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Giver: Sculpture Of Violence

Unglaublich wuchtig und trotzdem alles andere als stumpf
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 36:43
Release: 07.02.2020
Label: Holy Roar Records

Hardcorebands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, auch hierzulande verbreitert sich das Genre von Jahr zu Jahr, eine große Prozentzahl der Combos prügelt außerdem nicht nur schnöde drauflos, sondern hat sozialpolitisch, mindestens aber gesellschaftlich hochwichtige Dinge zu sagen. Giver bilden da keine Ausnahme, haben sie doch ihr neues, zweites Album „Sculpture Of Violence“ folgerichtig nach dem Menschen an sich benannt, der es bis heute nicht geschafft hat, eine Gesellschaft zu züchten, in der jeder einfach nur sein darf wer oder was er möchte. Was die Truppe, neben überraschend tiefsinnigen Texten und einem sehr schön brachialen Sound, noch auszeichnet, ist ein unwahrscheinlich heiserer Sänger, der zu jeder Sekunde am Rand einer Stimmbandentzündung zu stehen scheint.

Damit haben wir eigentlich schon alle Komponenten beisammen, die dazu beitragen, dass „Sculpture Of Violence“ sich als ein bärenstarkes Werk entpuppt. Durch die Schärfe kann man den Vocals kaum entrinnen, Titel wie „Built In The Difference“, „Every Age Has Its Dragons (Like An Empire)“ oder „These Words Are Rain“ weisen außerdem recht deutlich darauf hin, dass es sich hier nicht um eine 08/15-Kellercombo handelt. Auch wenn man die Texte nur überfliegt, wickelt man sich schnell in Gänsehaut: Ob im heftigen Titeltrack und Kernstück der Platte („Fuck sex, fuck skin, fuck nation/I wanna be my own creation“ - bitte als T-Shirt-Motiv drucken, Jungs!) oder dem ebenfalls im Vorfeld ausgekoppelten „Every Age Has Its Dragons (Like An Empire)“, in dem deutlich die unhaltbaren Zustände angeprangert werden, in die die heutige Fast-Fashion-Industrie ihre „Mitarbeiter“ verwickelt – Giver nehmen kein Blatt vor den Mund und machen damit eine unsagbar gute und glaubwürdige Figur.

Schon der Opener „Night Season“ stellt die Weichen für einen düsteren, brutalen, kompromisslosen Sound, der auf knapp 36 Minuten Laufzeit viel zu kurz geraten ist. Heiseres Gebell, recht klassische Hardcore-Gangshouts, untermalt von tighten Drums und schön tief gestimmten Gitarren – wenn da das Herz nicht aufgeht, ist man entweder taub oder kann mit Hardcore so gar nichts anfangen. Eindringlich dann auch der Beginn von „The Same Stream“, in dem der wütend herausgespuckte Text im Vordergrund steht; erst zögerlich kommen die unfassbar unheilvollen Gitarren dazu, still sitzen hat sich schon lange erledigt, das Schlafzimmer wird zur Tanzfläche und gegen Ende des Songs zum Moshpit. Wenn da live keine Schuhe fliegen, macht das Publikum irgendwas grundlegend falsch.

Das bereits erwähnte „These Words Are Rain“ ist dann so wenig konventioneller Hardcore, dass man den Song tatsächlich mehrmals hören muss. Abgesehen von dem beinah poetischen Titel wird allein im Intro schon beinah Post-Hardcore-Atmosphäre verbreitet, das viel genutzte Prädikat „episch“ kommt schnell in den Sinn, hinter dem deftigen Gebrüll verbergen sich dann auch immer wieder kleine perlende Gitarrenspielereien, bevor der Refrain dann wieder in knallenden Drums und Gangshouts mündet. Ein unfassbar kraftvoller Song, der live entweder auch für viel Bewegung sorgt oder alle Anwesenden in Ehrfurcht erstarren lässt.

Und als hätte man es bei dem Titel schon geahnt, hält „Longing For Death“ sogar richtigen Gesang bereit, der sich in der zweiten Hälfte bedrückend durch die Boxen schlängelt und in Kombination mit den verzweifelten Schreien den Hörer geradezu schockt.

Geradezu geschockt kann man auch von der Wucht dieser Platte sein, dem spürbaren Zorn und der Gewalt, die Giver entfesseln. Kaum auszudenken, wie die Truppe live alles niederknüppelt, wenn eine simple Aufnahme schon ein derartiges Potential zeigt. „Sculpture Of Violence“ ist eine Investition für‘s Leben, sei es für Hardcorefans oder Metalheads.

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