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Girugämesh: Now

Erneuter Kurswechsel
Wertung: 8.5/10
Genre: Modern Metal/Alternative Rock
Spielzeit: 51:06
Release: 12.02.2009
Label: Gan Shin Records

Versuchten sich die Senkrechtstarter Girugämesh mit dem Vorgänger „Music“ noch verstärkt an Hardcore- und elektronischen Einflüssen in ihrer Musik, lotet man dieses Mal ein anderes Extrem aus: der verstärkten Einbindung von Elementen aus dem Pop. Wer jedoch fürchtet, die Band würde ihren Ursprüngen nun endgültig Lebewohl sagen, kann aufatmen, denn das Fundament bleibt weiterhin bestehen – die neuen Elemente spiegeln sich hauptsächlich in der weiterhin erhöhten Eingängigkeit der Songs wider.

Typische Markenzeichen der Japaner wie das Nu-Metal-Fundament, das allerdings mit diversen Einflüssen aus anderen Spielarten des modernen Metals angereichert wird, sowie der charismatische Gesang des Frontmannes Satoshi sind weiterhin erhalten geblieben, auch wenn dieser seinen Stil seit dem letzten Longplayer wieder abgewandelt hat. Wurde auf dem heftigen „Music“ noch geshoutet und gescreamt was das Zeug hält und auch beim melodischen Gesang eher auf eine raue Stimmlage zurückgegriffen, wurde der Anteil an extremeren Vocals deutlich zurückgeschraubt und durch sehr klaren, emotionalen Gesang ersetzt. Der eifrige Gebrauch von Elektro-Sounds, der auf dem letzten Album vielen Fans sauer aufstieß, wurde zu großen Teilen beibehalten, fällt dieses Mal jedoch weniger offensiv aus und ist zumeist von den Gitarren dominiert.

Nach dem Intro in lustigem Englisch mutet „Bitcrash“ noch wie eine Fortsetzung von „Music“ an: Ruppige Riffs, die aus der „13's Reborn“-Ära stammen könnten, treffen auf aggressive Vocals, zu denen auch Rappen gehört, und reichlich elektronische Unterstützung – ein wenig überraschender Einstieg, der jedoch sehr energetisch daherkommt. „No Music No Reason“ wirkt danach ein wenig enttäuschend, erscheinen doch sowohl die Melodie als auch das Riffing reichlich uninspiriert. Da hat man von Girugamesh schon wesentlich Besseres gehört, doch glücklicherweise stellt der Track eine Ausnahme auf dem ansonsten gelungenen Album dar.

„Alive“ rockt temporeich und mit eingängigem Refrain nach vorne und bietet auch ein wenig Gebrüll seitens Satoshi, während mit „I Think I Can Fly“ ein Song folgt, der sich nahtlos in die Reihe der besten Stücke des Quartetts einfügt. Ein interessantes Riff trifft auf optimal gesetzte Synths und superben Gesang sowie einen kraftvollen Refrain – hier wird wie schon oftmals zuvor deutlich, dass Satoshi dank einwandfreier Technik und jeder Menge Emotion zu den Besten der japanischen Musikszene gehört. Neben Experimenten wie „Beast“, in dem sich poppiger weiblicher Gesang zu dem harten Metal-Grundgerüst gesellt, oder „Nobody“, einer Ballade mit starken R'n'B- und Hip-Hop-Einflüssen, stehen klassische Girugamesh-Smasher wie das melodieorientierte Stück „Suiren“ oder „Dirty Story“, in dem die härtere Seite der Band zur Geltung kommt.

Die gesamte CD über beweisen die Japaner ihr Händchen für gute Hooklines und griffige Riffs, ob nun stampfend und mit vielen Rap-Einlagen versehen wie bei „Game“, mit groovenden Basslines versehen wie bei „Driving Time“, oder unbeschwert poppig wie bei „Arrow“ - die Stücke sind angenehm abwechslungsreich und decken ein breites Spektrum an Einflüssen ab. Neben den zwölf regulären Songs bietet die europäische Version von „Now“ noch zwei Bonustracks, bei denen es sich um nur als Singles veröffentlichte Songs handelt. „Border“ schlägt gekonnt die Brücke zwischen alten und neuen Girugamesh, während „Crying Rain“ eine sehnsüchtige Ballade ist, die die Platte noch einmal deutlich aufwertet.

Mit den düsteren und ungeschliffenen Veröffentlichungen aus der Frühzeit der Band lässt sich auch „Now“ keinesfalls vergleichen, auch wenn es gelegentlich Elemente aus diesen zu hören gibt. Wer sich aber an der Experimentierfreudigkeit Girugameshs nicht stört, wird mit dem neusten Werk mehr als nur zufrieden sein, denn die Mischung aus Härte und poppiger Eingängigkeit funktioniert optimal. Bis auf „No Music No Reason“ lässt sich auch kein wirklicher Ausfall auf dem Album finden, sodass „Now“ einen würdigen Nachfolger zu „Music“ darstellt.

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