label: Afflicted Music/Soulfood

Wenn eine Band „Glamour“ in ihrem Namen trägt, sollte man als Metaller einen weiten Bogen um die Musik machen oder sich schon mit dem Geruch von Haarspray anfreunden. Im Falle der Briten Glamour Of The Kill wird schon auf den ersten Blick deutlich, dass man es hier mit der abgeflachten Version des kantigen Metal zu tun hat – die Vier präsentieren sich zwar passend dunkel gekleidet und tätowiert, man kommt aber nicht umhin, an eine erwachsenere Variante von Tokio Hotel zu denken. Dass die Jungs aus York unter dem Banner „Modern Metal“ agieren, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil.

Direkt im Pressetext wird klargemacht, dass GOTK in ihrer Heimat das nächste große Ding sind und deshalb schon mit Bullet For My Valentine auf Tour gehen durften. Nur schade ist, dass die Neulinge nicht annährend an dieses Niveau herankommen (und das sagt jemand, der BfmV nicht unbedingt als Lieblingsband bezeichnen würde) – nicht nur, dass die musikalische Qualität nicht stimmt, auch die Produktion, obwohl von den beiden Bullet-Tontechnikern Jeff und Ginge arrangiert, steigert das Hörvergnügen nicht gerade. Zu dumpf wabert der allgemeine Sound durch die Kopfhörer, im Gegensatz dazu ist die hohe Tonlage von Leadsänger und Bassist Davey wie eine Nadel im Gehörgang. Zwar gewöhnt man sich im Verlauf der Platte ein wenig an diese Unstimmigkeiten, aber das sollte eigentlich gar nicht erst nötig sein.

Der durchweg amerikanische Sound ohne Ecken und Kanten nervt schon nach dem ersten Durchgang gewaltig. Freut man sich bei „World’s End“ noch ein bisschen zu euphorisch über die eingangs genutzten Blastbeats und kräftigen Shouts, wird man schon im austauschbaren, seichten Refrain eines Besseren belehrt. Spätestens die Achtzigerjahre-Hair-Metal-Gitarren und „Woohoo“-Hintergrundchöre zerren dann so gewaltig an den Nerven, dass nur der Skipknopf bleibt.

Im Gegensatz dazu kann man sich bei „Dying From The Inside“ entspannt zurücklehnen – der Track beweist, dass zumindest zwei der vier Bandmitglieder eine gute Stimme zum Shouten haben (welche beiden das sind, steht in den Sternen, denn alle Vier sind mit „Vocals“ gekennzeichnet). Hier verabschiedet man sich von dem pseudo-mäßig umgesetzten Glam Metal und tendiert stark in Richtung Metalcore; dabei erinnert vor allem der klare Gesang streckenweise an Bands wie Alesana oder A Skylit Drive - leider jedoch ohne deren musikalisches Niveau zu erreichen.

„Malevolent Reign“ markiert dann die obligatorische Akustikballade, die zwar nur knappe zwei Minuten Laufzeit mitbringt, aber ein sehr schönes Zusammenspiel der beiden Gitarren präsentiert und auch gesanglich gut dazu passt. Statt sich in seichtem Songwriting zu verlieren wie auf den folgenden Stücken, hätten die Jungs sich besser eingehender mit diesem Stück beschäftigt und es noch ein bisschen länger gestaltet. Der Song bleibt nämlich tatsächlich der letzte Lichtblick: „Here, Behind These Walls“ reiht sich wieder in den Achtziger-Drive ein, bei dem man aber das Gefühl nicht los wird, dass jemand Poison wieder ausgegraben hätte, ihnen gewaltsam ihre Neonklamotten entrissen und sie in schwarze Muskelshirts und Skaterschuhe gesteckt. „Army Of The Dead“ bietet nochmal eine stärkere Emocore-Schiene mit – Achtung! –Gangshouts, bei denen sich Hardcore-Urgesteine wie Freddy C. (Madball) wahrscheinlich gerne mit dem Mikro selbst das Trommelfell zerfetzen würden.

Apropos zerfetzen: Final gibt es mit dem Titeltrack noch eine Halbballade auf die Ohren, die aus einem Disney-Film entsprungen sein könnte und dementsprechend ordentlich auf die Tränendrüse drückt, ohne auch nur ein Quäntchen Gefühl rüberzubringen. Plötzlich setzt dann eine kreischende Gitarre ein und der Text „I live my life für rock’n’roll“ lässt einem endgültig graue Haare wachsen und vergällt einem das Rocken wie das Rollen für alle Ewigkeit.

Fazit: Auf „The Summoning“ findet man weder „songwriterische[s] Können“, noch „faszinierende Geschicklichkeit an ihren Instrumenten“, obwohl man sich ziemlich sicher sein könnte, dass die Jungs einiges draufhätten, wenn sie sich nur den Kajal abwischen und sich Eier wachsen lassen würden. Eine Produktion mit derart wenig Tiefe ist der Verfasserin dieser Zeilen schon eine Weile nicht mehr untergekommen, zumal die Band in Großbritannien gehyped wird, als wären sie die nächsten Beatles. Pro gutem Song gibt es einen Punkt, den dritten bekommen Glamour Of The Kill dafür, dass sie es geschafft haben, mit so wenig Inhalt ein komplettes Album zu füllen.

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